vor 3 Stunden
Beschreibung
FRANKFURT (awp international) - Ein erneuter Anstieg der Ölpreise hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag unter Druck gesetzt. Die wichtigsten Aktienindizes weiteten ihre zur Wochenmitte erlittenen Verluste aus.
Der Dax fiel bis zum Mittag um 0,5 Prozent auf 25.291 Punkte. Zwischenzeitlich hatte der Leitindex bis zu ein Prozent eingebüsst und damit erneut die 100-Tage-Durchschnittslinie getestet. In der Vorwoche war der Dax bereits zeitweise unter dieses längerfristige Trendbarometer gerutscht, hatte sich dann aber gefangen. Der MDax der mittelgrossen Unternehmen verlor zuletzt 0,9 Prozent auf 30.928 Zähler.
Die Entwicklung am Ölmarkt, momentan massgeblich für die Inflations- und Zinserwartungen, verunsichert die Anleger weiter. Am Mittwoch hatten die zuletzt etwas moderateren Ölpreise wieder deutlich angezogen, nachdem in der Strasse von Hormus erneut ein Frachtschiff unter Beschuss geraten war. Der Iran knüpfte eine mögliche Öffnung derweil in Gesprächen mit den USA an Bedingungen.
Am Donnerstag nun hatte ein Militärberater des obersten Führers des Iran erklärt, Teheran könnte den Krieg auf den Indischen Ozean ausweiten, sollten die USA oder Israel erneut angreifen. Damit kostete ein Fass der Nordseesorte Brent wieder klar mehr als 100 Dollar.
Immerhin gab es gute Nachrichten zur deutschen Konjunktur. Die hiesige Wirtschaft zieht aus Sicht führender Forschungsinstitute deutlich an. Im laufenden Jahr erwarten die Institute einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die Institute noch mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet. Gleichwohl sprach der Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Oliver Holtemöller, eine Warnung aus: "Der Aufschwung steht auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten."
Zudem hat sich die vom Ifo-Institut erfasste Stimmung in der deutschen Wirtschaft im September trotz hoher Energiepreise stärker als erwartet verbessert. "Die deutsche Konjunktur erweist sich als widerstandsfähig gegen politische Ereignisse und hohe Ölpreise", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Eine kräftige Weltkonjunktur und eine Erholung in den Dienstleistungssektoren seien die Hauptursachen.
Im Fokus aber steht das Treffen zwischen dem US-Präsidenten Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping. Die bis November ausgesetzten zusätzlichen Zölle auf Importe chinesischer Waren werden unterdessen laut US-Finanzminister Scott Bessent um weitere zwei Monate aufgeschoben. Das sagte Bessent dem Sender Fox News zu Beginn eines dreitägigen Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington.
Wegen der Unsicherheit über die geopolitischen Konflikte und den Aufrüstungskurs der Regierungen mieden Anleger hierzulande und europaweit insbesondere Rüstungswerte. So fielen die Aktien von Rheinmetall um 2,6 Prozent. Hohe Auftragseingänge seien eingepreist, und nun verlagere sich der Fokus darauf, wie diese abgearbeitet werden, schrieb Analyst Jens-Peter Rieck von MWB Research. Im MDax büssten die Papiere von Renk 4,5 Prozent und die von Hensoldt 4 Prozent ein.
An der Spitze des Nebenwerteindex SDax gewannen die Akten der Shelly Group vier Prozent auf 67 Euro. Der Technologiekonzern Schneider Electric steht vor der Übernahme des Herstellers von intelligenten Elektro-Geräten. Die Franzosen unterbreiteten ein Übernahmeangebot von 70 Euro je Aktie.
Die Aktien von Verbio verloren 3,5 Prozent. Das Gewinnziel des Biokraftstoffherstellers hatte enttäuscht./la/jha/
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---