Geldanlagen

Wie funktioniert ein ETF?

Die meisten ETF nehmen für sich in Anspruch, einen Börsenindex so genau wie möglich nachzubilden. Dieses Ziel lässt sich auf verschiedene Arten erreichen. ETF-Anleger sollten die wesentlichen Unterschiede bei der Indexnachbildung kennen.

Aktualisiert am

15. Juli 2026

ETF sind bei Anlegern beliebt. An der Schweizer Börse SIX sind mittlerweile über 2‘200 ETF gelistet. Der Grossteil dieser Produkte bildet einen Vergleichsindex ab. Dabei gibt es unterschiedliche Art und Weisen, wie die ETF vorgehen. Grundsätzlich wird zwischen der physischen (direkten) und der synthetischen (indirekten) Replikation unterschieden.

Bei der physischen Replikation wird direkt in die im Index enthaltenen Titel investiert. Hier gibt es drei Ansätze. Die klassische und einfachste Methode ist die volle Replikation. Dabei enthält das Fondsportfolio alle Indextitel mit exakt den gleichen Gewichtungen wie der Index. Ein voll replizierender Fonds auf den Schweizer Aktienindex SMI beispielsweise kauft die 20 im Index enthaltenen Titel mit exakt derselben Index-Gewichtung.

Es gibt allerdings auch Indizes, die über tausend Titel enthalten. Um die Kosten der Indexnachbildung zu begrenzen, werden bei Produkten auf solche Indizes oft Stichprobenverfahren angewendet. Dabei wird der jeweilige Index nur mit einem Teil der im Index enthaltenen Titel abgebildet. Bei der repräsentativen Stichprobe werden nur die Titel mit der höchsten Gewichtung berücksichtigt und proportional neu gewichtet. Fonds, die eine optimierte Stichprobe anwenden, bestimmen die neuen Gewichtungen anhand statistischer Optimierungsmethoden, um den Index möglichst genau abzubilden.

Bei der synthetischen Replikation erfolgt die Indexnachbildung mittels eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps. Der ETF-Anbieter tauscht die Rendite von in seinem Portfolio liegenden Titeln gegen die Rendite des abzubildenden Indexes. Die Gegenpartei eines solchen Tauschgeschäfts ist oft eine Investment Bank. Dabei kommt es zu Risiken, weil die Gegenpartei in Konkurs gehen und so das Tauschgeschäft nicht weiter durchgeführt werden kann. Diese Gegenparteirisiken sind jedoch sehr gering, da sich die ETF-Anbieter mit hinterlegten Sicherheiten vor einem Konkurs der Gegenpartei schützen oder die Risiken auf mehrere Gegenparteien verteilen.

Die synthetische Replikation ist teilweise weniger transparent als die physische Indexabbildung. Sie eignet sich allerdings besser, um beispielsweise illiquide Märkte abzubilden. Gewisse Märkte etwa im Rohstoffbereich lassen sich nur synthetisch abbilden.

Während ursprünglich sämtliche ETF physisch repliziert waren, wurden im Laufe der Zeit immer mehr ETF synthetisch aufgesetzt. Vor einigen Jahren wurden synthetische ETF vor allem wegen ihrer Gegenparteirisiken scharf kritisiert, weshalb seit 2015 vermehrt wieder die physische Replikation angewendet wird und gewisse ETF-Anbieter von der synthetischen auf die physische Replikation gewechselt sind. Der Anteil physischer Produkte ist seit 2016 von rund 60 Prozent auf etwa 85 Prozent angestiegen.
 

Die Replikationsart kann sich auf die Qualität auswirken wie gut der ETF den Index abbildet. Um diese zu messen, lohnt es sich, die Differenz zwischen der ETF-Rendite und der Indexrendite zu vergleichen. Unterscheidet sich die ETF-Rendite stark von der Indexrendite oder kommt es zu starken Schwankungen der Differenz, ist Vorsicht geboten.

Das starke Wachstum von ETF und die damit einhergehende Produktvielfalt haben dazu geführt, dass es für Anleger immer wichtiger, aber auch immer anspruchsvoller wird, sich vor dem Kauf seriös und detailliert zu informieren.
 

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