Geldanlagen

Weshalb Börsenprognosen so häufig falsch sind

Anfang Jahr publizieren viele Banken ihre Kursziele für das ganze Börsenjahr. Weshalb Sie sich davon nicht beeindrucken lassen sollten. 

Christian Huber

Funktion Leiter Aktienresearch

Publiziert am

14. Januar 2026

Die Geschichte der Fehlprognosen von Finanzanalysten wiederholt sich auch in diesem Jahr. Jeweils zu Jahresbeginn geben Börsenexperten ihre Prognose für das kommende Jahr ab. Auch für das Jahr 2025 waren sämtliche Prognosen falsch. 

Das Anlagejahr 2025 hat nicht nur viele Privatanleger sehr positiv überrascht, sondern auch fast alle Finanzanalysten und Ökonomen. Das lässt sich zumindest von den deutlich zu tiefen Prognosen ableiten, die vor einem Jahr publiziert wurden. Die Banken und Vermögensverwalter hatten sehr heterogene Erwartungen an die Kursentwicklung vom US-Börsenindex S&P 500. 

Die erwartete Performance für das vergangene Jahr lagen zwischen einem Minus von 24 Prozent bis zu einem Kursplus von 21 Prozent (vgl. Grafik).

Tatsächlich ist der S&P-500-Index im Jahr 2024 um 16 Prozent nach oben geklettert. Die grosse Mehrheit der Experten waren in ihren Prognosen deutlich zu pessimistisch und haben den negativen Effekt von geopolitischen Krisen auf die Finanzmärkte überschätzt. Gleichzeitig wurden die soliden und positiven Gewinnentwicklungen von US-Unternehmen unterschätzt.

Es ist überraschend auffällig, dass die jährlichen Prognosen von Finanzexperten häufig daneben liegen. Das wirft einige Fragen auf: Weshalb ist die Prognosefähigkeit an den Finanzmärkten so bescheiden, wenn doch die Finanzanalyse in den vergangenen Jahrzehnten mit riesigem Aufwand mit dem Ziel, die Qualität der Prognose zu verbessern, verfeinert worden ist? Weshalb werden Anleger immer wieder von Börsencrashs oder von Kursfeuerwerken überrascht? 

Falsche Annahmen von Ökonomen

Die Antworten darauf sind einfach. Der Mensch selbst spielt den komplexen Modellen der Wirtschaftswissenschaftler immer wieder einen Streich. Die Mehrheit der Ökonomen geht immer noch fälschlicherweise davon aus, dass der Mensch stets rationale Investitionsentscheide fällt und sich nicht von seinen Emotionen leiten lässt. 

Aufgrund dieser Fehlannahme versuchen Wirtschaftswissenschafter, die Kursentwicklung mit naturwissenschaftlichen Methoden vorherzusagen.

Im Unterschied zur Meteorologie und zu anderen Naturwissenschaften beeinflusst der Mensch mit seinem oft irrationalen Verhalten die Entwicklungen an den Finanzmärkten direkt. Seine unberechenbaren Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf die Aktienkurse aus. Die klassische Finanzmarkttheorie berücksichtigt diese Erkenntnis bis heute allerdings kaum.

Prognosen sind nur Momentaufnahmen

Deshalb sollten Anleger Prognosen als das betrachten, was sie letztlich sind: Momentaufnahmen, die schon schnell wieder überholt sein können. Auf die Aktualität übertragen heisst das: Unvorhersehbare Einflüsse wie etwa globale Konflikte, eine plötzlich stagnierende Teuerungsrate in den USA oder eine sich unerwartet ändernde Wirtschaftspolitik Trumps können das Marktumfeld derart verändern, dass sämtliche Prognosen vom Jahresbeginn stark überarbeitet werden müssten. 

Für Anleger bedeutet dies, dass sie besser fahren, wenn sie an ihrer strategischen Positionierung langfristig festhalten, anstatt sie jedes Jahr von neuem aufgrund von Prognosen anzupassen. Denn mit einem breit aufgestellten Portfolio ist man an der Börse auch für 2026 gut gerüstet – unabhängig davon, was prophezeit wird.

Tipp: Um zu wissen, ob das eigene Wertschriftendepot wirklich sinnvoll diversifiziert ist, lohnt sich ein unabhängiger Depot-Check. Ein Depot-Check deckt die Schwächen eines Depots und die offensichtlichen Interessenskonflikte der Banken auf. Er zeigt, wenn ein Anleger zu hohe Risiken eingeht und Chancen zu wenig nutzt.

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