Geldanlagen

Viele Anleger landen unwissentlich in ESG-Fonds

Wer bei seiner Bank eine Anlagelösung abschliesst, wird systematisch nach seiner ESG-Präferenz abgefragt – das ist regulatorisch vorgeschrieben. Allerdings verfügen Banken über erheblichen Interpretationsspielraum, den sie zu ihren Gunsten ausnützen können. 

Jonas Wieckert

Funktion ESG-Analyst

Publiziert am

24. Juni 2026

Gemäss den Vorgaben der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) müssen Banken die ESG- Präferenzen ihrer Anleger erheben. Das heisst: Ihre Einstellung zu den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung.

Bei der Umsetzung haben Banken jedoch einen erheblichen Spielraum. An diesem Punkt zeigt sich die zentrale Herausforderung: Nicht immer werden Anleger objektiv aufgeklärt und kommen in eine passende Anlagelösung.

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So sind Banken einerseits verpflichtet, ESG-Kriterien bei Kundinnen und Kunden mit entsprechender Präferenz zu berücksichtigen. Andererseits bedeutet das Fehlen einer solchen Präferenz jedoch nicht automatisch, dass eine ESG-freie Anlagestrategie gewählt wird. Vielmehr können diese Kunden als "ESG-neutral" eingestuft werden. Dabei können Anlagelösungen mit expliziter ESG-Berücksichtigung gekauft werden.

Eine aktuelle Studie der SBVg in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern zeigt wie weit verbreitet diese Praxis ist. Kunden ohne ESG-Präferenz landen bei rund der Hälfte der Schweizer Banken in denselben Anlagelösungen wie solche mit ESG-Präferenz. Zudem bieten ein Drittel der untersuchten Institute ausschliesslich ESG-Anlagelösungen an. Kunden müssen bei diesen Anbietern also Abweichungen aufgrund von ESG-Kriterien in Kauf nehmen.

Solche Abweichungen können sich unter anderem auf das Risiko-Rendite-Profil auswirken. Anlegerinnen und Anleger sollten sich dieser Abweichungen bewusst sein insbesondere, wenn sie gar keine explizite ESG-Berücksichtigung wünschen.

Die Folgen einer falschen ESG-Aufklärung

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Art und Weise, wie Kunden vor der Erhebung ihrer Präferenzen informiert werden. Schweizer Banken sind in der Ausgestaltung frei und können ihre Kunden so in eine bestimmte Richtung lenken. Dies führt zu erheblichen Unterschieden beim Anteil der Anlagekundschaft, die eine ESG-Präferenz äussert. Je nach Institut liegt dieser Anteil zwischen rund 20 und 90 Prozent.

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So kann beispielsweise kommuniziert werden, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien zu einer wahrscheinlichen Mehrrendite führt. Eine solche Aussage ist wissenschaftlich nicht belegt. Im Gegenteil: Unternehmen mit guten ESG-Eigenschaften sind häufig bereits höher bewertet, sodass längerfristig ein Renditevorteil nicht wahrscheinlich ist.

Ein Blick auf globale Aktienindizes illustriert diese Unsicherheit. Der Vergleich zwischen dem Weltaktienindex MSCI World und seinen ESG-Varianten zeigt beispielhaft, dass ESG-Indizes je nach Zeitraum sowohl besser als auch schlechter abschneiden können als der klassische Vergleichsindex. In den letzten drei Kalenderjahren führte die Berücksichtigung von ESG-Eigenschaften tendenziell zu Minderrenditen.

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