Erbstreit: Diese Situationen stellen Familien auf die Zerreissprobe

Nachlass

Streit entsteht oft, wenn Erben Entscheidungen nicht nachvollziehen können oder sich benachteiligt fühlen. Lesen Sie, wie Sie Missverständnisse vermeiden.

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Gabrielle Sigg

Funktion Expertin für Willensvollstreckung

Publiziert am

5. Oktober 2026

Beim Erben geht es meistens nicht nur ums Geld. Der Nachlass ist mit starken Emotionen verbunden: Die Aufteilung kann alte Wunden aufreissen und verdrängte Konflikte wieder ans Licht bringen.

Erfahrungsgemäss belasten die folgenden Situationen den Familienfrieden besonders häufig. 

Betreuung

Je älter die Eltern werden, desto eher sind sie auf Hilfe angewiesen – etwa bei der Gesundheitspflege oder bei Fahrten und Einkäufen.

Oft übernimmt ein Kind diese Aufgaben unentgeltlich. Nach dem Tod der Eltern kann das zu Spannungen führen, wenn Geschwister, die sich kaum beteiligt haben, gleich viel erben und sich das betreuende Kind benachteiligt fühlt. 

Tipp: Wer für seine Eltern sorgt, sollte rechtzeitig regeln, ob und wie diese Leistungen entschädigt werden sollen. Zwei Beispiele: Die Eltern können vertraglich festhalten, welche Betreuung geleistet wird und was das betreuende Kind dafür bekommt. Oder sie verfügen in ihrem Testament oder Erbvertrag, dass das betreuende Kind mehr erbt als seine Geschwister, etwa mit einem Vermächtnis. Alternativ setzen sie die Kinder auf den Pflichtteil, die nichts zur Betreuung beitragen. 

Erbvorbezüge

Viele Eltern unterstützen ihre Kinder schon zu Lebzeiten – etwa mit Geld für den Kauf eines Eigenheims oder für den Aufbau einer Firma. Solche Erbvorbezüge sind sinnvoll, bergen aber Konfliktpotenzial, wenn sich andere Erben benachteiligt fühlen. Spätestens bei der Erbteilung stellt sich die Frage, ob die Vorbezüge angerechnet werden müssen. 

Tipp: Halten Sie im Testament oder Erbvertrag fest, wie der Erbvorbezug auszugleichen ist. Im Rahmen der freien Quote können Sie das beschenkte Kind ganz oder teilweise von der Ausgleichspflicht befreien. 

Nicht immer ist klar, wer wann wie viel bekommen hat. Halten Sie grössere Schenkungen darum immer schriftlich fest. 

Eigenheim

Besonders häufig entzünden sich Konflikte an Immobilien. Ein Haus oder eine Wohnung lässt sich nicht so einfach aufteilen wie ein Bankkonto. Oft möchte ein Kind das Eigenheim übernehmen, während die Geschwister ausgezahlt werden sollen. 

Oder die Erbengemeinschaft kann sich nicht auf einen Verkauf einigen, weil die Preisvorstellungen weit auseinanderliegen. Das kann zu Streit führen, weil die Erbinnen und Erben alles einstimmig entscheiden müssen. Eine Einzelperson kann die Erbteilung jahrelang blockieren oder die Erbteilung gerichtlich einfordern. 

Tipp: Regeln Sie Ihren Nachlass, bevor es dafür zu spät ist. Suchen Sie früh das Gespräch mit Ihren Kindern. Machen Sie Teilungsvorschriften im Testament, statt die Entscheidung den Nachkommen zu überlassen – so können Sie Streit wirkungsvoll vorbeugen. 

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