Steuern

"Ein verlässliches Steuersystem ist für Firmen entscheidend"

Steuerspezialistin Jacqueline Landmann vom Beratungsunternehmen PwC erklärt, wie die Schweiz international dasteht und was für viele Unternehmen zentral ist.

Frau Landmann, zahlen Schweizer Familienunternehmen im internationalen Vergleich mehr oder weniger Steuern?

Man muss unterscheiden. Kantone mit einem tiefen Steuersatz wie etwa Zug sind im internationalen Vergleich sehr attraktiv. Kantone mit einem hohen Steuersatz wie Bern liegen dagegen im Mittelfeld. Zu den Unternehmenssteuern kommen aber noch Steuern auf Löhne und Dividenden hinzu. 

In der Schweiz fallen auch Vermögenssteuern an. 

Das stimmt, die meisten anderen Länder haben keine Vermögenssteuer. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer betrachten sie als vertretbar, weil in der Schweiz andere Standortvorteile überwiegen. 

Welche Kriterien sind wichtig für Firmen? 

Wichtig sind die rechtliche und politische Stabilität, die Lebensqualität und Innovationskraft, die zentrale Lage in Europa sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften. Entscheidend ist auch ein verlässliches Steuersystem – die Steuern müssen für Firmen planbar sein. Nicht zuletzt erhebt die Schweiz keine Erbschaftssteuern auf direkte Nachkommen. Politische Vorstösse wie die Erbschaftssteuer- Initiative könnten diese Vorteile aber gefährden und die Nachfolge massiv erschweren. Das hat grosse Verunsicherung ausgelöst. 

Unternehmenssteuersätze: EU vs. Schweiz Basis: Häufigste Steuersätze für Unternehmenssteuern (Auswahl); bei progressiven oder gestaffelten Steuern gelten Grenzsteuersätze; Hauptstädte oder wichtige Wirtschaftszentren; ohne Berücksichtigung der Mindestbesteuerungsregeln der OECD; Zahlen ohne Gewähr

Lesebeispiel: Im internationalen Vergleich sind Schweizer Kantone mit sehr niedrigen Steuersätzen, wie Zug, attraktiv. Kantone mit den höchsten Steuersätzen, wie Bern, liegen dagegen im Mittelfeld.
Quelle: PwC, 2025

Warum sind Familienunternehmen verunsichert? 

Die eigene Firma macht oft den grössten Teil des Vermögens aus. Viele befürchten darum, dass sie ihre Firma verkaufen müssten, um die Steuer zu finanzieren. Unsere Umfragen zeigen: Ein Steuersatz von 50 Prozent wird als unverhältnismässig empfunden – und als Risiko für den Wirtschaftsstandort Schweiz. 

Was steht auf dem Spiel? 

KMU und Familienunternehmen sorgen mit ihren regelmässigen Steuerbeiträgen und ihrem Unternehmertum dafür, dass Tausende von Menschen in der Schweiz einen Job haben und dass es uns im Vergleich zum Ausland überdurchschnittlich gut geht. Der politische Vorstoss fordert die Schweizer Bevölkerung sozusagen auf, den Ast abzusägen, auf dem sie sitzt.

Zur Person

Jacqueline Landmann, PwC, Director Corporate Tax and Private Clients, dipl. Steuerexpertin