Praktikermethode: So bestimmen Sie den Wert Ihres Unternehmens

Wer sein Unternehmen übergeben oder verkaufen will, muss den Marktwert möglichst genau kennen.

Es gibt mehrere Methoden, um den Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Bei Schweizer KMU ist die Praktikermethode am weitesten verbreitet, eine Mischung aus Ertrags- und Substanzwert-Methode. Zuerst wird der Wert nach beiden Methoden berechnet und anschliessend ein gewichteter Durchschnitt ermittelt. Dabei wird der Ertragswert oft doppelt und der Substanzwert einfach gewichtet.

Die Praktikermethode Schritt für Schritt

Herleitung des Substanzwerts

Der Substanzwert entspricht dem Eigenkapital des Unternehmens. Dazu zählen das Aktienkapital, die Reserven, der Gewinnvortrag sowie der aktuelle Gewinn. Die offizielle Bilanz wird zuerst um die stillen Reserven bereinigt: Bewertungsdifferenzen zwischen Buch- und Marktwerten werden zum Eigenkapital hinzugezählt. Meistens stecken stille Reserven im Warenlager, in Immobilien, Maschinen und Rückstellungen.

Wenn stille Reserven aufgelöst werden, fallen Gewinnsteuern darauf an, die bei der Liquidation oder beim Verkauf des Unternehmens fällig werden können. Da Unternehmer wählen können, ob und wann sie solche Reserven tatsächlich auflösen, zieht man in der Regel nur die Hälfte der latenten Steuern vom Eigenkapital ab.

Bestimmung des Ertragswerts

Die Ertragswertmethode stellt auf die zukünftigen Gewinne des Unternehmens ab. Sie geht davon aus, dass auch in Zukunft ein konstanter Gewinn anfällt. Diese zukünftigen Gewinne werden auf den heutigen Zeitpunkt umgerechnet, und zwar mit einem Diskont- oder Kapitalisierungssatz. Notwendig für die Berechnung sind also realistische Gewinnzahlen und der angemessene Diskontsatz.

Schweizer KMU

weisen oft zu tiefe Gewinne aus. Auch der Diskontsatz ist nicht klar definiert und wird sehr unterschiedlich hergeleitet. Vielfach dient ein risikoloser Zinssatz als Basis. Hinzu kommen Aufschläge für das Risiko einer Firmenbeteiligung, für Klumpenrisiken, für die Abhängigkeit von Personen und weitere unternehmensspezifische Risiken. Meistens wird als Annäherung der Durchschnittsgewinn der letzten 3 bis 5 Jahre herangezogen. In der Regel müssen die Gewinne bereinigt werden.

Zum Beispiel verbuchen Kleinbetriebe oft Aufwendungen, die mit dem Unternehmen nichts zu tun haben. Auch zu hohe Abschreibungen müssen angepasst werden. Diese Betrachtung spiegelt nur die Vergangenheit und erfasst nicht die zukünftigen Zahlungsströme. Dies ist vor allem problematisch, wenn sich ein Unternehmen in einer Wachstumsphase befindet. In solchen Fällen eignet sich eine Bewertung mit Cashflows besser.

Den Diskontsatz schlüsselt man am besten auf. Zur Plausibilisierung kann man den Wert der Steuerbehörde heranziehen, der aktuell 7,5 Prozent beträgt. Der Vorteil der Praktikermethode liegt darin, dass sie Substanz und Ertrag einer Unternehmung verbindet. Sie wird häufig angewendet, weil die Herleitung einfach und verständlich ist. Auch die schweizerische Steuerkonferenz schreibt diese Formel für die steuerliche Bewertung vor und wendet sie selbst an.

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