VZ Analyse
Julius Bär und EFG International haben kürzlich ein Update zum Geschäftsverlauf 2026 gegeben. Welche der beiden Privatbanken schlägt sich besser?
Publiziert vor 6 Stunden
Beschreibung
EFG und Julius Bär gehören zu den bekanntesten unabhängigen Privatbanken der Schweiz. Sie unterscheiden sich allerdings deutlich punkto Grösse und Geschäftsmodell. Auch der Aktienkurs verläuft nicht parallel.
Ungleiche Entwicklung
Mit dem Untergang der Credit Suisse hat es im Schweizer Banking eine Neuordnung gegeben. Nicht wenige sehen EFG als einer der Gewinner dieser Transformation. Seit dem Ende der Credit Suisse hat die Aktie von EFG denn auch den Swiss Performance Index klar geschlagen. Gleichzeitig bekundete Julius Bär Mühe, im gleichen Tempo Schritt zu halten.
Ein Schwergewicht und eine Unscheinbare
Julius Bär ist mit einer Marktkapitalisierung von knapp 14 Milliarden Franken und verwalteten Vermögen (AuM) von rund 530 Milliarden Franken ein Schwergewicht auf dem Schweizer Bankenplatz. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 7'200 Mitarbeiter.
EFG ist hingegen deutlich weniger bekannt. Mit einem Börsenwert von gut 5 Milliarden Franken und AuM von 190 Milliarden Franken ist sie auch deutlich kleiner. Die Mitarbeiteranzahl liegt bei weniger als der Hälfte im Vergleich zu Julius Bär. Ein Unterschied, der dabei aber ins Auge sticht: Bei EFG sind rund ein Viertel der Beschäftigen Kundenberater. Bei Julius Bär liegt diese Ratio unter 20 Prozent.
Im Nachgang des CS-Ende hat EFG viele neue Kundenberater eingestellt und ganze Teams neu aufgebaut. Dies schlägt sich seither zwar in höheren Personalkosten nieder, verhilft der Bank aber zu einem überdurchschnittlichen Anstieg bei den Erträgen und den verwalteten Vermögen.
Reputationsprobleme und Wachstums-Dynamik
Die beiden Privatbanken hätten in den letzten Jahren nicht unterschiedlicher Schlagzeilen machen können. Während EFG von Rekordergebnis zu Rekordergebnis eilte, war Julius Bär mit grossen Abschreibungen und den Aufräumarbeiten rund um den Benko-Skandal beschäftigt. Die Aktie hat denn auch eine sehr volatile Phase hinter sich und erst kürzlich wieder an das Niveau zuvor anklopfen können. Der Aktienkurs von EFG hat sich in dieser Zeit beinahe verdoppelt.
Die Vergangenheitsbewältigung gipfelte bei Julius Bär mit der Amtsübernahme des neuen CEO Stefan Bollinger im Januar 2025. Seither wird mit ruhiger Hand versucht, Vertrauen zurückzugewinnen und den Fokus auf Neugeldwachstum (NNM) und Kosteneffizienz zu richten.
Nach den ersten vier Monaten in diesem Jahr hat Julius Bär 3 Milliarden Franken an Nettoneugeldzuflüssen generiert, was einem Wachstum von 1,7 Prozent entspricht. Gleichzeitig verlangsamte sich aber das Tempo gegenüber dem Vorjahr. Erste Resultate lassen sich aber in einer verbesserten Profitabilität und einem tieferen Kosten-Ertrags-Verhältnis (Cost/Income-Ratio) ablesen.
In den letzten Jahren verzeichnete EFG konstante Neugeldzuflüsse im mittleren einstelligen Prozentbereich und steigerte die verwalteten Vermögen mehrfach zweistellig. In den ersten vier Monaten dieses Jahres konnten die NNM auf 3,7 Milliarden Franken gesteigert werden. Somit beschleunigte sich diese Zahl gegenüber dem Vorjahr nochmals.
Die Dividendenrendite ist mit rund 4 Prozent bei beiden Banken vergleichbar. Julius Bär hat die Ausschüttung jedoch letztmals 2023 erhöht. Bei EFG wurde die Dividende das fünfte Jahr infolge gesteigert und dürfte auch zukünftiges Wachstumspotenzial abschöpfen.
Wechselt das Momentum?
Auf die kürzlich publizierten Business-Updates reagierten beide Aktien unmittelbar mit Kursabgaben. EFG befindet sich seit Mitte Januar in einer Korrekturphase, was nach dem rasanten Anstieg aber auch als Konsolidierung betrachtet werden kann.
Auf Jahresbasis haben die Julius Bär-Valoren die Aktien von EFG deutlich hinter sich gelassen. Doch die heftige Reaktion der Investoren aufgrund des nicht erreichten Neugeld-Ziels säht Zweifel, ob die jüngste Erholungsphase nachhaltig ist. Noch dürfte es zu früh sein, um von einem Regimewechsel der beiden Privatbankaktien zu sprechen.
Fazit
Bei Julius Bär hat der neue CEO nach einer aufwühlenden Zeit für Ruhe gesorgt und den operativen Fokus geschärft. Das Vertrauen des Aktienmarktes ist aber bisher nicht vollends zurückkehrt. Auch scheint der Neugeldzufluss etwas zu stocken. Noch steht der Investment Case auf wackeligen Beinen. Gelingt es dem Unternehmen positive operative Impulse auszusenden, dürfte die Aktie das kürzlich getestete Allzeithoch früher oder später deutlich überschiessen.
Der operativ sicherere Wert bleibt vorläufig EFG. Auch wenn die Aktie etwas an Schwung verloren hat, geben die Unternehmenszahlen keinen Grund zur Sorge. Vermutlich wird das Unternehmen die Wachstumsdynamik nicht ewig auf diesem Level halten können. Dennoch ist in den letzten Jahren eine Basis gelegt worden, welche ein nachhaltiges Gewinnpotenzial mit sich bringt.
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