Warum Marktstimmung und Schlagzeilen keine guten Anlageberater sind

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VZ Analyse

Der Ölpreis schwankt wie seit Jahren nicht mehr, gleichzeitig springt der VIX auf den höchsten Stand seit April 2025. Trotzdem zeigt ein Blick auf die Börsenentwicklung: Hohe Unsicherheit führt nicht automatisch zu nachhaltigen Kursverlusten.

Publiziert 12. März 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der Ölpreis schwankte aufgrund des Iran-Angriffs innerhalb weniger Tage aussergewöhnlich stark: Erst sprang der Brent-Preis im Zuge der Eskalation im Nahen Osten zeitweise bis auf 120 Dollar je Fass, kurz darauf fiel er wieder deutlich unter 90 Dollar zurück. 

Gleichzeitig ist das Angstbarometer VIX auf den höchsten Stand seit April 2025 gestiegen – damals war der Zollschock von Trump das Thema. Fast ein Jahr später herrscht erneut ein hohes Mass an Nervosität im Markt und Krisenszenarien die Schlagzeilen der Börsenmedien. 

Doch nicht nur der Blick in die Vergangenheit, sondern auch auf die aktuelle Marktperformance zeigen, dass Ruhe als Anlagestrategie die Panik schlägt. 

Hohe Unsicherheit prägt die Schlagzeilen 

Der VIX, oft als Fieberthermometer der Wall Street bezeichnet, misst die erwarteten Kursschwankungen am US-Aktienmarkt. Grundlage sind Optionen auf den S&P 500: Steigt die Nachfrage nach Absicherung, steigt auch der Index. Dass der VIX nun wieder Niveaus wie im April 2025 erreicht, erinnert an die Phase rund um Donald Trumps sogenannten Liberation Day, als neue Zollankündigungen die Märkte kurzfristig stark belasteten. 

Auch diesmal ist die Nachrichtenlage von Unsicherheit geprägt. Im Fokus stehen der Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA, die Gefahr einer Blockade der Strasse von Hormus sowie mögliche Folgen für die globale Energieversorgung. Entsprechend nervös reagierten zunächst vor allem exportabhängige Märkte in Asien, besonders prominent die japanische Börse und auch der südkoreanische Kospi, die insbesondere von der Energie aus der Golfregion abhängig sind. 

In Europa blieb der Dax schwächer als andere Leitindizes, wobei neben den geopolitischen Risiken auch die Diskussion über eine mögliche Gasmangellage in Deutschland belastet. 

Marktreaktion bleibt erstaunlich begrenzt 

Trotz der hohen Nervosität fällt die tatsächliche Marktreaktion bisher erstaunlich moderat aus. Ein Blick auf die Entwicklung seit Jahresbeginn zeigt: Selbst die besonders stark beobachteten asiatischen Aktienmärkte sind in Franken gerechnet bislang nicht einmal klar ins Minus gerutscht. Auch global betrachtet halten sich die Verluste in Grenzen. 

Noch deutlicher wird dies beim Blick auf die Distanz zu den jeweiligen Rekordständen. Vom Allzeithoch auf Schlusskursbasis aus dem bisherigen Jahresverlauf notiert der S&P 500 aktuell rund 3 Prozent tiefer, der MSCI World liegt gut 3 Prozent unter seinem Rekord. Auch der Nasdaq 100 weist mit einem Minus von rund 4,5 Prozent weiterhin nur einen moderaten Abstand zu seinem Höchststand auf. 

In Europa sind die Abstände etwas grösser: Der DAX liegt knapp 6 Prozent, der Euro Stoxx 50 rund 5,5 Prozent unter ihren jeweiligen Rekordschlüssen, der Swiss Market Index rund 7 Prozent. Deutlicher fiel der Rücksetzer in Asien aus – der Nikkei 225 notiert gut 8 Prozent, der Kospi rund 12 Prozent unter ihren Allzeithoch‑Schlusskursen. 

Gerade diese Gegenüberstellung macht die aktuelle Situation interessant: Die Unsicherheit ist hoch, doch von einer breit angelegten Börsenpanik kann bisher kaum gesprochen werden. 

Starke Schwankungen gehören zum Börsenalltag 

Die letzten Tage zeigten auch eindrücklich, wie stark die Stimmung umschlagen kann. Am Montag kam es weltweit zu teils kräftigen Kursverlusten, insbesondere in Asien. Schon am Dienstag setzte jedoch eine spürbare Erholung ein. Solche abrupten Richtungswechsel sind in Phasen erhöhter Unsicherheit keine Ausnahme – und verdeutlichen, warum Anleger mit vorschnellen Verkäufen oft genau die besten Tage verpassen. 

Das erklärt, weshalb kurzfristige Ausschläge oft dramatischer wirken als ihre langfristige Bedeutung tatsächlich ist. Märkte reagieren schnell auf neue Risiken – und ebenso schnell auf erste Signale einer Entspannung. 

Die entscheidenden Börsentage kommen oft unerwartet 

Genau diese Dynamik macht kurzfristige Reaktionen für Anleger schwierig – und oft teuer. Wer in Phasen erhöhter Unsicherheit seine Aktien verkauft, läuft Gefahr, die anschliessende Erholung zu verpassen. Dabei sind es oft nur wenige Tage mit besonders starken Kursanstiegen, die über einen grossen Teil der langfristigen Rendite entscheiden. 

Ein Blick auf vergangene Krisen zeigt dieses Muster deutlich. Zu Trumps-Zollschock letztes Jahr, aber auch der Finanzkrise 2008, der Eurokrise oder der Corona-Pandemie reagierten die Märkte zunächst mit heftigen Verlusten. Gleichzeitig gehörten gerade diese Phasen zu den Perioden mit den stärksten Tagesanstiegen. Anleger, die in solchen Momenten ausgestiegen sind, verpassten häufig genau diese entscheidenden Erholungstage. 

Warum Emotionen Anlegern oft im Weg stehen 

Wie gross der Effekt sein kann, zeigt auch ein Beispiel aus der Schweiz. Der Swiss Market Index (SMI) hat seit Anfang 2008 inklusive Dividenden deutlich zugelegt. Wer jedoch nur wenige der stärksten Börsentage verpasst hat, musste langfristig mit einer deutlich tieferen Rendite rechnen. Darauf weist auch der VZ-Artikel "Wer die besten Börsentage verpasst, ruiniert seine Rendite" hin. 

Der Grund für dieses Verhalten liegt oft weniger in der Marktentwicklung als in der Psychologie der Anleger. Wenn Kurse rasch fallen, reagieren viele Investoren emotional. Unsicherheit und negative Schlagzeilen erhöhen den Druck, Risiken zu reduzieren. Entscheidungen werden dann nicht mehr auf Basis einer langfristigen Strategie getroffen, sondern aus dem Bauch heraus. 

Eine klare Strategie hilft durch turbulente Phasen 

Für langfristig orientierte Anleger ist deshalb eine andere Frage entscheidend: Passt die eigene Anlagestrategie weiterhin zur persönlichen Situation und zum Risikoprofil? Wenn dies der Fall ist, spricht meist wenig dafür, sie wegen kurzfristiger Marktschwankungen zu ändern. 

Eine breit diversifizierte Anlagestrategie hilft zudem, solche Phasen besser auszuhalten. Wer sein Vermögen über verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen verteilt, reduziert das Risiko einzelner Ereignisse und bleibt investiert, wenn sich die Märkte wieder erholen. 

Kurzfristige Turbulenzen gehören an den Börsen dazu – gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit. Entscheidend ist daher weniger, jede Marktschwankung vorherzusehen, sondern eine Strategie zu verfolgen, die auch in unruhigen Phasen Bestand hat. Denn an der Börse passieren die grössten Fehler oft dann, wenn Anleger die Nerven verlieren.

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