Verliereraktien seit Jahresbeginn – Zurecht oder Einstiegschance?

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Viele Börsen erreichten in den letzten Wochen neue Höchststände. Trotzdem haben einzelne Aktien seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. Die zentrale Frage lautet: Wurden diese Titel zu Recht abgestraft oder bieten sich nun Chancen?

Publiziert vor 2 Stunden

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Nach den Kursverlusten zu Jahresbeginn, die unter anderem durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöst wurden, erholten sich die Aktienmärkte im zweiten Quartal stark. Viele Indizes erreichten neue Allzeithochs, etwa in der Schweiz oder in den USA. Doch nicht alle Aktien profitierten von dieser Erholung. Einige von ihnen verloren deutlich an Wert und entwickelten sich klar gegen den Markttrend.

Ein Blick auf je drei ausgewählte Verlierer aus der Schweiz und den USA zeigt: Die Gründe für die Kursverluste sind unterschiedlich. Bei einigen Unternehmen lasten konjunkturelle Sorgen auf der Aktie. Bei anderen stehen strukturelle Fragen im Vordergrund. Gleichzeitig gibt es bei mehreren Titeln berechtigte Hoffnung auf eine Erholung.

Adecco: Unternehmen bleiben vorsichtig

Adecco zählt seit Jahresbeginn zu den grössten Verlierern unter den mittelgrossen Schweizer Unternehmen. Der Kursrückgang ist jedoch weniger auf eigene Fehler zurückzuführen. Vielmehr leidet der Personalvermittler unter der unsicheren Konjunktur. Viele Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen vorsichtig. Sie schaffen weniger Feststellen und greifen eher auf temporäre Arbeitskräfte zurück.

Dass Adecco dennoch Marktanteile gewinnen kann, spricht für die starke Stellung des Unternehmens. Die Zahlen zum ersten Quartal überzeugten insgesamt, bei der Marge blieb Adecco aber hinter den Erwartungen zurück. Zusammen mit dem vorsichtigen Ausblick führte dies nach der Publikation der Ergebnisse zu einem deutlichen Kursrückgang.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch Automatisierung und künstliche Intelligenz. Beide Themen könnten die Personalbranche langfristig verändern. Trotzdem bleibt Adecco einer der weltweit führenden Personaldienstleister. Wenn die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt, dürfte auch die Nachfrage nach Personal steigen. Davon könnte Adecco profitieren.

Swissquote: Wachstum trifft auf höhere Erwartungen

Swissquote gehörte in den vergangenen Jahren zu den erfolgreichsten Schweizer Aktien. Im laufenden Jahr hat die Aktie jedoch deutlich verloren. Belastet wurde sie vor allem durch die Aussicht auf tiefere Zinserträge und eine Normalisierung der Handelsaktivität. Nach den Sonderjahren rund um Corona und dem Krypto-Boom sind die Erwartungen der Anleger hoch.

Die Ausgangslage bleibt dennoch solide. Swissquote verfügt über eine starke Marktposition und wächst weiter. Die App-Lösung Yuh soll langfristig ein wichtiger Wachstumstreiber werden. Kurzfristig belastet sie jedoch die Margen, weil die Profitabilität noch tiefer ist als im Kerngeschäft.

Swissquote bleibt zudem stark vom Marktumfeld abhängig. Handelserträge sind weiterhin zentral. Entwickeln sich die Märkte positiv oder nimmt die Volatilität wieder zu, kann Swissquote davon profitieren. Die Aktie bleibt deshalb zyklisch, aber das Wachstumspotenzial ist weiterhin vorhanden.

Georg Fischer: Transformation braucht Zeit

Georg Fischer befindet sich mitten in einer Neuausrichtung. Der Industriekonzern will sich künftig stärker auf Rohrleitungssysteme konzentrieren. Damit soll das Geschäft widerstandsfähiger und weniger abhängig von der klassischen Industriekonjunktur werden.

Der Umbau braucht jedoch Zeit. Die schwache Industrienachfrage sorgt derzeit für Gegenwind. Viele Anleger warten zudem auf Beweise, dass die neue Strategie langfristig Wirkung zeigt. In den letzten Monaten belasteten auch die Unsicherheit im Nahen Osten und höhere Inputpreise.

Die Richtung der Transformation bleibt aber nachvollziehbar. Infrastruktur, Wasser und nachhaltige Gebäudelösungen sind langfristig attraktive Wachstumsthemen. Eine geopolitische Entspannung und eine stärkere Baukonjunktur könnten Georg Fischer zusätzlichen Rückenwind geben.

Salesforce: Opfer der KI-Sorgen

Salesforce zählt in den USA zu den grössten Verlierern des Jahres. Das Geschäft entwickelt sich weiterhin solide. Dennoch belastet die Sorge, dass künstliche Intelligenz klassische Softwarelösungen künftig ersetzen könnte. Diese Unsicherheit führte besonders zu Jahresbeginn zu starken Kursverlusten.

Für Salesforce bleibt deshalb nur der Weg nach vorne. Das Unternehmen muss KI konsequent in die eigenen Produkte integrieren. Mit Agentforce verfügt Salesforce bereits über eine eigene KI-Lösung, die im ersten Quartal stark wuchs. Sie soll künftig stärker zum Umsatz beitragen.

Salesforce selbst rechnet weiterhin mit steigenden Gewinnen. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob das Unternehmen diese Erwartungen erfüllen kann. Nach den deutlichen Kursverlusten ist das Erholungspotenzial vorhanden. Entscheidend bleibt, ob Salesforce beim Thema KI vom Risiko zum Profiteur wird.

Nike: Die Turnaround-Wette

Nike steht seit längerer Zeit unter Druck. Besonders im wichtigen chinesischen Markt läuft das Geschäft schwach. Lokale Anbieter gewinnen Marktanteile, während Nike an Dynamik verliert. Im abgelaufenen Quartal gingen die Umsätze mit einem Minus von 17 Prozent in China nochmals deutlich zurück. Gleichzeitig wächst auch in anderen Regionen der Druck durch Marken wie On, Hoka oder Lululemon.

Nike arbeitet deshalb an einem umfassenden Umbau. Der Konzern will den Fokus wieder stärker auf Sport und weniger auf Lifestyle legen. Auch das Marketing soll wieder mehr Wirkung entfalten. Im Vorfeld der Fussball-WM in Nordamerika wurde das Budget deutlich erhöht.

Für Anleger ist Nike damit vor allem eine Turnaround-Wette. Die Marke bleibt stark, hat aber an Strahlkraft verloren. Gelingt es Nike, die Produktpipeline zu verbessern und wieder näher an die Sportkunden heranzurücken, könnte auch die Aktie neuen Schwung erhalten.

Microsoft: Hohe Kosten für die KI-Zukunft

Microsoft gehört zu den überraschenden Namen auf der Verliererliste. Lange kannte die Aktie als Teil der Magnificent 7 fast nur eine Richtung. Operativ läuft das Geschäft weiterhin stark, besonders in den Bereichen Cloud und künstliche Intelligenz. Trotzdem stellen Anleger zunehmend Fragen zu den hohen Investitionen in Rechenzentren und KI.

Zudem litt Microsoft zu Jahresbeginn unter der allgemeinen Schwäche vieler Softwaretitel. Wie Salesforce wurde auch Microsoft von Sorgen rund um KI und steigende Kosten belastet. Dabei unterscheidet sich die Ausgangslage deutlich. Microsoft gehört zu den wenigen Unternehmen, die KI bereits breit in ihre Produkte integrieren und daraus zusätzliche Erträge erzielen können.

Die hohen Investitionen bleiben ein Risiko. Sie schaffen aber auch die Grundlage für künftiges Wachstum. Preiserhöhungen, eine steigende Nachfrage nach Cloudlösungen und neue KI-Funktionen können die Margen langfristig stützen. Die Voraussetzungen für eine Erholung bleiben deshalb intakt.

Einsteigen oder nicht?

Die grössten Verlierer eines Jahres sind nicht automatisch die besten Kaufgelegenheiten. Entscheidend ist, ob der Kursrückgang auf vorübergehende Belastungen zurückgeht oder ob sich das Geschäftsmodell nachhaltig verschlechtert hat.

Bei den genannten Unternehmen sind die Herausforderungen unterschiedlich. Adecco und Georg Fischer leiden vor allem unter der schwachen Konjunktur. Swissquote bleibt vom Marktumfeld abhängig. Salesforce und Microsoft müssen beweisen, dass KI ihre Geschäftsmodelle stärkt und nicht schwächt. Nike steht vor einem echten Turnaround.

Gemeinsam ist diesen Unternehmen, dass ihre grundlegenden Wachstumstreiber weiterhin vorhanden sind. Sie brauchen jedoch unterschiedlich viel Zeit, um wieder sichtbar zu werden. Genau deshalb verdienen einige dieser Verlierer einen zweiten Blick.

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