Vergünstigter Einstieg in den KI-Speicherboom?

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VZ Chartanalyse

Wer den Einstieg bei den Speicherchip-Herstellern während der KI-Rally verpasst hat, bekommt plötzlich eine zweite Chance – allerdings unter deutlich raueren geopolitischen Bedingungen.

Publiziert 9. März 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der starke Kursrückgang an der südkoreanischen Börse trifft ausgerechnet jene Unternehmen besonders hart, die zuvor die Rally getragen hatten: die beiden Speicherchip-Giganten Samsung Electronics und SK Hynix. Der Ausverkauf fiel so heftig aus, dass die Korea Exchange den Handel letzte Woche zeitweise unterbrechen musste, um den Verkaufsdruck – insbesondere bei Schwergewichten wie Samsung Electronics und SK Hynix – zu bremsen.

KI-Boom trieb den KOSPI auf Rekordniveau

Bis vor wenigen Tagen gehörte Südkorea zu den grossen Gewinnern des globalen KI-Booms. Zur Einordnung: Bis einen Tag vor dem Iran-Angriff lag der koreanische Leitindex KOSPI rund 48 Prozent seit Jahresbeginn im Plus, nachdem der Index bereits 2025 um etwa 75 Prozent gestiegen war. Getragen wurde die Rally vor allem von den beiden Chipriesen Samsung und SK Hynix.

Der Grund: Moderne KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Arbeitsspeicher, insbesondere Hochleistungs-Speicherchips wie DRAM und HBM. Genau hier dominieren Samsung und SK Hynix den Weltmarkt – gemeinsam mit Micron Technology kontrollieren sie den Grossteil der globalen Produktion.

Die steigende Nachfrage führte zuletzt zu kräftigen Preiserhöhungen bei Speicherchips und entsprechend stark steigenden Gewinnen. Anleger setzten deshalb massiv auf die beiden Unternehmen – und zogen damit auch den stark technologieabhängigen KOSPI nach oben. (Die Hintergründe dieser Speicherchip-Knappheit und ihrer Bedeutung für Anleger lesen Sie in dieser VZ-Analyse).

Der gleiche Mechanismus wirkt nun nach unten

Der jüngste Einbruch des KOSPI ist im Grunde die Kehrseite derselben Entwicklung. Weil Samsung und SK Hynix ein so hohes Gewicht im Index haben, reagieren sowohl der Index als auch die beiden Aktien besonders empfindlich auf globale Risikoereignisse. Südkoreanische Hersteller spielen dabei eine Schlüsselrolle im globalen Speichermarkt. Samsung Electronics und SK Hynix kontrollieren zusammen einen grossen Teil der weltweiten DRAM-Produktion. Entsprechend reagieren die Aktien dieser Unternehmen oft besonders sensibel auf Störungen in den Lieferketten.

Genau das geschah nach der Eskalation im Konflikt rund um Iran. Südkorea ist in besonderem Masse von Energieimporten abhängig – rund 85 Prozent des gesamten Energieverbrauchs werden durch Importe gedeckt. Das Land ist zudem der weltweit viertgrösste Käufer von Rohöl, wobei etwa 70 Prozent dieser Importe aus den Golfstaaten stammen. Davon wiederum gelangt ein grosser Teil über die Strasse von Hormuz nach Asien. Die Sorge vor möglichen Störungen dieser Route löste daher an den südkoreanischen Börsen besonders starke Verkaufsreaktionen aus.

Besonders energieintensiv sind dabei moderne Speicherfertigungen mit extrem feinen Strukturgrössen. Die Herstellung von DRAM- und NAND-Chips erfordert hunderte Prozessschritte sowie eine dauerhaft stabile Temperatur- und Luftreinheit in den Reinräumen, was den Energiebedarf zusätzlich erhöht.

Trotz des drastischen Rückgangs einschliesslich des gestrigen Schlusskurses bleibt der KOSPI dennoch seit Jahresbeginn weiterhin im Plus. Ein grosser Teil der vorherigen Rally wurde zwar korrigiert, die strukturellen Treiber der Chipindustrie haben sich jedoch kaum verändert.

Fundamentale Story bleibt intakt

Denn der zugrunde liegende Trend – der massive Ausbau von KI-Rechenzentren – läuft weiter. Für viele dieser Systeme sind Speicherchips mittlerweile ein entscheidender Engpass. Branchenprognosen gehen davon aus, dass die Preise für DRAM- und SSD-Speicher im laufenden Jahr stark steigen könnten, nachdem sie bereits zuletzt kräftig angezogen haben.

Besonders Samsung Electronics könnte davon profitieren. Anders als viele Wettbewerber ist der Konzern nicht nur im Speicherbereich aktiv, sondern auch in der Chipfertigung, bei Smartphones, Elektronik und Halbleiterdesign. Diese breite Aufstellung macht Samsung zu einem zentralen Akteur im gesamten KI-Ökosystem.

Analysten mehrerer Investmentbanken erwarten zudem eine kräftige Gewinnbeschleunigung. So hob Citigroup zuletzt seine Prognosen für die Speicherpreise deutlich an und rechnet für 2026 mit einem Anstieg der DRAM- und NAND-Preise um 171 Prozent beziehungsweise 127 Prozent. Auch Macquarie Group sieht im aktuellen KI-Investitionszyklus eine Phase, in der Speicherchips zum zentralen Engpass werden könnten – wovon Samsung als einer der wenigen Hersteller mit Ausbaukapazitäten besonders profitieren dürfte. Laut Morgan Stanley könnten die operativen Margen des Konzerns in den kommenden Jahren auf 35 bis 45 Prozent steigen. In diesem Szenario sei es demnach möglich, dass Samsung bereits 2027 zu den profitabelsten Technologieunternehmen der Welt zählt.

Sollte sich die geopolitische Lage im Nahen Osten wieder entspannen, könnte daher schnell wieder der Blick auf die fundamentalen Treiber der Branche fallen. Und genau diese hatten die Kurse der Speicherchip-Produzenten zuvor nach oben getrieben. Eine Ankündigung von US-Präsident Trump, Marineeskorten und staatliche Risikoversicherungen für Öl- und Gasschiffe in der Strasse von Hormus bereitzustellen, führt aktuell zu einer zaghaften Beruhigung an den Märkten.

Für Anleger entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Einerseits bleiben geopolitische Risiken und mögliche Lieferkettenprobleme kurzfristige Belastungsfaktoren. Andererseits profitieren Speicherchip-Hersteller weiterhin von strukturell steigender Nachfrage durch KI-Rechenzentren, Cloud-Anbieter und datenintensive Anwendungen.

Der Chart von Samsung Electronics

Das Chartbild von Samsung zeigt den nahezu parabolischen Anstieg des Aktienkurses seit Anfang 2025. Dabei wird auch ersichtlich, dass der Kurs auf seinem Höhepunkt nur Tage vor dem Einbruch aufgrund des Iran-Angriffs sogar kurz die deckelnde Aufwärtstrendlinie (rot) seit 2017 überwand. Eine technische Gegenreaktion an dieser Stelle ist aus charttechnischer Sicht nachvollziehbar – und so bildete der Ausflug bildete darüber eine bärische Umkehrformation, den sogenannten «Shooting Star» aus. Spannend ist jetzt die Frage, wo der Kurs auf eine mögliche Unterstützung trifft.

Angesichts der steilen Kursrally sind relevante Unterstützungsmarken «relativ» weit entfernt. Am wichtigsten zu nennen ist vor allem die 2072 Dollar-Marke. Dieser Kurs stellte seit Januar 2021 lange Zeit das Allzeithoch, bis es in 2026 dynamisch nach oben durchbrochen wurde und dabei ein «Gap» bildete. Diese Kurslücke wirkt für Charttechniker sehr willkommen, um sie bei einem Rücklauf wieder zu schliessen. Spätestens hier könnten also bereits zahlreich Investoren lauern, um einen vergünstigten Einstieg zu finden – und damit auch den Kurs stützen. Dass der Kurs so weit zurückfällt, ist allerdings nicht unbedingt gegeben.

Einige Charttechniker blicken dazu auf die Fibonacci-Retracement-Level. Und dort ist die 50-Prozent-Marke der steilen Aufwärtsrally seit Januar 2025 bis zum jüngsten Allzeithoch um 2740 Dollar sowie darunter die 61,8-Prozentmarke um 2460 Dollar zu nennen. Interessanterweise liegt die ebenfalls wesentliche 78,6-Prozent-Marke ebenfalls beim oben genannten Gap.

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass solche Marken vor allem für Charttechniker mit teilweise kürzeren Investitionshorizonten relevant sind. Für Anlegerinnen und Anleger, die langfristig in Samsung Electronics als einen der wichtigsten Vertreter in der Speicherindustrie investieren möchten, können diese nur eine zusätzliche Entscheidungshilfe darstellen. 

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