KI-Boom: Das bedeutet die Speicherchip-Knappheit für die Anleger

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Die Nachfrage nach Arbeitsspeicher-Chips steigt massiv aufgrund der Investition in KI. Dies führt zu Engpässen in einem Markt, der von drei Unternehmen dominiert. Was sind die Auswirkungen dieser Engpässe für Investoren?

Publiziert 5. Febr. 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der Boom nach Speicherchips fordert seine Opfer. Seit Monaten herrscht bei diesen Komponenten eine Knappheit, wie man sie bisher noch nie erlebt hatte. Zugleich bahnt sich auch in den Produktionslinien für moderne Chips ein Engpass an. Das sind die direkten Folgen des grassieren Hypes nach Künstlicher Intelligenz. 

Dazu kommt, dass weltweit nur drei Unternehmen über 90 Prozent der Produktion kontrollieren: Samsung Electronics, SK Hynix und Micron. Den Herstellern fällt es deshalb einfach, die Preise zu erhöhen und Produkte mit höheren Margen zu priorisieren, insbesondere die RAM-Chips für KI-Infrastruktur.

Wie sieht der Markt für Speicherchips aus?

Der Arbeitsspeicher (RAM) ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Elektronik. Ob Computer, Smartphones, Autos oder Industrieanlagen, ohne RAM läuft nichts. Besonders der Boom bei den KI-Rechenzentren benötigt hochmoderne RAM-Chips in grossen Mengen.

Für Elektronikhersteller wie Dell, Asus oder Apple führen die gestiegenen Preise zu höheren Beschaffungskosten. Viele geben diese an ihre Kundinnen und Kunden weiter oder müssen niedrigere Margen akzeptieren. Apple ist gerade dabei den Mehrjahresvertag mit SK Hynix zu verlängern und dürfte in Zukunft deutlich mehr für die RAM-Chips zahlen. Samsung hat als einziger grosser Smartphone-Hersteller den Vorteil, selbst RAM-Chips zu produzieren. 

Wer profitiert von den Engpässen?

Klarer Gewinner der Engpässe sind die Aktionäre der drei dominanten Chiphersteller. Seit Anfang 2025 lag die Rendite bei den beiden «Pure-Plays» SK Hynix und Micron bei mehr als 300 Prozent. Samsung Electronics ist breiter aufgestellt, legte aber auch um 168 Prozent zu. 

Die beiden Koreanischen Speicherhersteller haben ihre operativen Gewinne im Jahresvergleich mehr als verdoppelt und rechnen mit einer weiteren Verschärfung der Knappheit. Beide Unternehmen konnten die hohen Erwartungen mit den vergangene Woche rapportierten Zahlen schlagen. Micron veröffentlicht seine nächsten Quartalszahlen am 20. März.

Wie könnte es weiter gehen?

Trotz der starken Kursanstiege sind die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) moderat. Einzig Micron fällt durch ein hohes KGV von über 30 auf. Bei der Interpretation der KGV muss jedoch berücksichtigt werden, dass die KGV in Schwellenmärkten aufgrund höherer Risiken typischerweise tiefer sind als in entwickelten Märkten wie den USA.

Die vorausschauenden KGV (also mit dem erwarteten Gewinn vom kommenden Jahr), sind bei allen drei Unternehmen eher niedrig. Das ist ein Zeichen, dass der Markt erneut deutliche Gewinnsteigerungen erwartet und die Aktienkurse/Bewertungen noch Potenzial haben. Hohe Erwartungen bergen aber auch Risiken, doch vieles Spricht für ein Anhalten der Knappheit:

Das begrenzte Angebot wird kurzfristig bestehen bleiben. Neue Produktionskapazitäten sind zwar geplant, aber deren Hochfahren benötigt viel Zeit. Aufgrund des hohen Technologie-Vorsprungs ist die Hürde für neue Anbieter hoch.

Risiken liegen eher auf der Nachfrageseite. Die Nachfrage klassischer Elektronikhersteller könnte aufgrund höherer Preise sinken. Beim globalen PC-Markt wird gemäss dem Markforschungsunternehmen IDC beispielsweise ein Rückgang von 4.9 Prozent für 2026 erwartet. Beim Smartphone-Markt rechnet IDC mit einem Rückgang von 2 Prozent. Die Nachfrage der grossen Tech-Unternehmen hängt weiterhin von aggressiven KI-Investitionen ab. Erste Marktreaktionen auf die Pläne von Microsoft zeigen, dass Investoren gewaltige KI-Investitionen nicht unbegrenzt unterstützen

Marktforscher gehen für das aktuelle Quartal von erneuten Preissteigerungen bis zu 50 Prozent bei RAM-Chips aus. Teilweise ist dies bereits eingepreist, doch basierend auf den tiefen vorausschauenden KGV verbleibt weiteres Potenzial. Gleichzeitig werden sich die höheren RAM-Kosten zunehmend in niedrigeren Margen der Nutzer und höheren Preisen für Endkunden bemerkbar machen. Der Engpass kann sogar den Bau neuer Rechenzentren hemmen. Dies wiederum könnte die Nachfrage nach den KI-Prozessoren von Nvidia, AMD und Intel negativ beeinflussen.

Fazit

Der Preisanstieg ist klar nachfragegetrieben. Solange der KI-Boom anhält, könnten die Aktien der drei RAM-Hersteller weiter profitieren. Für Investoren bleiben die Titel aufgrund struktureller Engpässe und moderater Bewertungen interessant. Gleichzeitig belasten die höheren RAM-Preise die Margen der Käufer und führen zu weiter steigenden Elektronikpreisen für Konsumenten. 

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