US-Autobauer suchen Wachstum jenseits des Elektroautos

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Strategische Neuausrichtung von US-Autoherstellern: Vom Hype um Elektrofahrzeuge zur Speicherwirtschaft

Publiziert 28. Jan 2026

Autor

Florian Estermann

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der strukturelle Wandel in der US-Automobilindustrie nimmt weiter Fahrt auf. Während die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, erschliesst sich für die Hersteller ein neues, wachstumsstarkes Geschäftsfeld: Batterie-Energiespeichersysteme. Ford und General Motors (GM) investieren Milliarden, um bestehende Batteriefabriken umzunutzen – und treten damit in direkte Konkurrenz zu Tesla, das in diesem Segment seit Jahren eine führende Rolle einnimmt.

Strategische Neuausrichtung: Vom Elektrofahrzeug-Hype zur Speicherwirtschaft

Ford machte Ende 2025 einen entscheidenden Schritt: Eine fast fertiggestellte Batteriefabrik in Kentucky, ursprünglich für Elektroauto-Batterien geplant, wird nun zu einem Produktionszentrum für Energiespeicher umgebaut. Dafür investiert Ford 2 Milliarden Dollar – zusätzlich zu den rund 6 Milliarden, die bereits in den Aufbau der Anlage geflossen sind.

Auch GM zieht nach und hat mit GM Energy eine eigene Tochter aufgebaut, die 2024 zunächst mit Heimspeichersystemen wie dem PowerBank-Modul startete und inzwischen auf ein breiteres kommerzielles Angebot setzt.

Die strategische Logik liegt auf der Hand: Die milliardenschweren Batterieanlagen der Hersteller sind ausgelastet, auch wenn der Absatz von Elektrofahrzeugen und Marktanteile zuletzt fielen. In den USA sank der Elektroauto-Anteil am Neuwagenmarkt von rund 10 Prozent im dritten Quartal 2025 laut Schätzungen auf unter 6 Prozent im vierten Quartal. Statt Kapazitäten stillzulegen, suchen die Hersteller nun profitablere Verwendungen.

Warum Energiespeicher jetzt attraktiv werden

Der Energiespeichermarkt ist zwar jung, wächst aber dynamisch – und er profitiert von einem grundlegenden Trend: Die USA verbrauchen erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder deutlich mehr Strom. Haupttreiber ist der rasante Ausbau stromhungriger Rechenzentren, insbesondere im Zuge von KI-Einsatz und Cloud-Infrastruktur.

Ein Bericht des Berkeley Lab schätzt, dass bis 2028 bis zu 12 Prozent des Stromverbrauchs der USA für Datenzentren verwendet wird. Der Gesamtverbrauch würde entsprechend auf rund 4850 TWh ansteigen.

 

Besonders der kommerzielle Sektor – also Unternehmen und Rechenzentren – soll laut EIA Prognosen 3 Prozent Zuwachs im Jahr 2025 und 5 Prozent im Jahr 2026 verzeichnen. Diese Wachstumsraten liegen weit über früheren Erwartungen.

Gleichzeitig verstärken sich strukturelle Trends:
•    Die Elektrifizierung von Haushalten steigt.
•    Bundesstaaten wie Kalifornien verpflichten Versorger, Energiespeicher in ihre Netzplanung einzubeziehen.
•    Der Ausbau von Solar- und Windkraft verstärkt das Problem der Erzeugungsvolatilität, wodurch Speichersysteme zu einem unverzichtbaren Teil der Infrastruktur werden.

Technische Nähe – aber ein anderer Markt

Batterien für Autos und stationäre Speicher basieren zwar auf ähnlicher Technologie, unterscheiden sich aber in wesentlichen Punkten. Stationäre Systeme müssen nicht möglichst leicht oder kompakt sein, dafür extrem langlebig, sicher und kosteneffizient. Experten weisen darauf hin, dass der Übergang für Autohersteller anspruchsvoll ist: Sie sind zwar batterieerfahren, verfügen aber kaum über Expertise beim Vertrieb an Energieversorger oder Gewerbekunden.

Ford setzt deshalb auf Technologien des chinesischen Marktführers CATL, dessen LFP Batterien für stationäre Zwecke besonders geeignet sind. Ein weiteres Risiko ist die hohe Dynamik des Marktes. Sollte eine Vielzahl von Autoherstellern gleichzeitig in die Energiespeicherung einsteigen, könnte es zu einem Überangebot kommen – ähnlich wie beim Markt für Elektroautos, wo Produktionskapazitäten schneller wuchsen als die tatsächliche Nachfrage.

Tesla: Der Benchmark, an dem sich alle messen

Tesla ist den Konkurrenten einen Schritt voraus: Die Energiesparte existiert seit 2015 und steuert heute bereits rund 12 bis 14 Prozent des Gesamtumsatzes bei – mit Margen, die deutlich höher sind als im Automobilgeschäft. Mit stabilen Produktionsvolumen von rund 10 GWh pro Quartal im Bereich Energiespeicher gilt Tesla als skalierbarster Anbieter im Markt.

Ford und GM müssen daher nicht nur technologisch aufholen, sondern auch Expertise in Projektierung, Netzmanagement und Kundenintegration entwickeln – Fähigkeiten, die Tesla bereits aufgebaut hat.

Ausblick: Chancenreich, aber kein Selbstläufer

Die Neuorientierung der US-Automobilindustrie ist logisch und strategisch nachvollziehbar. Sie folgt einer klaren Nachfrageverlagerung – weg vom Konsumentenmarkt, hin zu Infrastruktur und Gewerbe. Die Einnahmepotenziale sind beträchtlich, insbesondere durch Rechenzentren, Versorger und Industriekunden.

Doch der Transformationspfad ist anspruchsvoll:
•    Die Unternehmen müssen neue Kundenmärkte verstehen.
•    Sie stehen im Wettbewerb mit etablierten Branchenakteuren.
•    Und sie sind abhängig von komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen.

Dennoch: Energiemanagement wird in den nächsten Jahren zu einem Schlüsselthema der US Wirtschaft. Für Ford und GM eröffnet sich damit die Chance, aus der Elektroauto Krise gestärkt hervorzugehen – sofern sie die Herausforderungen meistern.

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