Überflieger Micron besser als Börsenliebling Nvidia?
VZ Analyse
Vom Hintergrund an die Spitze: Ein neuer Akteur liefert Rekordzahlen und haucht der Börsen-Rally neues Leben ein.
Publiziert 26. Jun 2026
Autor
Roman Gfeller
Funktion Anlageexperte
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Wie viel Substanz steckt hinter den ambitionierten Bewertungen der Tech-Konzerne? Diese Frage stand erst kürzlich im Raum, als vorsorgliche Gewinnmitnahmen im Technologiesektor die Kurse drückten. Eine Antwort darauf lieferten am vergangenen Mittwochabend die Ergebnisse von Micron. Die Quartalszahlen des Speicherherstellers zeigen, dass die fundamentale Nachfrage der Rechenzentrumsbetreiber den Schätzungen der Analysten weiterhin vorausläuft.
Haupttreiber bleiben Tech-Unternehmen
Dass ausgerechnet die Zahlen von Micron mit so viel Spannung erwartet wurden, ist kein Zufall. Die Aktienmärkte werden derzeit von einer Gruppe grosser Technologieunternehmen getragen.
Aktien kaufen: Das sind die wichtigsten Kennzahlen
Merkblatt
Ein erheblicher Teil der Kursgewinne im MSCI World entfällt auf Konzerne, die direkt oder indirekt vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Sie bestimmen damit massgeblich die Richtung des Gesamtmarktes.
Diese Entwicklung hat allerdings ihren Preis. Je stärker sich die Kursgewinne auf wenige Unternehmen konzentrieren, desto anfälliger werden die Indizes für Rückschläge in diesem Segment. Jede neue Information über die Investitionsbereitschaft der Technologiekonzerne gewinnt deshalb an Bedeutung.
Neben Schwergewichten wie Nvidia, AMD und Broadcom rücken inzwischen auch Unternehmen in den Fokus, die bis anhin eher im Hintergrund standen. Micron gehört zu dieser Gruppe, was dadurch unterstrichen wird, dass das Unternehmen erst kürzlich die historische 1-Billion-Dollar-Kapitalisierung durchbrechen konnte. Die Geschäftsentwicklung gilt folglich als Indikator dafür, ob der Ausbau der KI-Infrastruktur weiter an Tempo gewinnt oder erste Ermüdungserscheinungen zeigt.
Micron überzeugt mit starken Zahlen
Micron hat mit den aktuellen Quartalszahlen mehr geliefert, als sich der Markt erhofft hat. Der Umsatz kletterte im dritten Geschäftsquartal auf rund 41,5 Milliarden Dollar und lag damit deutlich über den Erwartungen. Noch deutlicher fällt der Blick auf den Gewinn aus: Mit einem Reingewinn von über 28 Milliarden Dollar erreichte das Unternehmen ein neues Rekordniveau.
Noch wichtiger als diese beiden Kennzahlen ist jedoch die Entwicklung der Bruttomarge. Diese stieg auf 84,9 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei rund 39 Prozent. Ein derartiger Anstieg innerhalb eines Jahres ist selbst in der Halbleiterbranche aussergewöhnlich und bestätigt die anhaltende Stärke des Marktumfeld. Entsprechend positiv reagierte die Börse: Die Titel von Micron gewannen nachbörslich zeitweise über 18 Prozent. Andere Halbleitertitel legten nach dem starken Signal ebenso zu, darunter Intel (+5%), AMD (+4%), Broadcom (+2%) und Nvidia (+1%).
Der Segen der Preissetzungsmacht
Mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren steigt nicht nur die Nachfrage nach Hochleistungsprozessoren. Auch moderne Speicherchips werden zu einem kritischen Baustein. Ohne sie lassen sich die riesigen Datenmengen, die KI-Anwendungen verarbeiten, nicht effizient bewegen. Die Nachfrage wächst derzeit schneller als das Angebot. Das verschafft unter anderem Micron eine Verhandlungsposition, die es in dieser Form lange nicht gab.
Statt über Rabatte konkurrieren die Hersteller inzwischen über ihre verfügbaren Produktionskapazitäten. Höhere Verkaufspreise und langfristige Lieferverträge sorgen dafür, dass sich die Margen auf einem merklich höheren Niveau stabilisieren. Für Anleger ist genau das die eigentliche Botschaft der Quartalszahlen. Micron verdient nicht nur mehr Geld, sondern sichert sich damit eine dauerhaft stärkere und stabilere Marktposition.
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