VZ Analyse
Die Schweiz und die USA verhandeln über tiefere Zölle. Welche Aktien würden am meisten davon profitieren? Eine Übersicht.
Publiziert 14. Nov. 2025
Beschreibung
Ausgerechnet am 1. August, dem Nationalfeiertag, kam die Hiobsbotschaft: US-Präsident Donald Trump verkündete, dass Einfuhren aus der Schweiz mit 39 Prozent verzollt werden müssen. Ein harter Schlag für Schweizer Exporteure, die ohnehin schon mit dem starken Franken umgehen müssen.
Doch seit einigen Tagen steht im Raum, dass die USA den Einfuhrzoll auf 15 Prozent senken könnte. Für Anleger stellt sich die Frage, welche Titel von einem solchen Schritt am meisten profitieren könnten. Das VZ hat deshalb untersucht, wie hoch der US-Anteil beim Umsatz sowie Produktionsstätten bei ausgewählten Titeln ausfällt - und wie die Analystenschätzungen für diese Aktien lauten.
Augenfällig ist, dass vor allem Unternehmen aus dem Pharma-, Konsum- und Industriesektor einen grossen Anteil ihres Umsatzes in den USA erwirtschaften. Solche, die nur einen geringen Anteil ihrer Güter in den USA produzieren, werden von den hohen Importzöllen am Stärksten getroffen.
Dazu kommt: Pharmaunternehmen waren bisher von den Zöllen ausgeschlossen. Zudem verfügen Novartis und Roche über eine Vielzahl an Produktions- und Forschungsstandorte in den USA und haben bereits erhöhte Investitionen in zusätzliche lokale Produktionsanlagen angekündigt. Titel aus den Sektoren Industrie und Konsumgüter sind hingegen direkt von den Zöllen betroffen und könnten nun von einer möglichen Einigung im Zollstreit mit den USA profitieren.
Ebenfalls bei den grosskapitalisierten Industrietiteln wird ein grosser Anteil der Wertschöpfung im entsprechenden Absatzmarkt generiert. ABB erzielt über 27 Prozent seines Umsatzes in den USA und kann mit den 79 Fertigungssandorten rund 75 Prozent des Absatzes direkt vor Ort bedienen. Die höheren Zölle hatten deswegen einen kleinen Einfluss. ABB ist im dritten Quartal sogar um 27 Prozent gewachsen in den USA.
Im Gegensatz dazu unterhalten die Luxusgüter Hersteller Richemont und Swatch Group beinahe keine Produktionsstätten vor Ort. Die Marken stellen die Produkte wegen des Labels "Swiss Made" in der Regel in der Schweiz her. Sowohl Swatch Group als auch Richemont konnten im ersten Halbjahr den Umsatz in den USA steigern, dank den Marken in den höheren Preissegmenten. Diese sind weniger preissensitiv.
Die beiden Unternehmen verfügten über deutlich grössere Absatzprobleme in den asiatischen Märkten. Der Nachfragerückgang nach Luxusgütern in China ist ein strukturelles Problem, mit welchen die Branche zu kämpfen hat. Die Zölle haben jedoch einen grossen Einfluss auf die Profitmarge der Unternehmen. Sie würden deshalb deutlich von einer Reduktion der hohen US-Importzölle profitieren.
Ein stiller Profiteur wäre jedoch das Logistikunternehmen Kühne+Nagel. Der globale Spediteur profitiert indirekt von sinkender Handelsbarrieren. Die Verflechtung von globalen Lieferketten und steigendem internationalen Handel führt zu mehr Güterverkehr und erhöht den Umsatz. Bei der US-Zollankündigung im April entwarnte das Unternehmen vorerst, dass der Umsatz aufgrund globaler Liefertätigkeiten nicht direkt betroffen sei. Der Umsatz ist entgegen dieser Aussage im dritten Quartal um rund 10 Prozent zurückgegangen – ebenfalls begründet durch globale Zollbarrieren.
Die jüngsten Kursreaktionen sind ein Indikator, wie stark die einzelnen Unternehmen von einer Reduktion der US-Zölle profitieren. Seit Wochenbeginn erzielte Roche mit 8,2 Prozent den grössten Kursanstieg. Dieser war indes auch geprägt bei Fortschritten in klinischen Studien. Die Aktien von Swatch Group (+7,9 Prozent) und Richemont (+5,9 Prozent) gewannen ebenfalls deutlich an Wert.
Doch wie viel Kurspotenzial steckt noch in diesen Titeln? Gemäss Analystenempfehlungen verfügen Roche, Richemont und Nestlé über das höchste Kurspotenzial (siehe Tabelle). Bei diesen Titeln geben mehr als die Hälfte der Analysten eine Kaufempfehlung ab. Der mittlere Zielkurs sämtlicher Analysten liegt jedoch nicht mehr weit vom aktuellen Kurs entfernt.
Für Roche und Richemont wird über die nächsten zwölf Monate eine weiteres Kurspotenzial von 4,8 Prozent und 4,6 Prozent impliziert. Bei Nestlé ist der erwartete Kursanstieg mit 7,5 Prozent am höchsten. Bei Swatch Group empfiehlt die Mehrheit der Analysten gar ein Verkauf – obwohl charttechnisch die Aussichten auf weitere Kursgewinne durchaus intakt sind (zur Analyse).
Grundsätzlich profitieren viele Aktien von der Reduktion der US-Zöllen. Denn diese hemmen in den USA den privaten Konsum und die Investitionstätigkeiten von Unternehmen. Die erhöhte Unsicherheit ist grundsätzlich schlecht für die Wirtschaft. Der globale Aktienmarkt hat indes in der Breite sehr positiv auf die Äusserungen zum Zollabbau reagiert. Ein Teil des Gewinnpotenzials durch tiefere Zölle dürfte bereits im Verlauf der Woche im Markt eingepreist worden sein.
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