VZ Chartanalyse
Die Aktien der Swatch Group sind seit dem Frühling um fast 50 Prozent gestiegen. Nun stellt sich die Frage: Wie viel Potenzial steckt noch im Titel?
Publiziert 13. Nov. 2025
Beschreibung
Seit dem Allzeithoch von rund 606 Franken im November 2013 mussten Swatch-Aktionärinnen und -Aktionäre eine von kurzen Erholungen unterbrochene Leidensphase durchstehen, die im Frühjahr dieses Jahres mit dem ersten Zollschock unter Trump ihren Tiefpunkt bei 120 Franken erreichte. Damals dürften viele Anleger frustriert ihre Anteile aus dem Depot geworfen haben.
Doch im Nebel der politischen Unsicherheiten ist die Aktie von seinem Jahrestief rund 48 Prozent gestiegen. Dabei zeigt sich eine Erholung im Segment «Luxusgüter» nicht nur bei Swatch, sondern auch im Euro Stoxx Luxury 10 Index, der Unternehmen wie Richemont, LVMH, Hermès und Kering umfasst – zu denen bereits Chartanalysen vorliegen (Analysen).
Nun also der fünfte im Bunde, dessen weiteres Potenzial anhand seines Chartbilds analysiert werden soll. Unter den Schweizer Luxustiteln aus dem europäischen Luxusaktienindex ist Swatch der Underdog.
Strukturelle Bremsen und alte Erfolgsrezepte
Die Hintergründe der jahrelangen Swatch-Aktien-Schwäche sind gut dokumentiert: In seiner Neuauflage zeigt der Historiker Pierre-Yves Donzé in «Die Geschichte der Swatch Group, reloaded», wie der Konzern nach dem legendären Aufstieg unter Nicolas G. Hayek an strategischer Klarheit verloren hat. Das einstige Erfolgsmodell – vertikal integriert, breit aufgestellt und stark in China – geriet ins Stocken, während Konkurrenten wie Rolex, Hermès oder Patek Philippe ihre Luxusposition gezielt ausbauten. Swatch habe dagegen Mühe, seine Markenidentität neu zu schärfen, vor allem im Premiumsegment. Donzé spricht weniger von operativen Schwächen als von strukturellen Bremsen – einer familiendominierten Governance und mangelnder strategischer Agilität.
Möglicher Turnaround voraus
Gleichzeitig nennt Donzé China als Schlüsselmarkt, in dem Rückgänge bei Umsatz und Profitabilität deutliche Spuren hinterliessen. Doch zahlreiche Analysten erwarten das Tal der Tränen für Luxusgüter im Jahr 2026 durchschritten (hier geht es zum Artikel). Davon dürfte insbesondere Swatch profitieren.
Positiv anzumerken ist auch, dass mit der Berufung von Gregory Kissling als neuem CEO eine Rückbesinnung auf die Kernwerte in Gang gesetzt ist – womit sich eine interne Wende-Perspektive eröffnet.
Wer die Hintergründe besser verstehen will, findet in Donzés Analyse eine lesenswerte Einordnung. Und wer sich das Swatch-Buch gönnt, kann beruhigt sein: Bei einem Aktienkurs von 180 Franken und einer aktuellen Dividendenrendite von 2,7% reicht der Kauf von nur sieben Swatch-Aktien, um sich das Buch quasi von Swatch selbst finanzieren zu lassen – Rendite mit Stil!
Der Erfolg der strategischen Firmenmassnahmen, die Belebung der Konsumentennachfrage in China und das Zustandekommen des Zolldeals mit Trump müssen sich erst noch zeigen. Ein Blick auf den Chart sowie Preisverlauf der Aktie liefern allerdings bereits jetzt wichtige Einsichten, wie das Gros der Marktteilnehmer die Chancen für ein Comeback von Swatch einschätzt – und diese scheinen sich zunehmend aufzuhellen.
Chartanalyse: Weiteres Kurspotenzial vorhanden
Von seinem Allzeithoch bei rund 606 Franken im Jahr 2013 hat sich der Kurs bis zum Tief dieses Jahres bei 120 Franken ungefähr gefünftelt. Der Abwärtstrend war seit März 2023 besonders steil.
An der unteren Trendlinie (grün) prallte der Kurs jüngst nach oben ab. Dabei bildete sich die Erholung in diesem Jahr in Form eines steigenden Kanals (blau) innerhalb des Abwärtstrends – eine Struktur, die noch als bärische Flagge gelten könnte, also als potenzielle Fortsetzung des Abwärtstrends.
Doch mit dem weiterhin stützenden MACD im Rücken wagen die Bullen aktuell sogar die Rückeroberung der 180-Marke. Das würde einen Meilenstein in der bullischen Chartaufhellung darstellen – und zugleich einen Ausbruch nach oben aus der genannten Flagge, was deren Klärung bedeuten würde. Über 180 Franken dürfte den Bullen kaum etwas auf dem Weg zur 222-Franken-Marke im Weg stehen. Vom jetzigen Kursniveau aus betrachtet, wären das nochmals rund 25 Prozent Potenzial. Doch damit könnte das Potenzial noch nicht ausgeschöpft sein: Spannend wird es vor allem in der Fibonacci-Retracement-Zone (50–61,8%) zwischen 228 und 255 Franken, wo aktuell auch die Abwärtstrendlinie seit dem Allzeithoch verläuft.
Erst dort kommt es zur Entscheidungsschlacht um den Bruch der langjährigen Malaise und des Abwärtstrends bei der Swatch Group. Zu diesem Zeitpunkt könnte der Kurs vom Frühjahrestief bereits eine Verdoppelung hinter sich haben – was durchaus für eine Kandidatur als Comeback des Jahres im SPI sprechen würde.
Unterstützungen und Risiken für Anleger
Auf der Unterseite stellt die untere steigende Kanallinie eine mögliche Unterstützung dar – ebenso die 150-Franken-Marke. Darunter könnte es nochmals kritisch werden – insbesondere die Marke von 120 Franken sollte halten, um das Comeback-Szenario nicht zu gefährden.
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