VZ Chartanalyse
Viel Pessimismus, tiefere Bewertungen und ein wichtiger charttechnischer Bereich: Beim S&P 500 verdichten sich die Hinweise, dass die jüngste Korrektur an ihr Limit kommen könnte. Noch ist nichts entschieden – doch genau jetzt wird es an der Wall Street besonders spannend.
Publiziert vor 9 Stunden
Beschreibung
Der S&P 500 – der wichtigste Aktienindex der Welt mit den 500 grössten börsennotierten Unternehmen der USA – beeinflusst mit seiner Verfassung massgeblich das Sentiment und die Entwicklung an den anderen globalen Börsen. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat dieser um rund 10 Prozent von seinem Allzeithoch korrigiert. Am Dienstag brachte die Hoffnung auf einen Frieden in Nahost einen starken Rebound nicht nur in den USA. Welche Gründe dafür sprechen, dass die Korrektur bald auslaufen könnte und welche nicht allzu weit entfernte Unterstützungsmarke dabei aus charttechnischer Sicht besonders im Fokus steht.
Wie bereits beim SMI (hier geht es zur VZ-Analyse) in der vergangenen Woche folgt heute – vor dem verlängerten Wochenende – eine charttechnische Einordnung zum S&P 500. Denn auch dieser Index befindet sich auf einem charttechnisch wichtigen Kursniveau, an dem die laufende Korrektur auslaufen und der übergeordnete Aufwärtstrend wiederaufgenommen werden könnte.
Bevor es zur eigentlichen Chartanalyse kommt, lohnt ein kurzer Blick auf einige Faktoren, die aus Marktsicht eher beruhigend wirken.
1) Viel Angst ist bereits eingepreist
Der Volatilitätsindex VIX (ein Index, der die erwarteten Kursschwankungen am US‑Aktienmarkt misst und häufig als "Angstbarometer" bezeichnet wird) notierte zuletzt um 31 Punkte. Gleichzeitig zeigen Umfragen unter US‑Privatanlegern ausgeprägten Pessimismus: In der AAII‑Erhebung (Stimmungsumfrage der American Association of Individual Investors, eines US‑Anlegerverbandes) lagen die Bearish‑Stimmen Ende März bei rund 50 Prozent. Solche Extremwerte sind kein Garant dafür, dass die Kurse nicht weiter fallen können. Sie deuten jedoch darauf hin, dass Vorsicht und Absicherung bereits weit verbreitet sind – und damit ein Teil des Verkaufsdrucks womöglich hinter uns liegt.
2) Die Bewertung hat sich abgekühlt
Mit den Kursrückgängen ist auch die Bewertung gefallen. Das Forward‑KGV (Kurs‑Gewinn‑Verhältnis auf Basis der von Analysten erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate) des S&P 500 liegt Ende März wieder bei rund 20 und damit in der Nähe seines historischen Durchschnitts.
Historisch bewegte sich das Forward‑KGV des S&P 500 im Durchschnitt zwischen etwa 19 und 20. In Phasen ausgeprägter Unsicherheit oder wirtschaftlicher Abschwächung fiel es zeitweise unter 17, was rückblickend eher als günstiges Bewertungsniveau gelten kann. Umgekehrt signalisierten Werte über 24 in vielen Perioden eine anspruchsvolle Bewertung, bei der bereits hohe Erwartungen an das künftige Gewinnwachstum eingepreist wurden.
Nach der jüngsten Korrektur liegt das Forward‑KGV nun wieder nahe dem langfristigen Mittelwert. Das reduziert zwar nicht die kurzfristigen Risiken, senkt aber die Fallhöhe im Vergleich zu Phasen deutlich sportlicherer Bewertungen – und verbessert die Ausgangslage, falls sich die geopolitischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen stabilisieren.
3) Korrekturen sind historisch die Regel – nicht die Ausnahme
Ein Blick in die Vergangenheit relativiert die aktuelle Situation zusätzlich: Seit 1980 verzeichnete der S&P 500 in jedem einzelnen Jahr zeitweise einen deutlichen Rückgang vom jeweiligen Jahreshoch. Im Durchschnitt lag dieser maximale Rücksetzer bei rund 14 Prozent. Dennoch endeten rund drei von vier Jahren trotz zwischenzeitlicher Korrekturen mit einem Jahresplus. Diese Erfahrung unterstreicht, dass grössere Schwankungen zum normalen Marktverlauf gehören und Korrekturen nicht zwangsläufig das Ende eines positiven Börsenjahres bedeuten – auch wenn sie sich kurzfristig belastend anfühlen.
4) Der "15‑Punkte‑Plan" hält diplomatische Optionen offen
Trump erklärte zuletzt, der Iran habe bei einem US‑Vorschlag mit 15 Punkten "den meisten Punkten zugestimmt". Gleichzeitig ist unklar, wie belastbar diese Aussagen sind, zumal iranische Stellen entsprechende Verhandlungen teilweise bestritten oder relativiert haben. Für die Börse ist jedoch entscheidend: Solange Gespräche zumindest plausibel erscheinen, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Worst‑Case‑Szenarios – und damit auch die geopolitische Risikoprämie in den Kursen.
Chartanalyse
Im langfristigen Wochenchart lässt sich erkennen, dass der S&P 500 seit mindestens 2020 innerhalb eines Kanals steigt. Auf der Oberseite wurden temporäre Überschüsse immer wieder abgebaut. Übergeordnet herrscht aber weiterhin ein absolut intakter Aufwärtstrend. Seit Sommer letzten Jahres lief der Index zeitweise über die obere Begrenzung dieses Kanals hinaus. Der aktuelle Rückgang kann daher als Rücklauf in den bestehenden Trendkanal eingeordnet werden – ein technisch häufig beobachtetes Muster innerhalb laufender Aufwärtstrends.
Besondere Aufmerksamkeit verdient nun die Unterstützungszone zwischen 6150 und 6200 Punkten. Dieses Niveau entspricht dem Hoch aus dem Januar 2025 und stellt damit eine frühere Widerstandszone dar, die nun als potenzielle Unterstützung fungiert. Solche Rollenwechsel sind in der Charttechnik typisch und wiederholten sich auch hier bei den Rücksetzern im Jahre 2022 und 2025 (grüne horizontale Balken).
Zusätzlich verläuft in diesem Bereich die mittlere Kanallinie, was zusätzlich unterstützend wirken kann. Der RSI (Relative‑Stärke‑Index, ein Indikator zur Messung von Momentum und Überkauft‑/Überverkauft‑Zuständen) auf Wochenbasis hat deutlich abgekühlt und frühere Übertreibungen abgebaut. Im Tageschart (weiter unten) befindet sich dieser aber an der Schwelle zum überverkauften Bereich, was häufig von einer technischen Gegenbewegung begleitet wird.
Der starke Rebound von Dienstag von fast 3 Prozent hievte den S&P 500 bis an die 6500-Punkte-Marke. Der Startpunkt der Erholungsrally fand nur knapp über der wichtigen, oben genannten Unterstützungszone statt und könnte damit bereits das Tief der aktuellen Schwächephase beinhalten. Bei anhaltender positiver Dynamik lässt sich als nächstes potenzielles Ziel noch die 200-Tage-Linie bei rund 6640 Punkten identifizieren. Sollte diese zurückerobert werden, dann würde sich das Stimmungsbild klar aufhellen.
Sollte sich das Muster der vorangegangenen Korrekturen allerdings wiederholen, könnte es auch noch zum Test der 6200-Punkte-Marke kommen. Zahlreiche Investoren könnten hier die Chance für einen verbilligten Einstieg in den wichtigsten Aktienindex der Welt sehen. Das wiederum könnte Signalwirkung für die globalen Börsenplätze haben.
Einordnung: Für wen ist Charttechnik relevant?
Charttechnische Analysen wie diese richten sich vor allem an Anlegerinnen und Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder an jene, die ihre Entscheidungen durch zusätzliche Marktsignale ergänzen möchten. Die Interpretation von Kursmustern, Unterstützungszonen oder Indikatoren kann helfen, das kurzfristige Marktverhalten besser einzuordnen – ersetzt jedoch keine fundierte, langfristige Anlagestrategie. Für langfristig orientierte Anleger treten solche Schwankungen häufig in den Hintergrund: Historisch betrachtet haben sich breit diversifizierte Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Rückschläge über die Zeit nach oben entwickelt.
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