VZ Analyse
Nicht nur der Schweizer Leitindex lebt von wenigen Schwergewichten. Auch andere Börsen zeigen, wie stark einzelne Titel die Indexentwicklung beeinflussen können.
Publiziert 16. Dez. 2025
Beschreibung
Für Schweizer Anleger ist das Thema Indexkonzentration kein neues Phänomen. Der Swiss Market Index (SMI) ist seit Jahren von wenigen Schwergewichten geprägt. Nestlé, Roche und Novartis vereinen zusammen rund 47 Prozent der Indexgewichtung. Entsprechend wird die Entwicklung des Index in wesentlichem Umfang von diesen drei Titeln bestimmt. UBS, ABB und Richemont haben jeweils einen Anteil von rund 7 Prozent. Die restlichen 14 Index-Mitglieder sind für den restlichen Drittel der Indexgewichtung verantwortlich.
Diese Struktur ist auch international weit verbreitet und kein spezifisches Merkmal des Schweizer Marktes.
Internationale Parallelen
Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt, dass eine hohe Indexkonzentration kein Ausnahmefall ist, sondern in vielen wichtigen Märkten strukturell verankert ist. Im taiwanischen TAIEX entfällt mit 41,9 Prozent ein erheblicher Teil der Indexgewichtung auf Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). Als weltweit zentraler Auftragsfertiger für Halbleiter ist die Indexentwicklung damit eng an die Nachfrage nach Chips gekoppelt, insbesondere aus den Bereichen Hochleistungsrechner und künstliche Intelligenz.
Auch der dänische Aktienmarkt weist eine vergleichbare Struktur auf. Im OMX Copenhagen 25 vereinen Novo Nordisk, DSV, Danske Bank und Vestas Wind zusammen 45,3 Prozent der Indexgewichtung. Die Indexentwicklung wird somit von wenigen grosskapitalisierten Unternehmen getragen, während der Beitrag der übrigen 21 Titel deutlich geringer ausfällt.
In den Niederlanden ergibt sich ein ähnliches Bild. Im AEX kommen ASML, Shell und Unilever gemeinsam auf rund 46 Prozent des Index. Insbesondere ASML sorgt dafür, dass technologische Investitionszyklen und die globale Nachfrage nach Halbleiterfertigungsanlagen einen spürbaren Einfluss auf den Gesamtindex haben. Die restlichen 54 Prozent tragen 22 Titel.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Entwicklung vieler Leitindizes weniger das Resultat einer breiten Marktbewegung ist, sondern vielmehr von einigen wenigen, dominanten Titeln geprägt wird.
Kospi als aktuelles Beispiel
Besonders deutlich zeigt sich diese Mechanik aktuell am südkoreanischen Kospi. Seit Anfang Jahr legte der Index über 70 Prozent in Lokalwährung zu, in Franken gerechnet waren es immer noch rund 51 Prozent. Damit entwickelte er sich deutlich besser als etablierte Vergleichsindizes wie der SMI, der S&P 500 oder andere asiatische Märkte, die im selben Zeitraum weniger zulegen konnten.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die starke Gewichtung einzelner Technologietitel. Samsung und SK Hynix machen zusammen rund 32 Prozent des Kospi aus. Ihre Kursentwicklung hatte entsprechend einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtperformance des Index.
Der Rückenwind kam dabei insbesondere aus dem Technologiesektor und dem KI-nahen Umfeld. Die weltweit hohe Nachfrage nach Halbleitern für Rechenzentren, Speicherlösungen und KI-Anwendungen wirkte sich direkt auf die Bewertung der beiden Schwergewichte aus. Da diese Titel im Index stark gewichtet sind, spiegelte sich dieser Trend auch auf Indexebene deutlich wider.
Der Kospi profitierte somit weniger von einer gleichmässigen Aufwärtsbewegung über alle Branchen hinweg, sondern vor allem von der Stärke einzelner, strategisch wichtiger Technologiewerte. Die Indexperformance ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie globale Technologietrends – in diesem Fall rund um künstliche Intelligenz – über stark gewichtete Einzeltitel auf nationale Aktienmärkte durchschlagen können.
Fazit für Anleger
Die Beispiele zeigen, dass Leitindizes häufig stärker konzentriert sind, als es ihre breite Bezeichnung vermuten lässt. Für Anleger ist dies zunächst weder positiv noch negativ, sondern eine strukturelle Eigenschaft kapitalisierungsgewichteter Indizes.
Gerade für Schweizer Investoren ist es sinnvoll, sich der hohen Konzentration im SMI bewusst zu sein und diese bei regionalen und thematischen Ergänzungen mitzudenken. Die Titel im SMI sind mehrheitlich defensiv ausgerichtet, was dem Index zwar Stabilität verleiht, aber auch das Wachstumsprofil begrenzt. Zudem nimmt die Gewichtung einzelner SMI-Schwergewichte über die Jahre strukturell ab (mehr dazu finden Sie in der VZ-Analyse). Ziel ist nicht, bestehende Engagements infrage zu stellen, sondern die Gesamtausrichtung nüchtern und realistisch einzuordnen.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG. Die Analysen haben nur indikativen Charakter und stellen keinesfalls ein Angebot, eine Beratung oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments oder zur Ausführung irgendeiner Transaktion dar.