Kantonalbanken stellen die Schweizer Börse in den Schatten

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VZ Analyse

Während der Schweizer Aktienmarkt seit Anfang Jahr im Minus liegt, brillieren die kotierten Kantonalbanken mit deutlichen Kursgewinnen. Dafür gibt es gute Gründe.

Publiziert 31. März 2026

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Kantonalbanken sind dieses Jahr die heimlichen Stars an der Schweizer Börse. Obwohl sie meist am Markt eher unauffällig sind und selten mit grösseren Kursbewegungen auffallen, liegen die Aktien der an der Börse kotierten Kantonalbanken seit Anfang Jahr deutlich im Plus. Selbst der allgemeine Kursrückgang seit dem Kriegsausbruch im Iran konnte der Performance kaum etwas anhaben. 

Einer der Gründe für diese relative Stärke ist, dass Kantonalbanken stark im Zinsgeschäft tätig sind. Und obwohl das allgemeine Zinsniveau wieder sehr tief ist, bleiben die Erträge aus dem Zinsgeschäft hoch. Die befürchtete rasche Erosion der Zinsmarge ist bislang ausgeblieben. Das reflektiert sich auch in den Aktienkursen (zur ausführlichen VZ-Analyse). 

Liebhaberaktien mit attraktiven Dividenden

Dazu kommt, dass die Kantonalbanken durch stabile Dividenden überzeugen. Die Renditen liegen aktuell zwischen zwei und über vier Prozent. Die Glarner Kantonalbank bietet mit 4,3 Prozent die höchste Rendite. Dahinter folgen die Basellandschaftliche Kantonalbank und die Banque Cantonale Vaudoise mit 3,6 bzw. 3,5 Prozent. Dank guter Ergebnisse wollen zudem sieben Institute die Dividenden im Vergleich zum Vorjahr anheben. Einzig die kleinste KB aus dem Jura senkt ihre Dividenden. Dies, nachdem der Gewinn aufgrund des tieferen Zinsniveaus nicht ganz an den Rekord des Vorjahres herankam.

Von Gross bis Klein

Die Unterschiede innerhalb der börsenkotierten Institute sind gross. Die Banque Cantonale Vaudoise (BCV) führt mit einer Marktkapitalisierung von rund 11 Milliarden Franken. Dahinter folgen Luzern und St. Gallen mit rund 5 bzw. 4 Milliarden. Am unteren Ende stehen die Kantonalbanken von Glarus und Jura mit je rund 0,3 Milliarden Marktkapitalisierung.

Hinter den Kantonalbanken stehen die Kantone als Hauptaktionäre. Am stärksten engagiert sind Graubünden und Basel-Stadt mit Anteilen von rund 84 Prozent. Den kleinsten Anteil hält Zug mit 50,1 Prozent. Ein Sonderfall ist die Genfer Kantonalbank: Hier sind neben dem Kanton (44,3 Prozent) auch die Stadt (20,9 Prozent) und die Gemeinden (7,4 Prozent) beteiligt.

Die starke Bindung an die Kantone hat Auswirkungen auf den Handel: Die Aktien der kleineren Banken sind oft wenig liquide. Bei der Jura KB wechseln im Schnitt weniger als 100 Aktien pro Tag den Besitzer – ein Handelsvolumen von unter 10’000 Franken. Bei grösseren Instituten ist der Markt aktiver, doch auch dort kann die Liquidität zeitweise deutlich abnehmen.

Staatsgarantie - nicht für alle

Die meisten Kantonalbanken verfügen über eine Staatsgarantie. 21 Institute sind vollständig abgesichert. In Bern, Genf und Waadt hingegen gilt nur die allgemeine Einlagensicherung bis 100'000 Franken. Diese Ausnahmen gehen auf frühere Rettungsaktionen zurück. In Genf musste die Banque Cantonale de Genève in den 90er Jahren wegen Kreditausfällen gerettet werden. Auch die Banque Cantonale Vaudoise erhielt 2002 Hilfe vom Kanton, erholte sich danach aber und brachte dem Staat später sogar einen Gewinn. Weniger erfolgreich verlief die Rettung der Berner Kantonalbank, die während der Immobilienkrise der 90er Jahre in Schwierigkeiten geriet und vom Kanton gestützt werden musste.

Nicht überall kam es zur Rettung: In Solothurn lehnte das Volk 1995 eine Unterstützung ab – seither hat der Kanton keine eigene Bank. Appenzell Ausserrhoden verkaufte kurz darauf seine Kantonalbank an die heutige UBS.

Krisenerprobte Stabilität

Seit der Gründung der ersten Kantonalbank 1816 in Genf haben die Institute Höhen und Tiefen erlebt. Einige verschwanden in der Immobilienkrise der 90er, andere wurden gerettet. Heute sind die meisten deutlich stabiler und besser kapitalisiert. Anlegerinnen und Anleger können über die börsenkotierten Kantonalbanken an der stabilen Basis der Schweizer Finanzwelt teilhaben – durch verlässliche Dividenden und im besten Fall, wie zuletzt, durch Kursgewinne. Auch in Phasen mit geopolitischen Unruhen.

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