Sprudelnde Bankgewinne trotz Nullzinspolitik der SNB

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Das Schweizer Bankenrätsel: Trotz der Rückkehr zu Nullzinsen behaupten sich die Aktien von zinssensitiven Banken erstaunlich gut. Doch was sind die Gründe dafür?

Publiziert 27. Febr. 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Entgegen der Rückkehr zu einem Leitzins von 0 Prozent im Juni 2025 entwickeln sich diejenigen Aktien von Banken, die besonders im Zinsgeschäft aktiv sind, überraschend robust – mehrheitlich sogar deutlich besser als der Gesamtmarkt. Das Rätsel: Obwohl das allgemeine Zinsniveau wieder sehr tief ist, bleiben die Erträge aus dem Zinsgeschäft hoch. Die befürchtete rasche Erosion der Zinsmarge ist bislang ausgeblieben.

Zinsmargen bleiben trotz Nullzinsniveau erstaunlich stabil

Die Erträge der Banken im Kerngeschäft richten sich nicht primär an den Leitzinsen aus, sondern an der Differenz zwischen Kredit- und Sparzinsen. Hinzu kommt das Geschäft der Fristentransformation. Das heisst: Kurzfristige Kundengelder zu tiefem Zins aufnehmen und langfristig zu höherem Zins anlegen. Aktuell sind sowohl die Margen bei Hypotheken und Unternehmenskrediten als auch die Renditeaufschläge langfristiger Anleihen gegenüber kurzfristigen Kundeneinlagen weiterhin deutlich über jenen Niveaus früherer Tiefzinsphasen. Damit können Banken trotz des Nullzinsumfelds stabile Zinserträge erzielen.

Zu Beginn des Jahres 2025 mussten die Banken zunächst befürchten, dass die verschärften Kapitalanforderungen – insbesondere im Hypothekargeschäft – zu Belastungen führen würden. Die seit dem 1. Januar 2025 geltenden Basel‑III‑Regelungen hatten jedoch letztlich den positiven Effekt, dass Institute höhere Margen gegenüber ihren Kundinnen und Kunden besser begründen konnten.

Wachstum treibt Erträge – Beispiel Zuger Kantonalbank

Die Zinsmargen tragen zwar wesentlich zum Ertrag bei, erklären den Erfolg aber nicht allein. Das zeigt das Beispiel der Zuger Kantonalbank:  Die Zinsmarge ist zwischen 2017 und 2025 von 1,03 Prozent auf 1,12 Prozent gestiegen, was einem Zuwachs von rund 10 Prozent entspricht. Demgegenüber sind die Zinserträge um 43 Prozent gestiegen. 
 

Ein grosser Teil dieses Wachstums ist auf den Ausbau der Bilanzsumme zurückzuführen. Diese stieg zwischen 2017 und 2025 von 14,6 auf 19,3 Milliarden Franken an, was einem Wachstum von 32 Prozent entspricht. Gerade Kantonalbanken profitieren stark vom Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in der Schweiz. Mehr Einwohner, mehr Unternehmen und mehr Wohnbau führen zu steigenden Kreditvolumina – und damit zu steigenden Erträgen, selbst bei tiefen Zinsen.

Mehr Wettbewerb: Kundengelder könnten wieder mobiler werden

Trotz der positiven Entwicklung wächst der Gegenwind. Mit der Rückkehr zu Nullzinsen steigt der Druck auf Banken, Kundengelder zu halten: Ohne Zins auf dem Sparkonto steigt der Anreiz für Kundinnen und Kunden, ihr Geld anderswo zu investieren. Damit nimmt auch der Wettbewerb zwischen Banken wieder zu. Hinzu kommt, dass sich der Effekt von Tief- oder Negativzinsen bei den Banken immer erst mit einiger Verzögerung bemerkbar macht, wie die letzte Niedrigzinsphase zeigt. Davon ist zunächst meist nur das Neugeschäft betroffen. Und: Eine Rückkehr zu Negativzinsen würde die Margen der Banken unmittelbar und deutlich belasten, denn sie würden diese wie schon zwischen 2015 und 2022 nicht den Kunden weitergeben. Damit dürfte das Potenzial für eine weitere Margensteigerung begrenzt sein. Vielmehr müssen Banken verhindern, dass Kundengelder abfliessen und das Wachstum auf der Einlageseite vorantreiben versuchen. 

Fazit

Die aktuelle Stärke zinssensitiver Bankaktien ist weniger ein Widerspruch, als es auf den ersten Blick scheint. Stabile Zinsmargen, eine wachsende Kundenbasis und grössere Kreditvolumina haben die Erträge vieler Institute steigen lassen. Gleichzeitig bleiben die Risiken im Blick: Nullzinsen erhöhen den Wettbewerbsdruck, und mögliche Negativzinsen würden die Margen empfindlich treffen – wenn auch verzögert. Für Anleger heisst das: Das Umfeld ist vorerst solide – aber nicht risikofrei.

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