Ist KI-Rechenleistung das neue Erdöl?

Analysen
Analysen

VZ Analyse

Was Erdöl im 20. Jahrhundert war, könnte heute Rechenleistung sein. KI macht sie zum strategischen Rohstoff – mit direkten Folgen für Märkte und Anleger.

Publiziert 25. Jun 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Industrialisierung war stets eng mit dem Zugang zu essenziellen Ressourcen verknüpft. War es früher Öl, das Wachstum, Innovation und geopolitische Macht prägte, deutet heute vieles auf einen Paradigmenwechsel hin: KI entwickelt sich zur Schlüsselressource der globalen Wirtschaft. Alleine 2025 flossen rund 580 Milliarden Dollar in den Ausbau von KI-Rechenzentren.

Der KI-Boom verändert ganze Wertschöpfungsketten

Die enorme Nachfrage nach Rechenleistung treibt ganze Industrien an. Nvidia ist dank seiner dominierenden Stellung bei KI-Chips zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Entlang der Wertschöpfungskette profitieren Halbleiterhersteller wie Intel, AMD, TSMC und Micron ebenso wie Speicherproduzenten wie Samsung Electronics oder Zulieferer aus dem Energiesektor, etwa ABB.

Gleichzeitig wächst die Infrastruktur langsamer als die Nachfrage. Der Zugang zu leistungsfähiger und bezahlbarer Rechenleistung wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Vom Liefervertrag zum handelbaren Gut

Technologieunternehmen sichern sich diesen Zugang bereits langfristig, so wie Industrieunternehmen es bei Forward-Kontrakten in Rohöl seit langem tun. Milliardenverträge zwischen KI-Firmen und Infrastrukturanbietern sind zur Norm geworden. OpenAI sicherte sich 300 Milliarden Dollar Rechenleistung von Oracle über mehrere Jahre, SpaceX kündigte jüngst einen ähnlichen Deal mit Google an. Gleichzeitig beginnt sich ein Markt für standardisierte Rechenleistung zu entwickeln.

Nicht jedes Mittel zur Rechenleistung ist gleich wertvoll: Hochleistungschips wie Nvidias H100 sind besonders gefragt. Bereits heute existieren Preisindizes für deren Nutzung. Der Index hat jüngst einen neuen Höchststand erreicht. Erste Börsen planen Futures auf Rechenleistung. Damit nähert sich der Markt klassischen Rohstoffen an: Unternehmen können sich künftig Kapazitäten im Voraus sichern, während Betreiber Planungssicherheit für ihre kapitalintensiven Rechenzentren gewinnen.

KI schafft neue geopolitische Abhängigkeiten

Die Parallelen zum Erdöl reichen über Marktmechanismen hinaus. Rechenzentren sind die „Raffinerien“ der digitalen Wirtschaft, KI ihre Energiequelle für Produktivitätsgewinne in nahezu allen Sektoren. Mit dem steigenden Bedarf wächst auch der Stromverbrauch massiv: 2024 lag dieser bei rund 415 TWh und könnte sich bis 2030 auf etwa 945 TWh mehr als verdoppeln – auf eine Grössenordnung vergleichbar mit dem heutigen Verbrauch Japans.

Damit entstehen neue geopolitische Abhängigkeiten. Der Zugang zu günstiger Energie, moderner Netzinfrastruktur und Halbleitertechnologie wird zum Standortvorteil. Zugleich konzentriert sich die technologische Führerschaft stark auf wenige Länder, insbesondere auf die USA, was die globale Abhängigkeit zusätzlich verstärkt.

KI bietet sowohl ESG-Chancen als auch Risiken

Die rasante Expansion von KI wirft auch zentrale ESG-Fragen auf. Der steigende Strombedarf gefährdet Klimaziele, insbesondere wenn weiterhin fossile Energieträger eingesetzt werden. Gleichzeitig könnte KI-Teile des Arbeitsmarktes disruptiv verändern.

Den Risiken stehen jedoch Chancen gegenüber: Technologiekonzerne investieren zunehmend in erneuerbare Energien und langfristige Stromabnahmeverträge. Zudem kann KI selbst Effizienzgewinne ermöglichen, etwa in Energie- und Industriesystemen.


KI-Rechenleistung hat viel mit Erdöl gemein und schafft viele Gewinner


Wie einst Erdöl hat KI das Potenzial, die Weltwirtschaft grundlegend zu verändern und den globalen Wohlstand massiv zu erhöhen. Rechenleistung ist der Treibstoff von KI. Die unmittelbaren Gewinner sind Chiphersteller und Technologieunternehmen, aber auch Zulieferer entlang der gesamten Infrastrukturkette. In der Schweiz zählen etwa ABB oder Huber+Suhner dazu.

Gleichzeitig ist ein grosser Teil der Erwartungen bereits eingepreist. Dennoch gilt: Wer breit investiert ist – etwa über globale Aktienindizes – partizipiert automatisch an diesem strukturellen Trend. KI dürfte in den kommenden Jahren kaum eine Branche unberührt lassen und die Gewinner vorherzusagen ist schwierig. Für Anleger die dennoch gezielt in das Thema KI investieren möchten sind in der Tabelle beispielhaft einige Thematische ETFs aufgeführt.

 

Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.