VZ Analyse
Der Schweizer Aktienmarkt blickt auf ein starkes Jahr 2025 zurück. Dennoch blieben nicht alle Unternehmen auf Kurs. Einige Aktien gerieten unter Druck, obwohl sich mittelfristig Chancen auf eine Erholung abzeichnen. Eine Übersicht.
Publiziert 17. Dez. 2025
Beschreibung
Wie in jedem Börsenjahr gab es auch 2025 klare Gewinner und Verlierer. Der Schweizer Gesamtmarkt SPI stieg um rund 15 Prozent, getragen vor allem von Novartis und Roche. Aber einige Titel litten unter operativen Problemen, strategischen Fehlern oder einer schwachen Nachfrage.
In mehreren Fällen führten diese Unsicherheiten zu deutlichen Kursverlusten. Gleichzeitig eröffnen genau diese Belastungen Raum für eine Erholung, sofern die eingeleiteten Massnahmen greifen und sich das Umfeld verbessert.
Orior
Orior, bekannt für Marken wie Biotta oder Rapelli, kämpft mit einer hohen Verschuldung. Diese belastete den Aktienkurs bereits im Vorjahr und das setzte sich 2025 fort. Hinzu kamen ein rückläufiges organisches Wachstum und sinkende Margen im ersten Halbjahr. Positiv entwickelte sich der Free Cash Flow, der dank tieferer Investitionen besser ausfiel als erwartet.
Das Unternehmen steht vor einer umfassenden Neuausrichtung. Reine Kostensenkungen reichen nicht aus. Orior plant den Verkauf von Marken wie Culinor sowie von Immobilien, um die Bilanz zu entlasten. Eine Kapitalerhöhung blieb bisher aus und gilt als letzter Ausweg. Entscheidend wird sein, das Portfolio zu fokussieren und die Profitabilität der Kernmarken zu steigern. Gelingt dies, entsteht langfristiges Potenzial. Kurzfristig braucht es Geduld.
Rieter
Rieter erlebte 2025 ein äusserst schwieriges Jahr. Das Marktumfeld für Spinnereimaschinen blieb schwach. Im ersten Halbjahr resultierte ein Verlust von 20 Millionen Franken. Der Auftragseingang lag unter dem Vorjahr und mehrere Projekte wurden verschoben. Bereits nach neun Monaten zeigte sich, dass der Umsatz deutlich unter den Erwartungen lag. Das Unternehmen senkte daraufhin die Prognose für das Gesamtjahr und rechnet mit einem negativen Free Cash Flow.
Den stärksten Kursdruck verursachte die im September beschlossene Kapitalerhöhung. Trotz einer Zeichnungsquote von über 99 Prozent und der Beteiligung der Grossaktionäre fiel der Aktienkurs massiv. Strategisch eröffnet die Kapitalerhöhung jedoch neue Perspektiven.
Rieter sicherte damit die Finanzierung der Barmag-Übernahme. Ziel ist eine führende globale Position bei Natur- und Chemiefasern. Eine konjunkturelle Erholung und weniger geopolitische Unsicherheit könnten die Nachfrage bereits mittelfristig stützen.
SIG Group
Bei der SIG Group belasteten 2025 mehrere Ereignisse den Aktienkurs. Im Frühjahr wies das Unternehmen Forderungen des Grossaktionärs Laurens Last zurück. Im Sommer trennte sich SIG vom CEO. Den grössten Einschnitt brachte im September die Ankündigung einer strategischen Neuausrichtung inklusive Dividendenstopp. Trotz einer leichten Kurserholung blieb das Vertrauen der Investoren bisher begrenzt.
Am Kapitalmarkttag im Oktober stellte der neue Verwaltungsratspräsident Ola Rollén klar, dass ein grundlegender Neustart nötig ist. Frühere Übernahmen hatten enttäuscht. SIG muss sich neu positionieren, was dem Unternehmen in der Vergangenheit bereits gelungen ist (mehr dazu finden Sie hier).
Der neue CEO Mikko Keto soll diesen Wandel vorantreiben, insbesondere mit der Fokussierung auf das Kerngeschäft Verpackung. Entscheidend bleibt jedoch die konjunkturelle Entwicklung. Auch ohne Dividende besteht die Chance auf eine positive Überraschung.
Sika
Die globale Baukonjunktur schwächte sich 2025 deutlich ab. Besonders in China brach die Nachfrage stark ein – mit direkten Auswirkungen auf Sika. Auch der Fahrzeugbau entwickelte sich verhalten. In den ersten neun Monaten wuchs der Umsatz in Lokalwährung nur um 1,1 Prozent. Das Unternehmen senkte daraufhin den Ausblick für das Gesamtjahr. Zusätzlich belastete der starke Franken.
Stabilisierend wirkten leicht steigende Margen. Sinkende Inputkosten und Synergien zeigten Wirkung. Sika war zudem kaum von US-Zöllen betroffen, da fast vollständig lokal produziert wird. Eine schnelle Erholung in China ist zwar nicht absehbar, dennoch investiert Sika konsequent in Effizienz, Digitalisierung und gezielte Akquisitionen. Die Margen konnten trotz schwierigem Umfeld leicht verbessert werden. Sollte die Baukonjunktur überraschen, könnte Sika 2026 deutlich profitieren.
Tecan
Tecan blickt auf ein schwaches Börsenjahr zurück. Ausschlaggebend war weniger die operative Leistung als das Marktumfeld. Die Nachfrage in den Bereichen Life Science Research und Diagnostik blieb verhalten.
Das Unternehmen erwartet keine rasche Erholung, sondern eine schrittweise Verbesserung. Entsprechend bestätigte Tecan die Jahresziele am unteren Ende der Spanne. Zölle in Nordamerika und negative Währungseffekte verstärkten die Unsicherheit.
Zusätzliche Unruhe brachten personelle Veränderungen. Der CEO trat im August zurück. Die Finanzchefin wird das Unternehmen im Mai 2026 verlassen. Eine Nachfolge ist noch offen. Diese Wechsel können jedoch auch einen Neuanfang ermöglichen. In Kombination mit einer besseren Nachfrage und Effizienzgewinnen durch den Einsatz von KI bestehen mittelfristig gute Chancen auf eine Trendwende.
Fazit
Diese fünf Unternehmen haben im laufenden Jahr unter schwacher Nachfrage, strategischen Fehlern oder finanziellen Belastungen gelitten. Gleichzeitig sind wichtige Weichen gestellt worden. 2026 dürfte für viele ein Übergangsjahr werden. Gelingt es ihnen, die Massnahmen umzusetzen, und verbessert sich das Umfeld, bieten diese Aktien bereits im kommenden Jahr Potenzial für einen erfolgreichen Turnaround.
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