VZ Analyse
Der Nahostkonflikt verstärkt den Trend zu erneuerbaren Energien. Weltweit werden 2026 rund 2,2 Billionen Dollar in saubere Energietechnologien investiert. Davon profitieren auch zahlreiche Schweizer Unternehmen.
Publiziert 8. Jun 2026
Beschreibung
Der Iran-Krieg hat die globalen Energiemärkte erschüttert. Die Sperrung der Strasse von Hormus und die damit verbundenen Unsicherheiten bei den Öl- und Gaslieferungen haben das Thema Energiesicherheit wieder ins Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Diskussion gerückt.
Erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft liegen bereits seit Längerem im Trend, gewinnen dadurch aber zusätzlich an Bedeutung. Gleichzeitig rückt der Ausbau der Stromnetze und die Elektrifizierung von Industrie, Gebäuden und Verkehr stärker in den Fokus.
Gemäss der Internationalen Energieagentur (IEA) werden 2026 weltweit Investitionen von rund 3,4 Billionen Dollar im Energiesektor erwartet. Davon entfallen 2,2 Billionen Dollar auf saubere Energietechnologien.
Vor diesem Hintergrund richten viele Anleger ihren Blick verstärkt auf Unternehmen, die von der langfristigen Transformation des Energiesystems profitieren könnten.
Die jüngsten Kursentwicklungen an der Schweizer Börse zeigen, dass Investoren vermehrt auf Elektrifizierung, Netzinfrastruktur und erneuerbare Energien setzen. Seit Jahresbeginn gehören zahlreiche Unternehmen aus diesen Bereichen zu den stärksten Performern.
Netzbetreiber und Stromversorger gefragt
Von diesem Trend profitieren insbesondere Stromversorger mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien in ihrem Produktionsmix.
Die Aktie von Romande Energie legte seit Jahresbeginn um rund 16 Prozent zu. Das Unternehmen verfügt über bedeutende Wasser- und Solarstromkapazitäten und gilt als direkter Profiteur eines steigenden Bedarfs an lokal produzierter Energie.
Auch Edisun Power Europe konnte seit Jahresanfang um mehr als 22 Prozent zulegen. Das auf Solarenergie spezialisierte Unternehmen profitiert von der wachsenden Nachfrage nach erneuerbaren Stromquellen und einer zunehmenden politischen Unterstützung für Solarprojekte.
Die BKW-Aktie entwickelte sich seit Jahresbeginn zwar insgesamt negativ, zeigt jedoch seit Ausbruch des Iran-Kriegs wieder einen positiven Trend. Das Unternehmen bleibt ein zentraler Akteur beim Ausbau und Betrieb kritischer Energieinfrastruktur in der Schweiz.
Die grossen Gewinner finden sich in der Infrastruktur
Noch stärker als die Stromproduzenten profitieren derzeit Unternehmen, die die technische Grundlage der Energiewende liefern.
Neben ABB gehört auch die R&S Group zu den grossen Profiteuren des Trends. Während ABB ein breites Spektrum an Produkten für die Elektrifizierung anbietet, fokussiert sich die R&S Group auf Transformatoren und andere Schlüsselkomponenten für Stromnetze. Beide Unternehmen profitieren unmittelbar von den hohen Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Energieinfrastruktur. Die Aktie von ABB gewann seit Jahresbeginn 47 Prozent, die der R&S Group sogar mehr als 57 Prozent.
Auch Belimo und SFS Group konnten deutlich zulegen. Beide Unternehmen profitieren von Investitionen in energieeffiziente Gebäude sowie von Infrastrukturprojekten im Zuge der Elektrifizierung.
Zu den Gewinnern zählt ebenfalls Burkhalter. Der Spezialist für Gebäudetechnik und Elektroinstallationen profitiert direkt von Investitionen in Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen und intelligente Gebäudesteuerungen.
Gurit überrascht als Spitzenreiter
Die stärkste Kursentwicklung seit Jahresbeginn verzeichnet Gurit mit einem Plus von über 232 Prozent. Das Unternehmen produziert Verbundwerkstoffe, die unter anderem in der Windenergieindustrie eingesetzt werden.
Zwar spielten auch unternehmensspezifische Faktoren eine wichtige Rolle – insbesondere die Verbesserung der operativen Margen infolge von Restrukturierungsmassnahmen. Dennoch unterstreicht die Kursentwicklung die zunehmende Bedeutung von Investitionen in Wind- und Solarenergie im aktuellen Marktumfeld.
Anleger setzen auf langfristige Trends
Die Kursreaktionen zeigen, dass Investoren den Nahostkonflikt als weiteren Beleg dafür sehen, dass Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit langfristig an Bedeutung gewinnen.
Davon profitieren nicht nur Produzenten erneuerbarer Energien, sondern Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Stromversorgern und Netzbetreibern über Ausrüster bis hin zu Spezialisten für Energieeffizienz.
Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht, dass die Energiewende längst nicht mehr ausschliesslich ein Klimathema ist. Sie wird zunehmend auch als wirtschaftliche und geopolitische Notwendigkeit betrachtet. Solange die Unsicherheit auf den globalen Energiemärkten anhält, dürfte dieser Trend den entsprechenden Unternehmen und ihren Aktienkursen weiteren Rückenwind verleihen.
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