Anlage-Experten sehen Ölpreisschock als überwunden an

Positiver Blick in die Zukunft

vor 6 Stunden

Beschreibung

Zürich (awp) - Auch wenn im Iran-Krieg noch keine belastbare Friedenslösung gefunden wurde, blicken die Anlage-Experten (CIOs) von Schweizer Finanzinstituten bereits wieder positiv in die Zukunft. Der Ölpreisschock scheint überwunden und im Portfolio bleiben Aktien gefragt.

So rechnet keiner der von Swisscanto befragten CIOs mehr mit einem erneuten Anstieg des Ölpreises über die Marke von 100 Dollar. Damit scheine der Iran-Krieg für die Experten bereits abgehakt, heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten CIO Survey. Eine deutliche Mehrheit von 72 Prozent geht davon aus, das sich der Ölpreis für die Sorte Brent Ende August zwischen 60 und 80 Dollar einpendeln wird.

Nur wenige erwarten Fed-Zinsschritt

Zu dieser Ölpreisentwicklung passe, dass nur wenige (22%) der befragten Anlage-Strategen bis Ende des Jahres mit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed rechnen - im Gegensatz zu den derzeit vom Finanzmarkt eingepreisten zwei Zinsschritten. "Die Inflationsgefahr infolge steigender Ölpreise wird von den Schweizer CIOs somit offenbar als weniger gravierend beurteilt", sagt Nicola Grass, Verantwortlicher der Swisscanto-Umfrage und Senior Portfolio Manager im Asset Management der Zürcher Kantonalbank.

Während die Experten von der SNB stabile Leitzinsen erwarten, dürften sowohl EZB und auch die BoJ nochmals an der Zinsschraube drehen. Damit sollte auch die Zinsdifferenz zulasten des Schweizer Franken zunehmen. Dennoch stufen 60 Prozent den Franken als attraktivste Währung ein.

Schwellenländer und USA bei Aktien Favorit

Mit Blick auf die regionale Verteilung von Aktien im Portfolio ziehen die Befragten die USA und Schwellenländer vor - in deren Indizes sind Technologietitel hoch gewichtet. Damit gingen die CIOs von einer Fortsetzung der KI-Rally aus, heisst es weiter. Gleichzeitig wären Enttäuschungen im Zusammenhang mit KI wohl auch der wahrscheinlichste Auslöser einer möglichen Aktienmarktkorrektur im zweiten Halbjahr.

Auffällig sei derweil der hohe Anteil neutraler Einschätzungen für Schweizer Aktien - das hohe Gewicht in defensiven Sektoren scheine weniger gefragt zu sein. Auch Europa werde weiter eher gemieden.

Gold vor Staatsanleihen

Trotz des jüngsten Kursrückgangs bleibt Gold sehr beliebt in den Portfolios. Fast 90 Prozent der Befragten erwarten keinen weiteren deutlichen Preisrückgang für das Edelmetall in der zweiten Jahreshälfte. Gleichzeitig liegen laut der Umfrage Schweizer Staatsanleihen weiter im Abseits - quasi niemand erwartet bei den heimischen Obligationen einen Renditeanstieg in den nächsten sechs Monaten.

Die Umfrage von Swisscanto unter Anlage-Experten erscheint halbjährlich. Sie wird vom Bereich Multi-Asset-Solutions des Asset Managements der Zürcher Kantonalbank erhoben. In der aktuellen Erhebung flossen die Antworten von 50 CIOs ein, die im Zeitraum vom 16. bis 23. Juni 2026 befragt wurden.

dm/hr