VZ Analyse
Aktualisierte Fassung – Am Wochenende hat ein massiver Militärangriff von Israel und den USA den Nahen Osten politisch erschüttert. Wie stark die Weltwirtschaft davon betroffen ist, hängt vom weiteren Verlauf des Konflikts ab.
Publiziert 2. März 2026
Beschreibung
Alle aktuellen Entwicklungen lesen Sie in unserem Börsenticker.
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Die Einschätzung von VZ-Anlagechef Christoph Sax zum aktuellen Geschehen im Nahen Osten und an den Märkten:
- Weitere Militärschläge sind wahrscheinlich, ein regionaler Krieg ist derzeit aber nicht absehbar: Trotz Schäden an zivilen Einrichtungen griffen die Nachbarstaaten nicht in den Konflikt ein. Auch Russland und China hielten sich zurück. Die iranische Antwort war begrenzt – ein Zeichen dafür, dass das Land militärisch geschwächt ist.
- Iran ist zunehmend isoliert: Die Nachbarstaaten kritisieren Teheran inzwischen scharf. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten in den letzten Jahren versucht, die Beziehungen zu Iran zu verbessern. Die aktuelle Krise dürfte diese Bemühungen zunichtemachen. Irans Verbündete wie die Hisbollah-Miliz in Libanon und die palästinensische Hamas sind stark geschwächt.
- Eine langfristige Blockade der Strasse von Hormuz gilt als unwahrscheinlich: Sie wäre wohl nur mit dem Einsatz von Seeminen durchsetzbar – und würde damit auch Irans eigene Öl-Exporte stoppen. Die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage im Land würde sich weiter verschlechtern. Zudem wären die USA und Saudi-Arabien kaum bereit, eine längere Sperre zu akzeptieren.
- Es droht keine Ölpreiskrise wie in den Siebziger-Jahren: Obwohl der Ölpreis auf 78 Dollar gestiegen ist, liegt er deutlich unter den Niveaus von 2022 und teilweise 2023. Selbst ein deutlich höherer Preis als heute – wie nach Russlands Angriff auf die Ukraine – hat die Weltwirtschaft nicht allzu stark geschädigt, weil die Öl-Abhängigkeit heute wesentlich geringer ist als in den Siebziger-Jahren. Ausserdem fördern die USA mehr Öl, was die Verteuerung von Öl begrenzen dürfte.
- Geopolitische Konflikte bewegen die Börsen meist nur kurz: In den vergangenen Jahren gab es diverse Krisen, ohne dass die Weltwirtschaft dauerhaft gelitten hätte. Stand heute spricht wenig dafür, dass die Unternehmensgewinne durch den aktuellen Konflikt stark beeinträchtigt werden.
- Beispiel Irak-Krieg 2003: Nach dem Einmarsch der US-Truppen im Irak fielen die Aktienkurse zunächst, erholten sich aber schon nach wenigen Tagen. In den folgenden Monaten und Jahren legten die Aktienmärkte stetig zu, weil die Weltwirtschaft unabhängig vom Konflikt kräftig wuchs.
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Seit dem Wochenende haben die USA und Israel einen neuen Krieg gegen den Iran gestartet. Derweil reagiert die Islamische Republik mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte. Im Rahmen dieser Angriffe ist auch Irans oberster Führer Ali Khamenei getötet worden.
Der Nahe Osten ist nicht nur aus politischer Sicht eine immer wieder fragile Region, sondern wegen ihrer grossen Ölreserven auch für die Weltwirtschaft von grosser Bedeutung. Viele Anlegerinnen und Anleger dürften sich deshalb fragen, was der neue Konflikt für ihre Geldanlagen bedeutet. Hier eine Übersicht:
Aktienmärkte
Die europäischen Börsen sind mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet und halten diese bislang stabil. Der Swiss Market Index verliert bis 10.30 Uhr rund 2 Prozent. Ähnlich viel büssen auch der Dax und der Euro Stoxx 50 ein. Auch in Asien ging es an den wichtigsten Börsen abwärts: Der japanische Nikkei verlor 1,4 Prozent, der südkoreanische Kospi 1 Prozent. In den USA deuten die Futures-Kurse ebenfalls auch eine deutlich tiefere Eröffnung hin. Der Dow Jones dürfte rund 1,2 Prozent verlieren und der technologielastige Nasdaq gar 1,5 Prozent.
Besonders im Fokus stehen heute die Aktien von Transportunternehmen, Logistikern, Ölproduzenten und Fluggesellschaften.
Die Titel von Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways) büssen zwischen 6 und 8 Prozent ein, die Billigflieger Easyjet und Ryanair hingegen nur rund 3,5 Prozent.
Seit dem Wochenende mussten zahlreiche Airlines Flüge einstellen. Wichtige Drehkreuze wie Dubai oder Doha wurden bis auf Weiteres ganz geschlossen. Zusätzlich müssen europäische Fluggesellschaften auf dem Weg nach Osten teilweise neue und längere Flugrouten einplanen, weil der Luftraum über der Golfregion zu einem grossen Teil gesperrt ist. In Asien gaben Aktien wie Singapore Airlines, Qantas und Eva Air zwischen 4 und 6 Prozent nach.
Gegen den Trend legen Kühne+Nagel fast 2 Prozent zu, wie auch der dänische Konkurrent DSV (+0,5 Prozent). Ebenfalls gefragt sind Aktien aus dem Ölsektor: BP legt knapp 3 Prozent zu, Shell und Totalenergies sogar 4 Prozent Bereits gestern stieg der saudiarabische Riese Aramco 3,4 Prozent.
Ölpreis
Die Notierungen für Rohöl sind am Wochenende nach oben geschnellt. Ein Fass der Nordseesorte Brent legte zwischenzeitlich über 15 Prozent auf rund 84 Dollar zu, am Montagmorgen gab der Ölpreis jedoch wieder auf 78 Dollar nach. Auch die US-Sorte WTI legte in einem vergleichbaren Umfang zu. Der Iran hat den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus eingeschränkt, so dass mehr als 200 Schiffe, darunter Öl- und Gastanker, am Sonntag vor der Meeresenge vor Anker lagen. Das Ölkartell Opec+ beschloss gestern eine geringfügige Anhebung der Fördermenge ab April um 206'000 Barrel pro Tag. Das entspricht weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage.
Die Strasse von Hormus ist elementar wichtig für den globalen Ölhandel. Sie ist die einzige Seeverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer und somit der Zugang der wichtigen Ölländer am Golf zum Welthandel. 2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Strasse von Hormus - fast 20 Prozent des weltweiten Konsums. Auch etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) verläuft durch die Meerenge, hauptsächlich aus Katar.
Wenn die Strasse von Hormus nicht mehr passierbar ist, können die Golfstaaten kein Öl mehr exportieren. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über alternative Exportrouten über Pipelines für maximal rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Katar, Kuwait, der Irak und auch der Iran selbst sind auf den Transport über die Golf-Häfen angewiesen. Sollte die Strasse von Hormus geschlossen werden, rechnen Marktanalysten damit, dass der Ölpreis auf 100 Dollar oder höher pro Fass steigt.
Franken
Der Franken bleibt weiterhin als sicherer Hafen gefragt. Der Euro gibt weiter nach und notierte zeitweise nur noch knapp über der 90-Rappen-Marke. Aktuell liegt der Wechselkurs bei 90.50 Rappen. Der Dollar bleibt weiterhin schwach und kostet weiterhin weniger als 77 Rappen. Gemäss Analysten hatte der Dollar früher in Zeiten von globalen Unsicherheiten tendenziell aufgewertet. Allerdings hat sich dies angesichts der politischen Unsicherheiten in den USA während Donald Trumps zweiter Amtszeit geändert.
Gold
Die Edelmetalle profitieren von der neuerlichen Krisensituation. Gold legt am Montagmorgen über 2 Prozent zu und notiert wieder auf 5400 Dollar. Damit nähert sich das Edelmetall allmählich wieder dem Rekordhoch von Ende Januar, das bei fast 5600 Dollar liegt. In den Wochen nach dem Höchststand war der Kurs zeitweise unter 4500 Dollar gefallen, bevor er sich in den vergangenen Wochen wieder kräftig erholte. Seit Anfang Jahr legte Gold über 20 Prozent zu, nachdem das Edelmetall bereits im vergangenen Jahr 65 Prozent Kursgewinne erzielen konnte.
Bitcoin
Einmal mehr zeigt sich Bitcoin nicht als zuverlässiger Krisenschutz. Zwar büsste die Kryptowährung kaum an Wert ein, konnte aber von der unsicherer gewordenen Lage auch nicht profitieren. Aktuell notiert Bitcoin bei rund 67'000 Dollar.
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