VZ Wandertipp

In der kleinen Bündner Sonnenstube

Die Bauwerke der Rhätischen Bahn gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe, und das Puschlav ist inoffizieller Weltmeister der naturnahen Landwirtschaft. Das kann man auf einer Wanderung hautnah erleben.

Zwischen dem Berninapass und dem Veltlin liegt das Puschlav, die kleine Schwester der Sonnenstube Tessin. Es hat alles, was das Wanderherz begehrt: Höhenwege auf beiden Talseiten, kühle Wälder, auf dem grünen Talgrund mediterrane Dörfer und das pittoreske Städtchen Poschiavo, und dazu ein kristallklarer See, in dem sich die 3000 Meter hohen Berge spiegeln. 

Hier hat Artenvielfalt einen hohen Wert 

Bei der Bahnstation Miralago direkt am See beginnt auch eine einfache Wanderung von etwa zweieinhalb Stunden. Die erste Etappe führt auf einem breiten Weg dem Seeufer entlang – ideal, um in der üppigen Naturund Berglandschaft dieses Tales anzukommen. Nach einem kurzen Aufstieg und einem Abschnitt im Wald erreicht man die Kulturlandschaften um Prada und Poschiavo. Lange Hecken, aus denen es trillert und zwitschert, und zahlreiche Obstbäume, in denen es summt und brummt, zeigen: Hier hat die Vielfalt an Lebensräumen und Arten einen hohen Stellenwert. Kein Wunder, denn seit über 20 Jahren verfolgt das Tal ein Ziel: 100 Prozent biologische Landwirtschaft. Während der Rest der Schweiz bei 18 Prozent Biofläche liegt, hat das Puschlav schon 97 Prozent erreicht. Das ist sogar weltweit ein Spitzenwert.

Der Erfolg bremst die Abwanderung Es geht aber nicht darum, eine Zahl zu maximieren. Eine pestizidfreie Landwirtschaft fördert die Artenvielfalt und hilft, Luft und Wasser sauber zu halten und unbelastete Lebensmittel hervorzubringen. Ein handfester Vorteil ist auch, dass die prosperierende Wirtschaft die Abwanderung bremst. Dem Projekt der Bauernverbände, des Gewerbeverbandes und des Tourismus ist es gelungen, dass sich heute 60 Betriebe das Label "100 Prozent Valposchiavo" auf die Fahne schreiben. 

Dazu zählen neben den Bauernbetrieben auch Hotels, Restaurants, Metzgereien, Bäckereien und andere Betriebe. So funktioniert lokale Kreislaufwirtschaft, von der alle profitieren und bei der die Wertschöpfung im Tal bleibt. 

Zum Ende der Wanderung schlendert man durch die schattigen Gassen von Poschiavo oder setzt sich gleich an einen Tisch eines Ristorante oder Bistros. Und geniesst ein Gericht aus dem Tal – vielleicht einen Teller Pizzoccheri oder ein anderes Gericht aus 100 Prozent einheimischen Zutaten. 

In einigen Läden kann man die Spezialitäten des Tales auch kaufen und so ein köstliches und biologisches Stück Valposchiavo mit nach Hause nehmen.

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