VZ Wandertipp

Im Land der weisen Vögel

Jetzt zieht es alle hinaus – in den Frühling, ins Grüne. Ein wunderbares und wenig bekanntes Ziel ist die Ajoie im Pruntruter Zipfel. In diesen Hügellandschaften lebt einer der seltensten Vögel der Schweiz.

Wer in die Ajoie reist, hat doppelt Glück. Denn erstens ist sie eine weite und kaum bekannte Naturregion der Schweiz. Und zweitens ist sie viel leichter erreichbar, als viele denken – mit dem Zug ist man ab Bern in gut anderthalb Stunden am Hauptort Pruntrut; ab Zürich dauert es eine halbe Stunde länger. Kurz: Der nächste Frühlingsbummel ist schon gesetzt. 

Darum lieben Vögel Blumen 

Unser Vorschlag ist eine etwa dreistündige Wanderung im Westen der Ajoie, und zwar vom kleinen Dorf Réclère via Fahy nach Chevenez. Mit nur 150 Metern Aufstieg auf der gesamten Strecke ist sie selbst mit bescheidener Spätwinter- Fitness gut zu machen. Im Frühling und Frühsommer leuchten schon kurz nach dem Start die schönsten Buntbrachen am Wegrand. Das sind Flächen, die Landwirte mit einheimischen Wildkräutern ansäen und mehrere Jahre lang stehen lassen. Solche Brachen sind Lebensraum für unzählige kleinere Tiere. Mit ihrem Blütenreichtum bieten sie Nahrung für Insekten, auf die wiederum viele Vögel als Nahrung angewiesen sind. Einer dieser Vögel ist der Steinkauz, eine etwa 22 cm kleine Eulenart. Sie galt im alten Griechenland als Vogel der Weisheit. Leider geht es dem Steinkauz bei uns sehr schlecht. Durch die Ausräumung der Landschaft und den Einsatz von Insektiziden ist er fast in der ganzen Schweiz ausgestorben. Heute gibt es nur noch ein paar kleine Regionen, in denen er überlebt. 2002 startete das "Collectif Chevêche" mit BirdLife Schweiz als federführendem Partner ein Projekt für den Steinkauz. Zusammen mit Landwirten wurden zahlreiche Buntbrachen angelegt, in denen die Vögel Nahrung finden. Im Weiteren wurden Nistkästen aufgehängt, etwa 6000 neue Obstbäume gepflanzt, 180 Kleinstrukturen wie Asthaufen angelegt und 13 Hecken gepflanzt. 

Der Steinkauz findet wieder Raum 

Wer mit offenen Augen unterwegs ist, wird auf der Wanderung viele dieser Aufwertungen sehen können, denn sie führt mitten durch das Projektgebiet. Heute kann man sagen: Das Projekt war ein Erfolg! Zwischen 2004 und 2025 ist die Zahl der vom Steinkauz besiedelten Gebiete von 16 schon auf 61 angewachsen. Von all diesen Bemühungen können natürlich auch andere Vogelarten profitieren, zum Beispiel die Dorngrasmücke, die Feldlerche, das Schwarzkehlchen und der Bluthänfling. Die Wanderung endet in Grandfontaine, von wo es mit dem Bus zurück zum Bahnhof von Pruntrut geht.

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