VZ Wandertipp
Grosser Tisch für hungrige Schnäbel
Eine Wanderung durch die Ufer- und Auengebiete am Neuenburgersee ist auch im Winter wunderbar entspannend und inspirierend. Zudem kann man hier zahlreiche Vogelarten entdecken.
Für viele Vogelbeobachter ist er schlicht die Nummer 1 der Schweiz: der Neuenburgersee. Von den etwa 390 Vogelarten, die man in unserem Land beobachten kann, werden mehr als 200 Arten regelmässig hier gesehen, und etwa 140 weitere sind seltene Gäste. Diese Fülle an Arten hat seine guten Gründe. Von Yverdon über das ganze mittellandseitige Ufer bis ans nordöstliche Ende in der Nähe von Neuchâtel zieht sich ein beinahe ununterbrochener Schilfstreifen. Er entstand, als der Spiegel des Neuenburgersees am Ende des 19. Jahrhunderts durch die Korrektion der Juragewässer um drei Meter sank. Im Schilfgürtel dieser Grande Cariçaie, wie man das Gebiet heute nennt, können sich Vögel verstecken und ihre Nester bauen. Zudem finden sie im seichten Wasser nebenan genügend Nahrung. Mit ihren etwa 30 Quadratkilometern ist die Grande Cariçaie das grösste Feuchtgebiet der Schweiz und wegen ihrer Bedeutung für Tiere und Pflanzen streng geschützt.
Unser Wandervorschlag startet beim BirdLife Naturschutzzentrum La Sauge, das bequem mit dem Bus erreichbar ist. In den Gebäuden gibt es diverse Ausstellungen, und entlang des Naturpfades stehen drei Beobachtungshütten. Hier hat man gute Chancen, einen Eisvogel zu beobachten. Das Naturzentrum ist von etwa Anfang März bis Mitte Oktober geöffnet.
Nahrung auch im Winter
Auch im Winter lohnt sich ein Besuch, denn die Wanderwege ausserhalb des Zentrums bleiben geöffnet. Eine schöne Route führt zuerst dem Canal de la Broye entlang bis zum Aussichtsturm im Reservat Fanel. Dieses Reservat ist ein Pionier unter den Feuchtgebieten der Schweiz: Es wurde 1976 als erstes Gebiet im Rahmen des internationalen Ramsar- Abkommens ausgeschieden. Nach der Rückkehr nach La Sauge geht es auf der linken Seite des Canal de la Broye zu einem weiteren Aussichtsturm und dann im Übergangsgebiet von Wald zu Schilf südwestlich weiter bis zur Postauto-Haltestelle in Cudrefin.
Der Neuenburgersee ist nach dem Boden- und dem Genfersee der drittwichtigste See für überwinternde Vögel in der Schweiz – 15 Prozent der Wasservögel verbringen die kalte Jahreszeit hier. Dazu gehören zahlreiche Gänse- und Entenarten, aber auch seltenere wie der Gänsesäger oder die Rohrammer. Im Januar leben durchschnittlich etwa 50’000 Vögel am Neuenburgersee. Mit der Klimaerwärmung nimmt die Zahl jedoch ab, da mehr Vögel inzwischen an eisfreien Seen weiter nördlich überwintern können.