Hypotheken

"Eigenmietwert gehört in die Mottenkiste"

Markus Meier leitet den Hauseigentümerverband HEV Schweiz, einen der grössten Schweizer Verbände. Im Gespräch erklärt er, wo den rund 340'000 Mitgliedern der Schuh am meisten drückt.

Herr Meier, als HEV-Direktor fühlen Sie den Puls der Wohneigentümer. Was beschäftigt die Mitglieder, deren Interessen Sie vertreten?

Am meisten Sorgen bereiten Energiefragen und der Eigenmietwert. Beim ersten Thema geht es vielen Eigentümern zu schnell, und beim zweiten bewegt sich zu wenig.

Was ist falsch daran, Eigenheime energieeffizienter zu machen?

Gar nichts. Man muss aber genug Zeit haben, um das zu finanzieren und umzusetzen. Es geht um Planungsund Investitionssicherheit. Bei vielen älteren Häusern genügt es nicht, den Öl-Heizkessel durch eine Wärmepumpe zu ersetzen. Oft braucht es zusätzlich eine neue Heizungsverteilung, etwa mit einer Bodenheizung, sowie eine Isolation der Gebäudehülle. Das kostet schnell einmal 150'000 Franken und mehr. Solche Summen können die wenigsten ohne Weiteres stemmen. Besonders problematisch wird es, wenn man die Hypothek im Pensionierungsalter aufstocken müsste. Viele erfüllen dann die Tragbarkeitskriterien der Banken nicht mehr, weil ihre Renten tiefer sind als ihr Erwerbseinkommen.

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Auch der Eigenmietwert ist Ihnen ein Dorn im Auge. Warum verzögert sich die Abschaffung?

Der Eigenmietwert gehört in die Mottenkiste! Die Abschaffung wird schon lange diskutiert, und die zuständige Kommission des Ständerats hat sich längst dafür ausgesprochen. Sie verzögert aber seit Längerem die Gesetzesvorlage, die dann im Parlament beraten werden muss. Hier sollte Bundesbern Gas geben.

Warum kann es Ihnen nicht schnell genug gehen?

Artikel 108 der Bundesverfassung besagt, dass der Bund den Erwerb von Wohneigentum fördern soll. In der Praxis passiert das Gegenteil: Mit der Besteuerung des Eigenmietwerts bezahlen Eigentümer eine Strafsteuer auf ein Einkommen, das sie gar nie sehen. 

Dieser fiktive Ertrag erhöht nicht nur ihr steuerbares Einkommen, sondern auch den Steuersatz für das ganze Einkommen. Sie bezahlen also mehrfach: beim Kauf und während der gesamten Nutzung des Eigenheims – und zwar selbst dann noch, wenn sie pensioniert sind und das Einkommen wegfällt.

Der Eigenmietwert soll Eigentümer und Mieter gleichstellen, weil man die Mieten bei den Steuern nicht abziehen kann.

Eigentümern fällt das Eigenheim auch nicht in den Schoss, und die Erwerbskosten können sie nicht von den Steuern abziehen. Das heutige System schafft Anreize für höhere Schulden und deren Erhalt. Die Rückzahlung der Hypothek ist unattraktiv. Bei der Verschuldung der privaten Haushalte belegt die Schweiz mit einem Hypothekarvolumen von 1200 Milliarden Franken international einen Spitzenplatz. Sollten die Immobilienpreise einmal einbrechen, ist das eine Gefahr für unsere Volkswirtschaft.

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Zur Person

Markus Meier wurde in Liestal (BL) geboren. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Bevor er Direktor des HEV Schweiz wurde, war er Präsident des HEV Baselland und stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer Baselland.