VZ Analyse
Der Ölpreis ist seit Beginn des Iran-Kriegs massiv gestiegen. Doch die Frage, ob die USA von einem hohen oder tiefen Preis profitieren, ist weniger eindeutig, als es auf den ersten Blick scheint.
Publiziert 17. März 2026
Beschreibung
Die Vereinigten Staaten sind heute einer der weltweit grössten Produzenten des schwarzen Goldes. Gegenüber anderen Ölländern ist aber auch die eigene Industrie stark vom Rohstoff abhängig und damit an einem tiefen Preis interessiert. Entsprechend wirken Preisbewegungen zweischneidig auf Wirtschaft, Staatshaushalt und Geldpolitik.
Präsident Trump sorgte am Donnerstag für Schlagzeilen, als er den Satz ‘When oil prices go up, we make a lot of money’ verlauten liess. Unmittelbar zuvor stieg der erneut über 100 Dollar das Fass (Sorte WTI und Brent).
Während die Welt sich in Sicherheit wog, die USA würden schnell für stabile Märkte sorgen und den Ölhandel durch die Strasse von Hormus in ihrem eigenen Interesse sicherstellen, war diese Aussage für viele internationale Partner wie ein Schlag ins Gesicht.
Doch wovon hat die USA nun mehr: einem hohen oder tiefen Ölpreis?
Was aus der Sicht der USA für einen hohen Ölpreis spricht:
Positive Effekte auf die Handelsbilanz: Die USA sind heute Nettoexporteur von Erdölprodukten. Im dritten Quartal 2025 exportierten die USA 85,5 Milliarden Dollar an Energieprodukten (exklusive nukleare Brennstoffe) und importierten 54,6 Milliarden Dollar derselben Kategorie. Ein höherer Ölpreis erhöht den Wert dieser Exporte.
Sollten wichtige Anbieter aus dem Nahen Osten ausfallen, können die USA zudem einen Teil der Lücke durch eigene Produktion und höhere Exporte kompensieren. Ein höherer Preis macht diese Rolle wirtschaftlich attraktiver.
Allerdings dürfte das Handelsdefizit der USA, das im dritten Quartal 2025 bei 226,4 Milliarden Dollar lag, damit nicht annähernd geschlossen werden können.
Zur Einordnung: Ein Ölpreisanstieg von 65 auf 100 US Dollar hätte auf Basis der Werte aus dem dritten Quartal 2025 den Nettoeffekt der Energieprodukte um etwa 16,6 Milliarden Dollar verbessert. Das entspricht nur rund 7 Prozent des damaligen Handelsdefizits und würde dessen Höhe nur leicht reduzieren.
Moderater Inflationsdruck hilft beim Schuldenabbau: Die USA verfügen über eine Staatsschuld von rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Inflation hilft, diese Quote zu reduzieren, sofern das reale Wirtschaftswachstum darunter nicht gleichermassen leidet.
Aktuell gehen Ökonomen davon aus, dass bei einem dauerhaften Ölpreis von rund 100 Dollar pro Fass die Inflation in den USA wieder auf rund 3 Prozent hieven könnte. Ein akzeptables Niveau, das die Wirtschaftsleistung nur geringfügig hemmt und gleichzeitig den relativen Schuldenstand reduziert.
Was gegen einen hohen Ölpreis spricht
Inflation und Zinsen: Hohe Energiepreise verteuern die Staatsfinanzierung. Obwohl das Fed primär auf die Kerninflation schaut, können stark steigende Energiepreise die Gesamtinflation sichtbar erhöhen. Bleiben die Zinsen länger hoch, steigen die Refinanzierungskosten des Staates weiter und das Haushaltsloch wächst.
Seit Kriegsbeginn stiegen die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen von 4 auf 4,28 Prozent an. Zu Jahresbeginn erwarteten Ökonomen noch zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Jetzt ist es nur noch eine, und diese wird wohl nicht diesen Mittwoch kommen.
Politische Kosten: Inflation bleibt wählerrelevant. Hohe Benzinpreise gelten in den USA als politisch besonders sensibel. Kurz vor den Midterms möchten Regierungen traditionell keine verärgerten Wählerinnen und Wähler an der Zapfsäule sehen. Historisch ist die Zustimmung zum Präsidenten eng mit den Spritpreisen verknüpft. Sollte die US-Regierung tatsächlich an einem hohen Ölpreis interessiert sein, müsste sie Einfluss auf die heimischen Benzinkosten nehmen.
Keine nennenswerten fiskalischen Vorteile: Die US-Regierung profitiert kaum von höheren Benzinpreisen, da die Benzinsteuer in den USA nicht prozentual, sondern als fixer Cent Betrag pro Gallone erhoben wird. Höhere Preise führen also nicht zu höheren Steuereinnahmen, sondern verringern vor allem die Kaufkraft der Bevölkerung.
Belastung für das reale Wirtschaftswachstum: Langfristig wirken hohe Energiepreise wie eine Steuer auf Konsumenten und Unternehmen. Sie bremsen das reale BIP Wachstum, drücken auf die Kaufkraft und dämpfen Investitionen ausserhalb des Energiesektors.
Fazit
Die USA bevorzugen eher einen tieferen Ölpreis. Unter dem Strich überwiegen für die USA die Vorteile eines tieferen Ölpreises. Zwar profitiert der Energiesektor von hohen Preisen, und die Handelsbilanz verbessert sich leicht. Doch die negativen Effekte – Inflation, politische Kosten, höhere Staatsfinanzierung und schwächeres reales Wachstum – dürften immernoch stärker ins Gewicht. Anleger können also weiter hoffen, dass auch die USA an einer raschen Konfliktlösung interessiert sind.
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