Wie viel Potenzial hat der Nasdaq 100 noch?

Analysen
Analysen

VZ Chartanalyse

Nach einer schnellen V-förmigen Erholung notiert der Nasdaq 100 wieder auf Allzeithoch. Die Dynamik ist beeindruckend – wirft aber die Frage auf, wie weit die Bewegung noch tragen kann.

Publiziert 20. Apr 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

In einem Zeitraum von nur etwas mehr als sechs Wochen hat der Tech-Index Nasdaq 100 eine fulminante Strecke von rund 3300 Punkten hin und zurück hingelegt. Ausgehend von rund 26'000 Punkten direkt vor dem Iran-Krieg entsprach das einem Einbruch von knapp 13 Prozent. Im Chart zeigt sich dieses Muster als klassische V-Korrektur. Ein eigentlicher Rendite-Todesstoss für Anleger, die versuchen, den Markt zu timen.

Denn genau in dem Moment, in dem viele in Panik verkaufen, setzt bereits die überraschend schnelle Erholung ein. Kurz darauf steht der Index wieder auf Allzeithoch – und Anleger sehen sich mit der altbekannten Frage konfrontiert: Jetzt noch einsteigen oder auf den nächsten Rücksetzer warten?

Hier zeigt sich eine typische psychologische Falle: Im Rückblick scheint es offensichtlich, dass man investiert hätte bleiben sollen – oder die tieferen Kurse sogar zum Aufstocken genutzt hätte. In der Realität fühlt sich die Situation im Moment jedoch ganz anders an.

Doch auch heute lohnt sich der Blick nach vorne mehr als der zurück. Für langfristige Anleger rückt die Frage nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt in den Hintergrund – entscheidend ist vielmehr, überhaupt investiert zu sein. (Hier geht es zum VZ-Artikel: "Der beste Moment zum Geldanlegen ist immer genau jetzt").

Was lehrt die Vergangenheit?

Neben diesen verhaltensbezogenen Aspekten liefert auch der Blick auf den Chartverlauf zusätzliche Hinweise. Als Referenz dient hier der ETF QQQ, der die Entwicklung des Nasdaq 100 abbildet und damit die grössten US-Technologiewerte bündelt. 

Eine derart rasche Erholung wie im vergangenen Jahr nach dem sogenannten «Liberation‑Day»-Zollschock von US‑Präsident Trump oder nun im Zusammenhang mit dem Iran‑Krieg ist nicht in jeder Marktphase zu beobachten. Dies zeigt sich etwa an der deutlich länger anhaltenden Korrektur in 2022.

Ein Muster liess sich jedoch in allen drei Phasen erkennen: Nachdem der Kurs das Niveau vor der jeweiligen Korrektur wieder erreicht hatte, setzte sich die Erholung häufig fort und lief in Richtung des Fibonacci‑Extension‑Levels von 161,8 Prozent – einem charttechnischen Hilfsmittel, das auf Basis früherer Kursbewegungen mögliche Anschlussziele abschätzt.  

Ein weiteres technisches Signal ist der 40-Wochen-Durchschnitt, der eine Annäherung zum bekannten 200-Tage-Durchschnitt darstellt. Wird dieser nach einer Korrektur zurückerobert, fungiert er in der Folge oft über längere Zeit als Unterstützung und wird bei Rücksetzern regelmässig getestet. 

Aus diesen Beobachtungen lassen sich mögliche Orientierungsmarken ableiten: Auf der Oberseite rückt die Zone um 686 Punkte als nächstes potenzielles Ziel in den Fokus. Auf der Unterseite dient der aktuell ansteigende 40-Wochen-Durchschnitt im Bereich von rund 600 Punkten als wichtige Unterstützungszone. 

Einordnung: Für wen ist Charttechnik relevant? 

Charttechnische Analysen richten sich vor allem an Anlegerinnen und Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder an jene, die ihre Entscheidungen durch zusätzliche Marktsignale ergänzen möchten. Sie können helfen, das kurzfristige Marktverhalten besser einzuordnen, ersetzen jedoch keine fundierte, langfristige Anlagestrategie. Für langfristig orientierte Anleger treten solche Schwankungen häufig in den Hintergrund: Historisch haben sich breit diversifizierte Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Rückschläge über die Zeit positiv entwickelt. 

Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.