VZ Analyse
Viermal jährlich versucht der Markt, die SNB-Zinsentscheide durch marktabgeleitete Erwartungen zu entschlüsseln. Doch wie treffsicher sind diese Signale wirklich?
Publiziert 30. Apr 2026
Beschreibung
Viermal pro Jahr entscheidet die Schweizerische Nationalbank (SNB) über den geldpolitischen Kurs. Der nächste Leitzinsentscheid steht am 18. Juni auf dem Programm.
Die Leitzinsentscheide beeinflussen Hypothekarzinsen, Anleihen, den Franken und letztlich auch die Bewertungen an den Aktienmärkten. Entsprechend steigt im Vorfeld die Spannung unter Anlegern: Bleibt der Zinssatz unverändert oder folgt der nächste Schritt nach unten?
Viele Marktteilnehmer verlassen sich dabei sowohl auf eigene Einschätzungen als auch auf sogenannte Markterwartungen, um abzuschätzen, wie der nächste Zinsentscheid der SNB ausfallen könnte.
Wie der Markt Zinsschritte misst
Die Grundlage vieler Zinsprognosen bilden Overnight Index Swaps (OIS). Aus diesen Zinsderivaten lässt sich die vom Markt erwartete zukünftige Entwicklung des SNB-Leitzinses ableiten.
Es handelt sich dabei um implizite Markterwartungen, die aus aktuellen Preisen abgeleitet werden und vielen Ökonomen als Referenz für ihre eigenen Prognosen dienen.
Für Anleger stellt sich jedoch eine entscheidende Frage: Wie verlässlich sind diese marktbasierten Prognosen überhaupt und über welchen Zeithorizont liefern sie belastbare Aussagen?
Kurzfristig treffsicher …
Das VZ hat die Daten ausgewertet: In unmittelbarer Nähe zu einem SNB-Termin liefern OIS-basierte Erwartungen zum Leitzins oft ein sehr gutes Bild davon, was die Nationalbank beschliessen wird. Je näher der Entscheid rückt, desto stärker verdichten sich die verfügbaren Informationen, und desto geringer wird der Spielraum für Überraschungen.
Beispielsweise erwarteten die Märkte Ende März 2023, dass der SNB-Leitzins am 20. Juni 2024 bei 1,25 Prozent liegen wird. Am 21. März und am 20. Juni senkte die SNB wie von den Märkten erwartet den Leitzins auf 1,25 Prozent.
… langfristig jedoch wenig stabil
Ganz anders präsentiert sich das längerfristige Bild. Prognosen für den Leitzins mit einem Horizont von einem Jahr können deutlich von den späteren SNB-Entscheiden abweichen.
So erwarteten die Märkte am 30. Juni 2024, dass der SNB-Leitzins am 19. Juni 2025 bei 0,865 Prozent liegen würde. Tatsächlich senkte die SNB den Leitzins an diesem Tag auf 0 Prozent.
Fazit
Marktbasierte Zinserwartungen liefern wertvolle Hinweise darauf, wie Anleger den nächsten Schritt der SNB einschätzen. Gerade kurz vor einem geldpolitischen Entscheid erweisen sich aus OIS abgeleitete Prognosen oft als erstaunlich treffsicher. Für taktische Einschätzungen rund um den nächsten Zinstermin sind sie deshalb ein nützliches Instrument.
Mit zunehmendem Zeithorizont nimmt ihre Aussagekraft jedoch deutlich ab. Erwartungen für ein Jahr oder länger reagieren sensibel auf neue Informationen und können sich rasch und stark verändern. Für Anleger bedeutet das: Markterwartungen eignen sich als Momentaufnahme, nicht aber als verlässlicher Fahrplan für die langfristige Zinsentwicklung.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.