VZ Analyse
Collateralized Loan Obligations (CLO) gelten als diversifizierte Anlageform mit attraktiven Renditechancen. Aktuelle Entwicklungen wie der Konkurs von First Brands werfen jedoch Fragen zur Stabilität auf.
Publiziert 12. Nov. 2025
Beschreibung
Gerade in Stressphasen verlieren Diversifikation und Tranchierung ihre Schutzwirkung - mit potenziellen Folgen für Investoren. CLO sind strukturierte Finanzprodukte, die Unternehmenskredite bündeln und in handelbare Wertpapiere umwandeln.
Diese Kredite stammen typischerweise von Firmen mit niedriger Bonität, die hohe Zinsen zahlen. Dabei ist das erste Verkaufsargument von CLO-Anbietern: Diversifikation schützt. Denn wer sein Kapital über Hunderte von Krediten streut, ist weniger anfällig für einzelne Ausfälle.
Das zweite Verkaufsargument für CLO ist, dass die einzelnen Tranchen den Investor schützen. Denn die CLO bündeln die Unternehmenskredite und strukturieren sie in verschiedene Senioritätsstufen, sogenannte Tranchen. Höherrangige Tranchen gelten als sicherer, weil diese zuerst bedient werden und Verluste zuletzt tragen. Die tieferen Tranchen, wie beispielsweise die Equity-Tranche, absorbieren mögliche Verluste zuerst.
Aus dieser Tranchierung von Unternehmenskrediten mit einem Kreditrating unter Investment Grade, können höher AAA-CLO-Anleihen geschaffen werden. Ein Blick auf die Verteilung des ausstehenden CLO-Volumens nach Rating zeigt, dass der Grossteil der CLO-Tranchen weiterhin in den oberen Ratingkategorien angesiedelt ist. Der grösste Anteil entfällt auf Tranchen mit einem AAA-Rating, was die nach wie vor hohe Bedeutung dieser als besonders sicher geltenden Papiere unterstreicht.
Seit diesem Jahr ist auch ein CLO-ETF für Privatanleger verfügbar. Das Produkt wurde Anfang Juli von der UBS lanciert und verfügt derzeit über ein Fondsvolumen von knapp 70 Mio. Euro.
Konkurs von First Brands betrifft auch CLO-Markt
Doch der Konkurs des US-Autozulieferers First Brands Ende September 2025 hat auch den CLO-Markt betroffen. Das Unternehmen hatte über zehn Milliarden Dollar an Fremdkapital aufgenommen und seine tatsächliche Verschuldung gegenüber Gläubigern verschleiert. Mindestens 2,6 Milliarden Dollar dieser Kredite stecken in über 1000 CLO-Vehikeln. Die Rating-Agentur Fitch betont jedoch, dass der durchschnittliche Anteil von First-Brands Krediten in CLO bei lediglich 0,5 Prozent liege.
Im dritten Quartal hat S&P Global Ratings deutlich mehr CLO-Tranchen herabgestuft als heraufgestuft. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmenden Herausforderungen, mit denen viele Unternehmen - und damit auch die zugrunde liegenden Kreditportfolios von CLO -konfrontiert sind. Ein wesentlicher Treiber war die Einführung von Handelszöllen, die insbesondere exportorientierte Unternehmen belasteten. Diese zusätzlichen Kosten führten zu Margendruck und verschlechterten die Bonität vieler Emittenten, was sich direkt auf die Bewertung der CLO-Strukturen auswirkte.
Parallelen zur Finanzkrise
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass das Prinzip der Diversifikation und die Tranchierung nicht immer vor Risiken schützt. Bereits vor der globalen Finanzkrise 2007/08 wurde mit den beiden gleichen Verkaufsargumenten für sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDO) geworben. Diese Finanzprodukte bündelten damals keine Unternehmenskredite, sondern Hypotheken. Auch bei CDO wurden die Risiken in Tranchen aufgeteilt, und auch hier erhielten die obersten Tranchen ein AAA-Rating.
Das vermeintlich sichere CDO-Konstrukt brach zusammen, als die Immobilienblase platzte und eine grosse Zahl von Hypotheken gleichzeitig ausfiel. Die Diversifikation und die Tranchierung, auf die sich Investoren verlassen hatten, erwies sich als trügerisch.
In der Theorie funktioniert Diversifikation und Tranchierung nur dann als Risikopuffer, wenn die zugrunde liegenden Unternehmenskredite oder Hypotheken unabhängig voneinander ausfallen. Doch genau diese Unabhängigkeit kann in Krisenzeiten verloren gehen. Historische Erfahrungen – etwa während der Finanzkrise – zeigen, dass in Stressphasen die Korrelation zwischen Ausfällen stark ansteigt.
Unternehmen, die zuvor als voneinander unabhängig galten, geraten gleichzeitig unter Druck, weil sie ähnlichen makroökonomischen Risiken ausgesetzt sind: Steigende Zinsen, sinkende Nachfrage oder Liquiditätsengpässe.
In solchen Krisenzeiten verliert die Diversifikation ihre Schutzwirkung - genau dann, wenn Anleger sie am dringendsten bräuchten. Das Risiko, das vermeintlich gestreut wurde, konzentriert sich plötzlich wieder. Die Folge: Auch die als sicher geltenden Tranchen können unter Druck geraten. Ob CLO tatsächlich die versprochene Stabilität bieten, wird sich erst in der nächsten echten Stressphase zeigen.
Fakt ist: Der CLO-Markt ist heute grösser als der CDO-Markt vor der Finanzkrise. Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein und die vermeintliche Sicherheit von AAA-Ratings nicht unkritisch hinnehmen.
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