VZ Analyse
Die Sorge ist gross, dass ETF-Anleger durch mögliche Börsengänge und Indexaufnahmen von SpaceX, OpenAI und Co. benachteiligt werden könnten. Tatsächlich dürfte eher das Gegenteil der Fall sein.
Publiziert 18. Jun 2026
Beschreibung
Manche Investoren befürchten Nachteile für ETF-Anleger, sollten die hochbewerteten Wachstumsunternehmen SpaceX, OpenAI oder Anthropic nach ihren geplanten Mega-IPO in die grossen Aktienindizes aufgenommen werden. Diese Diskussion beschäftigt derzeit die Marktteilnehmer. Was viele jedoch nicht wissen: ETF-Anleger sind bereits seit Jahren indirekt an diesen Unternehmen beteiligt – und profitieren von deren steigenden Bewertungen, sofern die Börsengänge erfolgreich verlaufen.
Indirekte Beteiligungen
In den vergangenen Jahren haben grosse Technologiekonzerne umfangreich in diese IPO-Kandidaten investiert. Ein Beispiel ist Alphabet, das bereits 2015 rund 1 Milliarde Dollar in SpaceX investierte. Die Beteiligung hat heute einen Marktwert von etwa 140 Milliarden Dollar – ein erheblicher Wertzuwachs. Davon profitieren nicht nur Alphabet-Aktionäre, sondern auch ETF-Investoren.
Indexaufnahme nach Börsengang
Bei Mega-Börsengängen gelangt in der Regel nur ein kleiner Teil des Unternehmens an die Börse. Dieser sogenannte Streubesitz bestimmt die Gewichtung im Index und ist damit entscheidend für ETF-Investoren. Gerade bei grossen Unternehmen bleibt der frei handelbare Anteil oft begrenzt: Bei SpaceX beträgt er nach dem Börsengang 4,3 Prozent. Auch bei Anthropic und OpenAI schätzen Analysten, dass deutlich weniger als 10 Prozent den Weg an die Börse finden wird.
Indirekte Beteiligungen grösser als direkte
Aufgrund dieses geringen Streubesitzes sind ETF-Investoren über ihre indirekten Beteiligungen häufig stärker engagiert als über die direkte Indexaufnahme. So liegt der indirekte Anteil an SpaceX über Alphabets Beteiligung mit 6,1 Prozent deutlich über dem aktuellen Streubesitz von 4,3 Prozent. ETF-Anleger partizipieren somit bereits seit der frühen Investition im Jahr 2015 – als SpaceX noch mit rund 5 Milliarden Dollar bewertet wurde. Heute wird der Wert des Unternehmens mit rund 2,5 Billionen Dollar beziffert.
Ein ähnlicher Fall ist die Beteiligung von Microsoft an OpenAI von rund 27 Prozent. An die Börse dürfte gemäss Schätzungen nur ein Anteil von rund 5 Prozent kommen. Damit wären ETF-Investoren rund 5-mal mehr via Microsoft-Aktien exponiert als direkt. Die Beteiligung von Microsoft dürfte sich ebenfalls gelohnt haben. Bis zur letzten Finanzierungsrunde könnte sich die Zuschreibung auf rund 200 Milliarden belaufen. Es ist aber noch unklar, ob sie diese auch effektiv als Gewinn ausweisen werden. Aufgrund ihrer strategisch signifikanten Beteiligung ist es möglich, dass sie die Beteiligung in der Bilanz konsolidieren könnten – somit würde keine Zuschreibung erfolgen, sondern sie würden dann den zukünftigen Unternehmensgewinn von OpenAI anteilig als den eigenen ausweisen.
Auch Amazon hält eine bedeutende Beteiligung an Anthropic, die auf rund 20 Prozent geschätzt wird. Sollte das Unternehmen bei einem IPO eine Bewertung im Billionenbereich erreichen, wäre entsprechend erhebliches Aufwertungspotenzial vorhanden – von dem auch ETF-Anleger indirekt profitieren.
ETF-Anleger zählen zu Investoren der ersten Stunde
Grundsätzlich gilt: Je früher die Beteiligung erfolgte, desto grösser ist in der Regel der erzielte Wertzuwachs. Bei kürzlich getätigten Engagements – etwa Microsofts Investitionen in Anthropic – hängt der Erfolg hingegen stärker davon ab, ob beim IPO eine höhere Bewertung erzielt wird als in der Finanzierungsrunde.
Beteiligungen tragen zum Gewinnwachstum bei
Auf Ebene des MSCI World könnten die indirekten Beteiligungen an den drei genannten Unternehmen einen merklichen Beitrag zum Gewinnwachstum leisten. Aufkumuliert könnten bei MSCI World-Unternehmen Zuschreibungen von über 500 Milliarden Dollar entstehen – vorausgesetzt, alle drei Unternehmen erreichen Bewertungen im Billionen-Dollar-Bereich. Demgegenüber stünde bei einer Indexaufnahme lediglich eine Streubesitz von optimistischen 300 Milliarden Dollar.
ETF-Anleger sind bereits heute indirekt an SpaceX, OpenAI und Anthropic beteiligt – und profitieren damit von deren Wertentwicklung. Die indirekten Beteiligungen über etablierte Tech-Konzerne spielen dabei eine grössere Rolle als die Indexaufnahme. Entsprechend sind die Auswirkungen der Mega-IPO für ETF-Investoren eher positiv als nachteilig.