VZ Analyse
Das Fed hatte am Mittwoch den Leitzins erneut gesenkt – vor allem zur Stützung des Arbeitsmarkts. Einige Investoren nutzen dies zu Gewinnmitnahmen.
31. Okt 2025
Beschreibung
Gemeinhin hat die US-Notenbank (Fed) am Mittwochabend so gehandelt, wie es weitgehend von Ökonomen erwartet wurde. Der Leitzins wurde wie bei der letzten Sitzung im September um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Damit liegt nun die Zielspanne für die sogenannten Fed Funds Rate bei 3,75 bis 4 Prozent. Das war in diesem Ausmass von Ökonomen und Investoren erwartet worden
Da das Fed ein Doppelmandat verfolgt, muss sie bei ihren geldpolitischen Entscheidungen stets zwischen zwei Zielen abwägen: Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Beim jüngsten Zinsentscheid dominierte die wachsende Sorge über die zunehmende Arbeitslosenrate. Diese stieg im August auf 4,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2021.
Gleichzeitig liegt die Inflation mit 3 Prozent weiterhin über dem Zielwert des Fed, das bei 2 Prozent liegt. Zuletzt nahm die Teuerung jedoch nur noch moderat zu. Besonders die Kerninflation, welche schwankungsanfällige Preise für Nahrungsmittel und Energie ausklammert, sank von 3,1 auf 3 Prozent. Damit gewann die Fed etwas Spielraum, um sich verstärkt auf das Mandat der Vollbeschäftigung zu konzentrieren und die Konjunktur zu stützen.
Was aus Anlegersicht jedoch viel wichtiger ist: Die Projektion des Fed für mögliche weitere Zinssenkungen. Fed-Chef Jerome Powell überraschte mit der Aussage, dass ein weiter Schritt im Dezember nicht ausgemacht sei. Das hat einerseits damit zu tun, dass aufgrund des Regierungsstillstands relevante Daten zur Beurteilung der Geldpolitik fehlten. Andererseits spricht dagegen, dass das Fed selbst die Wachstumsprognosen angehoben hat. In diesem Jahr soll die US-Wirtschaft 1,6 Prozent zulegen – das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im Juni. Als Folge der gedämpften Zinshoffnungen sprangen die Renditen zehnjährigen US-Staatsanleihen wieder auf über 4 Prozent. Letzte Woche hatten die Renditen noch ein 1-Jahres Tief erreicht. Auch der US-Dollar reagierte auf die Aussagen und legte leicht zu.
An den Finanzmärkten wurde die Zinssenkung weitgehend erwartet und das Ende der Bilanzreduktion zunächst positiv aufgenommen. Allerdings setzten kurz nach dem Entscheid erste Gewinnmitnahmen ein. Auch am Donnerstag zeigt die Richtung an den US-Börsen abwärts.
Immerhin kündigte die US-Notenbank an, per 1. Dezember das Quantitative Tightening zu beenden. Damit wird den Märkten keine weitere Liquidität mehr entzogen. Mit den langjährigen Massnahmen zur Bilanzverkürzung hatte das Fed die übermässige Liquidität abschöpfen wollen, die sie während der Corona-Pandemie zugeführt hatte. Dies funktionierte so, dass sie fällige Wertpapiere in ihrem Besitz nicht mehr neu anlegte. So gelang es dem Fed, die Bilanzsumme seit 2022 von 8,9 Billionen Dollar auf 6,6 Billionen Dollar zu verringern.
Historisch gesehen zogen US-Aktienmärkte nach dem Ende von Quantitative-Tightening-Phasen stets an - zuletzt war dies zwischen 2019 und dem Anfang der Pandemie zu beobachten.