Was der Super Bowl über die Aktienmärkte aussagt

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VZ Analyse

Am Sonntag steigt der Super Bowl. Der Megaevent hat nicht nur sportlich und politisch einen hohen Stellenwert, sondern vermeintlich auch für die Aktienbörsen.

Publiziert 6. Febr. 2026

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Am Sonntag findet der Super Bowl statt. Das Finale der National Football League (NFL) ist eines der grössten Sportereignisse der Welt. In den USA kommt der Tag einem nationalen Feiertag gleich, und auch international wächst das Interesse von Jahr zu Jahr. Neben dem Spiel ziehen die Halbzeitshow und die Werbespots aufgrund des Staraufgebots Millionen Menschen an.

Der Super Bowl ist auch ein wirtschaftliches Grossereignis. Ein Werbespot von dreissig Sekunden kostet in diesem Jahr rund acht Millionen Dollar – ein Preis, den Unternehmen wie Pepsi, Kellogg’s oder Dunkin Donuts bereitwillig zahlen, um ihre Marken auf der grössten Bühne des amerikanischen Entertainments zu platzieren. Ob sich diese Investition tatsächlich auf den Geschäftserfolg auswirkt, bleibt jedoch offen. Für Börsenbeobachter rückt oft eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wer gewinnt das Spiel?

Gewinner als Indikator für den S&P 500

Seit Jahrzehnten gibt es den sogenannten Super-Bowl-Indikator. Die Theorie besagt, dass der Ausgang des Finales Hinweise auf die Entwicklung des US-Aktienmarkts liefert. Gewinnt das Team aus der American Football Conference (AFC), soll das Börsenjahr positiv verlaufen. Siegt das Team aus der National Football Conference (NFC), soll ein schwaches Jahr folgen.

Die NFL ist in zwei Konferenzen mit je sechzehn Teams aufgeteilt. Die Sieger dieser Gruppen treffen im Super Bowl aufeinander. Aus dieser Struktur entstand die Idee, den Gewinner als Börsensignal zu deuten. Doch wie verlässlich ist dieses Muster?

Hohe Korrelation, aber keine Kausalität

Der Sportjournalist Leonard Koppett stellte 1978 fest, dass der Indikator bis dahin immer richtig gelegen hatte. Bis Ende 2025 traf er in 42 von 58 Jahren zu. Das entspricht rund 72 Prozent. Auf den ersten Blick wirkt diese Zahl überzeugend. Bei genauerem Hinsehen verliert sie jedoch an Bedeutung.

Zwischen dem Gewinner des Super Bowls und der Entwicklung des Aktienmarkts besteht lediglich eine Korrelation. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für einen Zusammenhang. Der Sieg eines Football-Teams beeinflusst weder Unternehmensgewinne noch Zinspolitik oder Konjunktur. Das Beispiel zeigt, wie leicht Zahlen täuschen können, wenn man Korrelation mit Ursache und Wirkung verwechselt. Gerade an den Finanzmärkten sind solche Fehlschlüsse gefährlich.

Eine schöne Geschichte, mehr nicht

Der Super-Bowl-Indikator ist deshalb vor allem eines: eine gute Geschichte. Er verbindet Sport und Börse auf unterhaltsame Weise. Mehr als eine Anekdote ist er jedoch nicht. Ähnliche Scheinzusammenhänge gibt es viele, etwa zwischen landwirtschaftlichen Daten und Aktienkursen. So korreliert auch die Butterproduktion in Bangladesch mit der Entwicklung des S&P 500. Solche Korrelationen sehen spannend aus, liefern aber keinen Nutzen für Anleger.

In den letzten zehn Jahren sank die Trefferquote des Super-Bowl-Indikators zudem auf etwa 40 Prozent – ein Wert im Bereich des Zufalls. Das unterstreicht, wie gering die Aussagekraft das Modells ist.

Das Fazit ist klar. Der Super Bowl bleibt ein grosses sportliches Ereignis. Zuschauer können das Spiel als Sportereignis erleben – und nicht als vermeintlichen Hinweis auf ihre Investitionen. Ob die New England Patriots (AFC) oder die Seattle Seahawks (NFC) gewinnen, sagt nichts über die Zukunft der Börse aus.

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