VZ Analyse
Schweizer Zinsen sind seit einigen Monaten wieder tief. Viele Anlegerinnen und Anleger überlegen deshalb, ob sich heimische Obligationen überhaupt noch lohnen oder ob die wahren Chancen im Ausland liegen.
Publiziert 11. Febr. 2026
Beschreibung
Bei der Auswahl von Anleihen schauen viele Anleger primär auf die Verfallrendite. Diese zeigt an, welche durchschnittliche Rendite man pro Jahr erwarten darf, sofern alle Zinszahlungen des Schuldners planmässig erfolgen und die Anleihe bis zum Verfall gehalten wird.
Auf den ersten Blick scheint es deshalb reizvoll, eine Obligation mit der höchsten Verfallsrendite auszuwählen. Aktuell rentieren 10-jährige Eidgenossen mit 0,27 Prozent. Da erscheinen US-amerikanische oder europäische Anleihen deutlich verlockender: 10-jährige US-Treasuries bieten eine Verzinsung von 4,23 Prozent, 10-jährige deutsche Bundesanleihen liegen bei 2,86 Prozent pro Jahr.
Allerdings hat die Verfallrendite zwei wesentliche Einschränkungen:
- Lokale Währung: Die angegebene Verfallrendite bezieht sich auf die Währung des Emittenten. Bei US-Treasuries also auf den US-Dollar, bei Euro-Anleihen ist es der Euro. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger zählt jedoch letztlich die Rendite in Franken. Wechselkursbewegungen können die scheinbar hohe Rendite deshalb deutlich schmälern, wenn sie in Franken umgerechnet wird.
- Realisierte Rendite: Die Verfallrendite gilt nur unter der Annahme, dass die Anleihe bis zum Verfall gehalten wird und sämtliche Couponzahlungen planmässig erfolgen. Wer die Anleihe früher verkauft, erzielt eine Rendite, die von der Verfallrendite abweichen kann.
Der unterschätzte Einfluss der Wechselkurse
Ein Blick zurück zeigt, wie trügerisch die Verfallrendite als Entscheidungsgrundlage sein kann: Bereits per Ende 2022 wiesen ausländische Obligationen deutlich höhere Verfallrenditen auf. Auf den ersten Blick sprach somit einiges dafür, dass Investitionen im Ausland die attraktivere Rendite versprechen.
Die tatsächliche Entwicklung bis heute zeichnet jedoch ein anderes Bild: Schweizer Staatsobligationen erzielten seit Anfang 2023 eine Rendite von 15,4 Prozent. Euro-Anleihen brachten zwar 9,2 Prozent in Euro, in Franken reduzierte sich diese Rendite auf 1,7 Prozent. Denn in diesem Zeitraum büsste der Euro gegenüber dem Franken 6,9 Prozent ein. Noch schlechter sieht das Bild bei US-Obligationen aus. Diese erzielten im Betrachtungszeitraum eine negative Rendite von -7,8 Prozent. Das ist darauf zurückzuführen, dass der Dollar über 17 Prozent gegenüber dem Franken einbüsste.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Verfallrendite allein kein verlässlicher Indikator für die tatsächliche Ertragskraft einer Obligation in Franken ist. Wechselkurseffekte beeinflussen die realisierten Renditen erheblich. Anlegerinnen und Anleger sollten daher nicht nur auf die Verfallrendite achten, sondern auch Währungsrisiken berücksichtigen.
Bedeutet eine hohe Verfallrendite auch höhere Erträge?
Trotz dieser Einschränkungen ist die Verfallrendite keineswegs eine ungeeignete Kennzahl. Im Gegenteil: Für Anleihen in Franken hat sie sich historisch als verlässliche Orientierung für das zukünftige Ertragspotenzial erwiesen.
Ein Blick auf den Swiss Bond Index (SBI) zeigt einen klaren Zusammenhang: Höhere Ausgangsrenditen gingen in der Vergangenheit meist mit höheren nachfolgenden Erträgen einher. Lag die Verfallrendite auf einem erhöhten Niveau, fielen auch die realisierten Renditen über die folgenden Jahre tendenziell stärker aus. Umgekehrt waren die Erträge in Phasen sehr tiefer oder negativer Renditen deutlich begrenzter.
Was bedeutet dies für Anlagen in Obligationen?
Für Anleger aus der Schweiz bedeutet dies zweierlei: Erstens ist weniger die absolute Höhe der Verfallrendite entscheidend, sondern vielmehr die Währung, in der sie erzielt wird. Wechselkurseffekte können die realisierten Renditen in Franken erheblich beeinflussen. Zwar kann das Währungsrisiko abgesichert werden, doch die Absicherungskosten schmälern häufig den Renditevorteil ausländischer Anleihen.
Zweitens bietet die Verfallrendite von Franken-Anleihen eine solide und vergleichsweise stabile Grundlage für die Renditeerwartung. Die Kennzahl taugt somit als Kompass – vor allem dort, wo keine Währungsrisiken die Richtung verzerren.
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