Warum Investoren gerne mit ETF in Schweizer Mid-Caps investieren

VZ Analyse

Eine Analyse zeigt, dass der passive Anteil bei Mid-Caps teilweise deutlich höher ist als bei Large-Caps. Können aktive Anleger daraus Kapital schlagen?

Publiziert vor 2 Stunden

Autor

Florian Estermann

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

In den vergangenen Jahren hat die Bedeutung passiver Anlagestrategien in der Schweiz deutlich zugenommen. Kostensensitive Anleger sorgen für Zuflüsse bei ETF und haben so den Anteil passiver Anteilseigner bei Schweizer Titeln stetig erhöht. Eine Auswertung der passiven Vermögenswerte entlang der wichtigsten Schweizer Indizes – SMI/SPI20, SLI, SMIM und SPI – zeigt nun ein klares Muster: Der passive Anteil bei Mid-Caps ist teilweise deutlich höher als bei Large-Caps.

Dieses Ergebnis überrascht auf den ersten Blick, denn grosse Titel wie Nestlé, Roche oder Novartis dominieren die Schweiz in Sachen Marktkapitalisierung. Dennoch fällt der passive Investorenanteil bei ihnen – trotz Milliarden an indexierten Geldern – tiefer aus als im breiten Markt.


Passive Anleger treiben die Nachfrage nach Nebenwerten

Während zwar Large-Caps aufgrund ihrer Grösse absolut betrachtet mehr passive Gelder bei Schweizer Investoren anziehen, zeigt die relative Betrachtung – also passiv investierte Gelder in Schweizer Indizes im Verhältnis zur Marktkapitalisierung – ein anderes Bild:

•    Viele grosse Positionen im Mid-Cap Bereich wie Sandoz, Schindler und Julius Bär weisen einen passiven Investorenanteil von über 7 Prozent aus. Sie profitieren am meisten von passiven Geldern auf den SPI Extra oder SMIM.  
•    Bei Small-Caps liegen die passiven Quoten vereinzelt im Bereich von 5 – 6 Prozent, im Schnitt jedoch eher bei rund 3 Prozent. Ein Grund ist hier wohl die tiefe Liquidität des Small-Cap Segments.
•    Die grössten Schweizer Titel wie Nestlé (5%), Roche (5%) oder Novartis (4,7%) haben dagegen einen passiven Anteil, der eher im Bereich von 4,5–5,0 Prozent liegt.


 

Warum Schweizer Anleger bevorzugt passiv in Mid-Caps investieren

Mid-Cap-ETF und Indexfonds sind ein einfacher Zugang zu weniger bekannten Titeln. Aufgrund der geringeren Bekanntheit und der Vielzahl an Einzeltiteln liegt es für Anleger auf der Hand, dieses Segment passiv abzubilden. Denn aus der Renditesicht sollte dieses im Depot nicht fehlen. Kleinere Unternehmen haben häufig grössere Wachstumschancen.  Aber auch besonders grosse Vermögensverwalter bevorzugen die passive Abbildung in diesem Segment mittels Indexfonds. Ein Grund dafür ist die geringe Liquidität vieler Small-Caps, die durch die breite Streuung der Indexfonds erhöht wird. 

Ebenfalls spielt die Schweizer Marktzusammensetzung den Nebenwerten in die Karten. Während der SMI stark von einigen Schwergewichten dominiert wird, sind Indizes wie der SPI Extra oder SMIM breiter aufgestellt. 
 

Was bedeutet das für Anleger?

Schweizer Anleger investieren überdurchschnittlich häufig in Mid-Caps - und das passiv. Im Bereich der Small-Cap ist aktuell kein ETF verfügbar. Es liegt der Schluss nahe, dass dies mit der tiefen Liquidität in diesem Segment zusammenhängt. Dies ist wohl mit ein Grund, weshalb Mid-Caps deutlich mehr passive Mittel aufweisen als Small-Caps. Von Mittelflüssen in Mid-Cap Produkten profitieren insbesondere diejenigen Titel, die in diesen Indizes hoch gewichtet sind. Ein grosser Anteil an passiven Mittel kann aber auch den Nachteil haben, dass diese Titel ähnlichen Renditeschwankungen ausgesetzt sind. Vergleicht man den Anteil an passiven Anteilseignern in der Schweiz mit dem Ausland, so fällt dieser vergleichsweise tief aus. Damit aktives Management von den Mittelflüssen im passiven Bereich profitieren kann oder damit sich die aktive Titelauswahl lohnt, müsste der Anteil passiver Anleger deutlich höher liegen. Passive Investoren müssen sich also nicht fürchten, dass sie deshalb von aktiven Anlegern ausgenutzt werden könnten. 

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