VZ Analyse
Alphabet hatte vermeintlich den Sprung auf den KI-Boom-Zug verpasst und galt lange als Verlierer im neuen KI-Zeitalter. In den letzten Monaten hat sich dieses Bild nicht nur beim Börsenkurs komplett gedreht. Dafür gibt es klare Gründe.
Publiziert 2. Dez. 2025
Beschreibung
Als vor drei Jahren der grosse KI-Boom begann, stellte OpenAI die erste öffentliche Version von ChatGPT vor und prägte damit den Markt. Kurz danach zog Alphabet nach und brachte Bard heraus. Die Erwartungen waren hoch, doch Bard enttäuschte. Legendär ist die Pressekonferenz, in der das Modell verwirrende oder gar falsche Antworten lieferte und der Aktienkurs von Alphabet live um bis zu 8 Prozent fiel. Viele waren der Meinung, der Konzern habe den Anschluss verloren. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch mehr als gewendet – Alphabet wird als der aufstrebende Leader gehandelt.
Von Bard bis Gemini 3
Der Weg von Bard zu Gemini war nicht einfach. Alphabet drängte damals auf Kosten der Qualität überhastet auf den Markt. Ein Jahr später verschwand der Name Bard. Gemini trat an seine Stelle und leitete einen strategischen Neustart ein. Alphabet setzte stärker auf Qualität und band Gemini schrittweise und konsequent in seine weltweit genutzten Dienste ein.
Parallel dazu verbesserte der Konzern das Modell laufend. Mitte November erschien Gemini 3, die bisher stärkste Version. In den ersten Tagen überzeugte sie viele Nutzer. Bei komplexen, mehrstufigen Aufgaben übertraf das Modell sogar die neuste Version von ChatGPT. Der Rückstand war damit nicht nur aufgeholt, sondern wirkte vergessen. Ein zusätzlicher Vorteil: Gemini steckt bereits in vielen bekannten Google-Anwendungen. Selbst die klassische Suche erhielt einen KI-Modus und wurde damit aufgewertet.
Ein grosser Teil am Kuchen
Für noch grösseres Aufsehen sorgt aktuell eine Nachricht aus dem Hardware (Chip)-Bereich, der Alphabet nicht nur als möglichen Leader bei den Modellen sondern sogar bei der Hardware positioniert. Meta soll Milliarden in Googles eigene Chips investieren, die sogenannten TPU. Diese Prozessoren sind speziell für KI-Rechenoperationen entwickelt und arbeiten bei diesen schneller und effizienter als GPU. Diese gelten bisher als Standard und sind aufgrund von parallel ausgeführten Rechenaufgaben im Vorteil gegenüber klassischen CPU, die Aufgaben nacheinander lösen. Nvidia, der führende GPU-Anbieter, bekam dies sofort an der Börse zu spüren. Die Alphabet-Aktie stieg, Nvidia gab nach. Ein Zeichen, dass TPU künftig eine echte Alternative darstellen. Gleichzeitig kann Alphabet dadurch seine Abhängigkeit für den Ausbau der Rechenkapazitäten von Nvidia verringern.
Durch eigene Chips, eigene Modelle, Cloudangebote und Produkte für Endnutzer deckt Alphabet inzwischen die gesamte KI-Wertschöpfungskette ab. Das verschafft dem Unternehmen einen Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten. Auch die Sorgen um sinkende Werbeeinnahmen aufgrund der Konkurrenz durch ChatGPT und Co. bestätigten sich bisher nicht: Im dritten Quartal stiegen sie im Jahresvergleich um knapp 13 Prozent.
Der schwierige Start ist heute nur noch eine Randnotiz. Alphabet hat den Wendepunkt geschafft und zählt zu den führenden Unternehmen des KI-Booms. Der Konzern verdient bereits viel Geld mit seinen KI-Anwendungen – ein Vorteil, den nur wenige Wettbewerber vorweisen können. Zusammen mit Gewinnrücklagen von knapp 300 Milliarden Dollar eine gute Basis für weitere Investitionen. Ein zusätzliches Signal kam von der Investorenlegende Warren Buffett. Kurz vor seinem Rücktritt gab Berkshire Hathaway bekannt, rund fünf Milliarden Dollar in Alphabet investiert zu haben. Ein deutlicher Vertrauensbeweis in die Stärke von Alphabet.
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