VZ Analyse
Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Apple haben ihre jüngsten Zahlen vorgelegt – mit überraschend unterschiedlichen Signalen zu Wachstum, Kosten und Investitionsdruck im KI‑Geschäft.
Publiziert 4. Mai 2026
Beschreibung
Während die US‑Märkte von Rekordhoch zu Rekordhoch springen, haben die grössten Technologiekonzerne ihre Quartalszahlen in einem dennoch angespannten Umfeld vorgelegt. Der Konflikt zwischen den USA und Iran und die daraus resultierenden volatilen Ölpreise bilden den Hintergrund dieser Berichtssaison. Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Apple präsentierten Quartalszahlen, die auf dem Papier solide ausfielen, an den Börsen jedoch sehr unterschiedlich aufgenommen wurden. Der Fokus der Investoren liegt weniger auf dem reinen Umsatzwachstum als auf der Frage, wie schnell und verlässlich sich die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) in Erträge übersetzen lassen.
Der Moment der Wahrheit für Big Tech
Alphabet ist der klare Gewinner der Berichtsrunde. Das Cloud‑Geschäft wuchs mit 63 Prozent so stark wie nie zuvor, operative Gewinne legten zu und auch das Kerngeschäft rund um Suche und Werbung zeigte sich robust. Entscheidend für den Markt war weniger die weitere Erhöhung der Investitionsausgaben als der Nachweis, dass Nachfrage, Skalierung und Profitabilität zusammenlaufen. Alphabet konnte zeigen, wo sich KI‑Ausgaben bereits konkret im Ergebnis niederschlagen. Wenig überraschend fiel die Reaktion an der Börse positiv aus: Die Titel von Alphabet avancierten rund zehn Prozent.
Microsoft meldete kräftiges Wachstum bei Azure und eine weiter steigende Nutzung von Copilot. Der annualisierte KI‑Umsatz erreichte rund 37 Milliarden Dollar. Gleichzeitig machte das Unternehmen deutlich, dass höhere Investitionen in Rechenzentren, Speicher und Infrastruktur auf die Margen drücken. Sinkende Bruttomargen im Cloud‑Geschäft zeigten, wie kostenintensiv der Ausbau bleibt, selbst bei starkem Umsatzwachstum. Entsprechend büssten die Aktien knapp vier Prozent ein.
Amazon überzeugte mit einer merklichen Beschleunigung bei Amazon Web Services, wachsender Werbesparte und soliden operativen Gewinnen. Gleichzeitig schrumpfte der freie Cashflow fast vollständig auf Null. Hohe Investitionen in KI‑Infrastruktur, eigene Chips und zusätzliche Projekte wie das Satellitennetz Leo absorbieren einen Grossteil der Mittel. Die Nachfrage ist hoch, doch der finanzielle Ertrag verschiebt sich immer weiter nach hinten, ein Punkt, der Investoren zunehmend beschäftigt. Der Aktienkurs bewegte sich am Tag nach der Publikation leicht positiv.
Meta lieferte solides Wachstum im Werbegeschäft und hielt hohe operative Margen. Der Fokus der Investoren lag jedoch auf der Anhebung der Investitionspläne. Ohne eigenes Cloud‑Geschäft fällt es Meta schwerer, KI‑Ausgaben direkt zu monetarisieren, während die Verluste im Reality‑Labs‑Bereich fortbestehen. Das verstärkte Zweifel an der Geschwindigkeit, mit der neue Geschäftsfelder Erträge liefern können. Die Sorgen spiegelten sich an der Börse wieder: über acht Prozent brachen die Anteilsscheine von Meta ein.
Apple präsentierte robustes Umsatzwachstum, steigende Margen und eine starke Entwicklung der Services‑Sparte, trotz Lieferengpässen und steigender Speicherkosten. Das Unternehmen verfolgt eine zurückhaltendere KI‑Strategie, setzt auf Partnerschaften wie mit Google für Siri‑Funktionen und vermeidet den massiven Aufbau kostenintensiver eigener Cloud‑Infrastruktur. Der anstehende Führungswechsel (Zur VZ-Analyse) – John Ternus ersetzt Tim Cook – rückte vor allem die langfristige Ausrichtung in den Fokus. Der Aktienkurs von Apple reagiert nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen positiv.
Ein Markt im Übergang
Was diese Berichtssaison zeigt: Die grossen Tech-Konzerne investieren inzwischen rund 700 Milliarden Dollar pro Jahr in KI und Infrastruktur, und diese Summen werden zunehmend kritisch hinterfragt: mit Blick auf Kapazitäten, steigende Energie- und Hardwarekosten und vor allem darauf, ob Kunden tatsächlich zahlen. Cloud-Wachstum ist dabei der wichtigste Massstab, weil sich hier am schnellsten zeigt, ob KI Umsatz bringt. Unternehmen müssen zunehmend erklären, wie sich ihre Investitionen auszahlen. Entscheidend ist heute nicht mehr, ob investiert wird, sondern wie lange Kosten und Erträge auseinanderlaufen dürfen, bevor der Markt neu bewertet.
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