UHR, RACE oder EAT: Das sind die originellsten Aktien-Ticker

VZ Analyse

Wer mit Aktien handelt, kennt die meist kryptischen Buchstabenkombinationen für Aktien. Einige unterhaltsame Beispiele zeigen, dass es auch anders gehen würde.

Publiziert vor 4 Stunden

Autor

Pascal Meisser

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Wer an die Börse denkt, hat oft unverständliche Buchstabenkombinationen vor Augen – wie zum Beispiel SREN für Swiss Re oder KNIN für Kühne+Nagel. Dabei nutzen viele Unternehmen diesen Ticker als Marketing-Instrument. Ein Paradebeispiel für diese Verbindung aus Kreativität, Wortwitz und strategischem Kalkül findet sich direkt in der Schweiz: die Swatch Group.

UHR als perfektes Beispiel

An der Schweizer Börse wird die Inhaberaktie der Swatch Group unter dem Ticker UHR gehandelt. Treffender könnte ein Kürzel wohl kaum sein. Während andere Unternehmen mühsam versuchen, ihren sperrigen Namen in drei (z.B. ROG für Roche) oder vier Buchstaben (z.B. SCMN für Swisscom) zu pressen, nutzt Swatch Group die Möglichkeit, um sofort klarzustellen, worum es bei seinem Geschäft geht.

Ein solches Kürzel ist sinnbildlich: Jeder Anleger, der das Symbol UHR eingibt, wird wahrscheinlich an das Produkt erinnert, welches das Unternehmen verkauft. Das Symbol für Swatch Group ist kurz, prägnant und zumindest im deutschsprachigen Raum unmissverständlich. Swatch Group zeigt damit, dass ein Ticker weit mehr sein kann als bloss eine technische Notwendigkeit.

Aber auch andere Unternehmen nutzen solche Marketing-Massnahmen. Hier eine Auswahl von auffälligen Tickersymbolen:  

Lifestyle & Adrenalin

  • RACE (Ferrari): Wohl das ultimative Beispiel für Branding. Ferrari dürfte damit ausdrücken wollen, dass es nicht primär Autos, sondern Geschwindigkeit und Exklusivität verkauft.
  • P911 (Porsche): Auch der deutsche Sportwagenhersteller setzt auf einen ikonischen Ticker: P steht für Porsche, 911 für sein bekanntestes Modell.
  • FUN (Six Flag): Der US-amerikanische Freizeitparkbetreiber nutzt das Wort "Spass" als Programm.
  • PLAY (Dave & Buster’s): Diese Kette verfügt über Restaurants mit integrierten Video-Game-Spielhallen und Bowlingbahnen. Ein Teil davon wird auch im Ticker reflektiert.
  • HOG (Harley-Davidson): Der Spitzname "HOG" (Schwein) entstand in den 1920ern durch ein Rennteam, das ein kleines Schwein als Maskottchen auf dem Motorrad mitführte. Später wurde der Begriff offiziell als Abkürzung für die H.O.G. (Harley Owners Group) übernommen und wurde zur offiziellen Börsenidentität.
  • LUV (Southwest Airlines): Die Airline hat ihren Sitz am Love Field in Dallas und nutzt "Love" seit Jahrzehnten als zentrales Marketingthema. Ihre Flugbegleiter verteilten früher "Love Bites"-Erdnüsse.

Kulinarik

  • CAKE (The Cheesecake Factory): Das US-amerikanische Gastrounternehmen zeigt bereits im Tickernamen, auf welches Produkt es sich spezialisiert hat.
  • EAT (Brinker International): Der Mutterkonzern der US-Restaurantkette Chili’s macht klar, worin sein Geschäftsmodell besteht.
  • WINE (Naked Wines): Der britische Online-Weinhändler macht ebenfalls in seinem Tickersymbol klar, welche Art von Getränken er verkauft.
  • BUD (Anheuser-Busch InBev): In den USA ist Budweiser das "Bud". Damit fokussiert sich der Ticker auf eines der bekanntesten Marken der weltgrössten Brauereigruppe.

Die Themen-Fokussierten

Besonders bei ETF wird massiv auf sprechende Namen gesetzt, um das Thema sofort zu besetzen.

  • NATO (HanETF Future of Defense ETF): Dieser ETF lässt keinen Zweifel offen, in welche Unternehmen er investiert.  
  • MOO (VanEck Agribusiness ETF): Wer das Wort auf Englisch ausspricht, hört das Geräusch einer Kuh – passend für den Agrarsektor.
  • HACK (Cybersecurity ETF): Ein Ticker, der die Bedrohung benennt, gegen die das Portfolio schützen soll.
  • YOLO (AdvisorShares Pure Cannabis ETF): "You Only Live Once" – ein Kürzel, das auf die oft junge, risikofreudige Zielgruppe von Cannabis-Aktien zugeschnitten ist.
  • BOOM (DMC Global): Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit Sprengstofftechnologien für die Öl- und Gasindustrie.

Die Psychologie hinter dem Marketing-Ticker

Warum investieren Unternehmen Zeit und Energie in die Wahl ihres Börsenkürzels? In einer Welt, in der täglich Millionen oder gar Milliarden von Aktien gehandelt werden, ist Aufmerksamkeit eine harte Währung. Experten sprechen hierbei vom sogenannten Ticker Symbol Effekt.

1.    Merkfähigkeit (Recall): Ein Ticker wie RACE  bleibt sofort im Gedächtnis. Ein Investor, der sich für Sportwagen interessiert, muss nicht lange nach dem Kürzel suchen – er assoziiert das Wort sofort mit der Marke.
2.    Emotionale Bindung: Studien zeigen, dass Aktien mit leicht auszusprechenden oder positiv besetzten Kürzeln (wie LUV für Southwest Airlines) kurzfristig oft eine höhere Liquidität aufweisen, da sie besonders bei Privatanlegern Vertrauen und Sympathie wecken.
3.    Suchmaschinen-Optimierung der Finanzwelt: In Terminal-Systemen wie Bloomberg oder Reuters fliessen Nachrichtenströme zusammen. Ein einprägsames Kürzel sorgt dafür, dass das Unternehmen in der Flut der Informationen schneller gefiltert werden kann.
4.    Storytelling: Ein Ticker wie DNA für das Biotech-Unternehmen Ginkgo Bioworks erklärt das Geschäftsmodell in drei Buchstaben. Es spart dem Unternehmen Marketingbudget, weil der Name selbst die Geschichte erzählt.

Das Kürzel als eine Art Visitenkarte

Ob UHR in der Schweiz oder RACE in Italien – Tickersymbole sind letztlich bloss ein Teil des Aktienmarketings der Unternehmen. Jene, die darauf setzen, gehen davon aus, dass sie mit eingängigen Tickernamen eine Brücke zwischen den eher abstrakten Finanzzahlen und der emotionalen Welt der Markenführung schlagen können. 

Letztlich haben sie aber keinen spürbaren Einfluss auf die Renditezahlen. Während etwa UHR aktuell über 70 Prozent unter seinem Allzeithoch notiert, schaffen es vor allem einzelne thematische ETF, positive Renditen zu erzielen – zumindest kurzfristig.

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