VZ Analyse
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) ist eine echte Erfolgsgeschichte. Als weltweit führender Hersteller moderner Computerchips konnte das Unternehmen in den letzten zehn Jahren seinen Börsenwert verzehnfachen.
24. Sep 2025
Beschreibung
Trotz des beeindruckenden Wachstums steht der Chipgigant vor geopolitischen und ESG-Herausforderungen – also Themen rund um Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Die zentrale Frage lautet: Kann TSMC seinen Erfolg langfristig sichern?
Der Erfolg von TSMC
TSMC produziert keine eigenen Chips, sondern fertigt sie im Auftrag grosser Tech-Konzerne. Unternehmen wie Nvidia, AMD, Broadcom und Apple entwickeln ihre Chips selbst, lassen sie aber von TSMC herstellen. Das Geschäftsmodell hat sich bewährt – insbesondere durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz, von dem Nvidia stark profitiert. TSMC konnte dadurch seinen Umsatz im bisherigen Jahresverlauf um beeindruckende 37,1 Prozent steigern.
Die grössten Konkurrenten sind Samsung und Intel. Beide sind kleiner, weniger profitabel und technologisch nicht auf dem gleichen Stand wie TSMC. Das zeigt sich auch an der Aktienkurs-Entwicklung seit 2020 (vgl. Grafik). Während TSMC seinen Wert mehr als verdreifacht hat, hinken Samsung und vor allem Intel meilenweit hinterher. Das liegt unter anderem daran, dass die Taiwanesen als führender Auftragsfertiger für High-End-Chips von Apple, AMD und Nvidia von der wachsenden Chipnachfrage profitierte und technologische Führerschaft besitzt.
Samsung entwickelte sich deutlich schwankender: Als diversifizierter Konzern mit Speicherchips, Smartphones und Foundry-Geschäft hängt der Kurs stark von zyklischen Märkten wie DRAM/NAND ab. Intel hingegen blieb hinterher, da Fertigungsverzögerungen, starker Wettbewerb durch AMD und Nvidia sowie hohe Investitionen in neue Fabriken das Wachstum bremsten. Zudem hat das Unternehmen Marktanteile verloren. Zwar ist die US-Regierung inzwischen als Investor eingestiegen, und auch Nvidia kooperiert mit Intel – doch ob diese Partnerschaften langfristig fruchten, bleibt abzuwarten.
Die Chipproduktion ist extrem kapital- und wissensintensiv. Neue Wettbewerber haben es daher schwer, in diesen Markt einzusteigen.
TSMC hat seinen Hauptsitz in Taiwan und produziert dort den Grossteil seiner Chips. Die Insel steht im geopolitischen Spannungsfeld zwischen den Supermächten USA und China. Zwar betreibt TSMC auch Werke in China, Japan und den USA, zusätzlich ist eine neue Fabrik in Deutschland im Bau – doch die modernsten Chips entstehen bislang ausschliesslich in Taiwan.
Die taiwanesische Regierung möchte das auch so beibehalten. Gleichzeitig verfolgt Präsident Trump das Ziel, mehr Chipproduktion in die USA zu verlagern – unter anderem durch Zölle. Diese könnten TSMC wirtschaftlich treffen. Hinzu kommen Exportbeschränkungen für Hochleistungschips, die ebenfalls eine Herausforderung darstellen. Bisher hat TSMC solche politischen Hürden jedoch bemerkenswert gut gemeistert.
Risiken und Chancen in der Umwelt und Gesellschaft
TSMC überzeugt mit einer starken Unternehmenskultur, die auf kontinuierliche Verbesserung setzt. Selbst kleinste Effizienzgewinne haben bei einem Unternehmen dieser Grösse starke Auswirkungen. Viele Mitarbeitende in Taiwan sind stolz, Teil von TSMC zu sein. Die Ingenieure kommen nach Erdbeben freiwillig ins Büro, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist.
Doch die geografische Konzentration birgt Risiken: Taiwan ist erdbebengefährdet. Zwar sind die Fabriken erdbebensicher gebaut und Notfallprotokolle vorhanden, aber Produktionsunterbrechungen lassen sich nicht immer vermeiden. Ein weiteres Thema ist der hohe Wasserverbrauch bei der Chipproduktion. TSMC investiert deshalb in Wasseraufbereitung und Entsalzungsanlagen, um die Versorgung zu sichern. Zudem braucht das Unternehmen hochqualifiziertes Personal. In Taiwan und Japan bestehen enge Partnerschaften mit Universitäten zur Ausbildung und Rekrutierung. Bei der internationalen Expansion könnte der Fachkräftemangel jedoch zur Herausforderung werden.
Fazit: Erfolg mit Fragezeichen
TSMC ist sowohl wirtschaftlich als auch im Bereich ESG stark aufgestellt. Die globale Expansion hilft, geopolitische Risiken zu streuen. Dennoch bleibt die Abhängigkeit von Taiwan ein Unsicherheitsfaktor. Und nicht zuletzt hängt der weitere Erfolg stark vom Fortgang des KI-Booms ab – einem Trend, der TSMC aktuell Rückenwind verleiht.