Trendwende bei Novo Nordisk?

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VZ Analyse

Der Börsenwert des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk hat sich seit Jahresbeginn deutlich verringert – zeitweise sogar halbiert. Auch die ESG-Bewertung wurde herabgestuft. Droht dem einstigen Börsenliebling ein längerer Abwärtstrend?

10. Okt 2025

Beschreibung

Novo Nordisk ist auf Medikamente gegen Diabetes und Fettleibigkeit spezialisiert. Als bekannt wurde, dass der Wirkstoff GLP-1 nicht nur gegen Diabetes, sondern auch gegen Adipositas wirkt, stieg der Marktwert rasant. 2024 war das Unternehmen kurzzeitig Europas wertvollster Konzern. Inzwischen hat sich der Börsenwert mehr als halbiert – anders als beim US-Konkurrenten Eli Lilly, der seinen Wert halten konnte. 

Einseitige Produktpalette und harter Wettbewerb 

Novo Nordisk setzt stark auf das GLP-1-Medikament Wegovy. Doch Studien zeigen: Die Wirkung ist schwächer als beim Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly. Auch die klinischen Resultate des Nachfolgepräparats CagriSema enttäuschten. Allerdings kämpft auch Eli Lilly mit durchwachsenen Studienergebnissen bei neuen Abnehmpillen. 

Ein weiteres Problem: Die Produktionskapazitäten sind begrenzt. Novo Nordisk investiert kräftig in den Ausbau und hat neue Vertriebsverträge abgeschlossen, etwa mit dem US-Apothekenriesen CVS. Damit konnte der Marktanteilsverlust vorerst gestoppt werden. Doch in den USA tauchen bereits Nachahmerprodukte auf, die über rechtliche Schlupflöcher vertrieben werden. Zudem zeigen auch andere Pharmakonzerne wie Roche Interesse am lukrativen Markt für Abnehmprodukte. 

Zur Diversifikation hat Novo Nordisk nun Akero Therapeutics für 5,2 Milliarden US-Dollar übernommen. Das US-Unternehmen entwickelt Medikamente gegen Leberfibrose, eine häufige Folge von Fettleibigkeit. 

ESG-Rating unter Druck 

Die ESG-Bewertung von Novo Nordisk hat sich laut MSCI ESG deutlich verschlechtert. Statt einer Spitzenbewertung erhält der Konzern nun nur noch eine mittlere Einstufung. Grund sind mehrere Klagen wegen Nebenwirkungen von Wegovy und anderen Medikamenten. Sie bergen hohe finanzielle Risiken und werfen Fragen zur Produktsicherheit und zum Qualitätsmanagement auf. 

Zudem steht Novo Nordisk im Verdacht, das US-Gesundheitsprogramm Medicaid betrogen zu haben. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Unternehmensführung. Positiv bewertet wird hingegen der Umgang mit Mitarbeitenden sowie die Bemühungen, den Zugang zu Insulin in Entwicklungsländern zu verbessern. 

Wie geht es weiter? 

Ob Novo Nordisk die Trendwende schafft, hängt davon ab, wie das Unternehmen mit diesen Herausforderungen umgeht und die eingeleiteten Massnahmen fruchten. Die nächsten Quartalszahlen, neue Studienergebnisse und mögliche regulatorische Schritte gegen Nachahmerprodukte werden entscheidend sein. 

Für Novo Nordisk spricht das deutlich tiefere Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 15 gegenüber 55 bei Eli Lilly. Das bedeutet: Die Markterwartungen sind bereits gedämpft, und es ist für Novo Nordisk deutlich leichter, diese zu übertreffen und den Aktienkurs wieder zu steigern. 

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