Tieferer Ölpreis: Das sind die Gewinner- und Verlierer-Aktien

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VZ Analyse

Mit der Ankündigung des Friedensdeals zwischen den USA und dem Iran ist der Ölpreis deutlich gesunken. Viele Unternehmen profitieren davon, andere nicht – auch in der Schweiz.

Publiziert 17. Jun 2026

Autor

Pascal Meisser

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit 38-mal einen Deal mit dem Iran erfolglos angekündigt, beim 39. Mal scheint er erfolgreicher zu sein. Zwar sind viele Details noch nicht bekannt, aber die Finanzmärkte gehen dieses Mal von einem Erfolg aus. In der Nacht auf Montag sank der Ölpreis signifikant, in der Folge kam es an den Aktienmärkten zu deutlichen Bewegungen – je nach Sektor nach oben oder nach unten.

Das VZ hat die Sektoren analysiert, die potenziell von einem tieferen Ölpreis profitieren sollten.

Die Gewinner: Wer von sinkenden Kosten profitiert

Von einem tieferen Ölpreis profitieren zahlreiche Branchen – hier eine Übersicht.

Luftfahrt

Kerosin macht bei Fluggesellschaften einen der grössten Kostenblöcke aus. Er ist für rund 30 Prozent der operativen Ausgaben zuständig. Während des Iran-Kriegs stieg dieser Anteil aufgrund höherer Preise bei einzelnen Fluggesellschaften auf bis zu 50 Prozent.

Besonders betroffen davon waren asiatische Airlines, die weder über üppige Ölreserven verfügten noch die Kerosinpreise im grossen Stil absicherten wie europäische Fluggesellschaften.

Die jüngste Marktreaktion zeigt denn auch, dass europäischen und US-amerikanischen Airlines das grössere Erholungspotenzial zugewiesen wird – dazu gehören Lufthansa, IAG (Muttergesellschaft von British Airways) und Air France-KLM. Sie alle legten Anfang Woche rund 10 Prozent zu und liegen seit Anfang Jahr wieder leicht im Plus.

Die Billigflieger Ryanair und Wizz Air könnten zusätzliches Aufholpotenzial aufweisen. Auch ihre Aktien reagierten positiv, liegen aber dieses Jahr noch im negativen Bereich.

In den USA kam es bei American Airlines und Southwest Airlines zu ähnlichen Reaktionen.

Logistiker

Logistikunternehmen, die eine grosse Flugzeug- oder Schiffsflotte unterhalten, profitieren ebenfalls von tiefen Ölpreisen. Auch hier machen die Transportkosten oft einen erheblichen Teil der Ausgaben aus. Aktien der Logistiker wie Kühne + Nagel, DSV oder A.P. Moller-Maersk reagierten jedoch negativ auf ein mögliches Abkommen. Hauptgrund ist eine Entspannung in der wichtigen Verkehrsroute durch die Strasse von Hormus. Dadurch wird die Nachfrage nach massgeschneiderten Lösungen für die Lieferkettenproblematik sinken.

Industrie- und Bauunternehmen

Industrie- und Bauaktien profitieren von einem tieferen Ölpreis vor allem durch erhebliche Kostensenkungen bei Rohstoffen, Logistik und Energie. Da Öl die gesamte industrielle Wertschöpfungskette durchläuft, entlastet ein Preisrückgang die Margen zyklischer Unternehmen und kurbelt die globale Nachfrage an. Der Bausektor gehört zu den direktesten Profiteuren, da die Produktion und der Transport von Baumaterialien extrem energie- und ölintensiv sind. In der Schweiz betrifft dies vor allem die SMI-Unternehmen Holcim, Amrize, Sika und Geberit, in Deutschland gehört Heidelberger Materials zu den Gewinnern.

Automobil

Autohersteller und ihre Zuliefererbetrieben würden grundsätzlich ebenfalls zu den Profiteuren gehören – unter anderem dank tieferen Transportkosten. Allerdings leidet die europäische Branche unter zusätzlichen Problemen – unter anderem an Marktanteils- und Absatzverlusten, hohen Produktions- und Lohnkosten sowie anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf die US-Zollpolitik. Entsprechend reagierten die Aktienkurse von VW, Mercedes-Benz und Stellantis am Montag äusserst verhalten.

Die Verlierer: Wo der Ölpreisdruck schmerzt

Auf der Gegenseite stehen Unternehmen, deren Geschäftsmodell direkt an die Ölförderung oder den Energiepreis gekoppelt ist.

Öl- und Gasproduzenten

Dieser Bereich gehört zu den direktesten Verlierern. Unternehmen wie Shell, BP oder TotalEnergies sowie spezialisierte Fracking-Unternehmen wie Schlumberger oder Halliburton sehen bei sinkenden Preisen ihre Umsätze und Gewinne schrumpfen. Auch Dienstleister für die Ölindustrie leiden unter Investitionskürzungen der grossen Konzerne.

Investitionsgüterindustrie

Produzenten von komplexen Bohranlagen oder Spezialmaschinen für die Ölförderung bekommen die Zurückhaltung der Energiebranche unmittelbar zu spüren, sobald Ölprojekte aufgrund mangelnder Rentabilität gestoppt werden. Dazu gehören US-Titel wie Transocean, Baker Hughes oder NOV. Diese Titel haben seit Anfang Woche entsprechend korrigiert.

Fazit für Anleger

Ein tieferer Ölpreis ist kein pauschales Signal für den gesamten Aktienmarkt. Und nicht alle potenziellen Sektoren profitieren im gleichen Masse, weil zusätzlich auch andere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Anleger sollten daher genau prüfen, ob ein Unternehmen Öl primär als Kostenfaktor oder als Basis des eigenen Geschäftsmodells betrachtet. In volatilen Zeiten empfiehlt es sich, auf Unternehmen mit einer breiten Diversifikation zu setzen, die weniger anfällig für Rohstoffpreisschwankungen sind.

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