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Beschreibung
DUISBURG (awp international) - Erneut will Deutschlands grösster Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel wegen hoher Billigstahl-Importe aus Asien in einem Werk die Produktion von sogenanntem Elektrostahl zeitweise aussetzen. Im französischen Isbergues solle die Produktion von Juni bis September stillgelegt werden, teilte die Stahl-Sparte in Duisburg mit. Betroffen sind rund 600 Beschäftigte. Sie sollen für diese Zeit eine Unterstützung des französischen Staats bekommen.
An den Standorten von Thyssenkrupp Electrical Steel in Gelsenkirchen und Isbergues arbeiten jeweils rund 600 Menschen. Ende 2025 waren die beiden Standorte bereits für einen halben Monat stillgelegt worden. Seit Januar produziere Isbergues nur mit 50 Prozent der Gesamtkapazität, hiess es.
Thyssenkrupp sieht "ruinöse Importschwemme"
Der Chef der Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Electrical Steel, Angelo Di Martino, sprach von einer "ruinösen Importschwemme". Die temporäre Stilllegung des französischen Standortes sei notwendig, um das Unternehmen angesichts einer weiter verschlechterten Auftragslage zu stabilisieren. Vergleichbare Massnahmen seien in Gelsenkirchen nicht geplant, sagte ein Sprecher der Stahl-Sparte.
Die Importpreise lägen teilweise weit unterhalb der Produktionskosten in der EU. "Wir brauchen daher dringend einen wirksamen Handelsschutz, um faire Wettbewerbsbedingungen für dieses strategisch wichtige Produkt herzustellen", erklärte er. Man sei dazu in einem guten Dialog mit der EU-Kommission und hoffe auf eine zeitnahe Einführung effektiver Handelsschutzmassnahmen.
Spezialstahl für Trafos und Windräder
Thyssenkrupp Electrical Steel stellt Spezialstähle für die Energiewirtschaft her. Das Material, sogenanntes kornorientiertes Elektroband, wird allgemein für den Stromtransport verwendet, kommt aber auch in Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen zum Einsatz. In Europa gibt es nach Unternehmensangaben nur noch zwei Hersteller dieser Spezialstähle.
Laut Thyssenkrupp haben sich die Importmengen in die EU seit 2022 verdreifacht. Das Unternehmen geht davon aus, dass sie mittlerweile mehr als 50 Prozent des europäischen Marktvolumens ausmachen. "Diese Entwicklungen haben zu einer dramatischen Reduzierung der Auftragsvolumina und somit zur erheblichen Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen geführt", hiess es. Der Markt für kornorientiertes Elektroband bleibe aber attraktiv: "Marktstudien zufolge verdreifacht sich der globale Bedarf bis 2050."/tob/DP/men