VZ Analyse
Die Tesla-Aktie lebt von Erwartungen – doch das Kerngeschäft schwächelt und die Risiken steigen. So will Elon Musk das Steuer herumreissen.
21. Okt. 2025
Beschreibung
Am 22. Oktober legt Tesla die Ergebnisse für das dritte Quartal 2025 vor – ein Termin, den Investoren mit Spannung erwarten. Der Grund: Das Wachstum im Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen hat deutlich nachgelassen. Allein mit dem Automobilbau lassen sich die hohen Aktienkurse und die darin eingepreisten Erwartungen nicht mehr rechtfertigen. Tesla sucht daher nach neuen Narrativen und Geschäftsfeldern, um den Kurs zu stützen.
Dieses Phänomen ist nicht einzigartig: Auch andere Mitglieder der «Magnificent Seven» kämpfen mit nachlassendem Wachstum in ihren traditionellen Geschäftsfeldern, während die Bewertungen ambitionierte Erwartungen widerspiegeln. Um diese Lücke zu schliessen, inszenierten die Unternehmen in den vergangenen Jahren Hypes um Themen wie Metaverse, IoT, Kryptowährungen – und aktuell um Künstliche Intelligenz. Bei Tesla ist es neben KI vor allem das autonome Fahren, das als grosse Wachstumsstory dient.
Autonomes Fahren: Vision oder Illusion?
Musks ambitionierte Prognosen für selbstfahrende Autos und das lukrative Robotaxi-Geschäft bleiben bislang Wunschdenken. Die versprochene Million Robotaxis bis 2020 kam nie. Der Pilotversuch in Austin beschränkte sich auf ein kleines Gebiet und erforderte einen Sicherheitsfahrer. Kein Wunder, dass die gross angekündigte Präsentation im Oktober enttäuschte und von Beobachtern als blosse Show bezeichnet wurde – weit entfernt von einer ernsthaften Markteinführung
Derweil stagnieren Teslas globale Verkaufszahlen. Die Modellpalette wirkt veraltet, das angekündigte 25.000-Dollar-Modell („Model 2“) wurde gestrichen. Neue, günstigere Varianten des Model Y und Model 3 erscheinen eher als Reaktion auf Konkurrenz und auslaufende Steuervergünstigungen denn als Teil einer visionären Strategie. In China verliert Tesla zunehmend Marktanteile an Wettbewerber wie BYD, die fortschrittliche Technologien in erschwingliche, aber qualitativ hochstehende Modelle integrieren.
Angesichts der hohen Bewertung ist der strategische Kurswechsel für Tesla kein optionaler Schritt, sondern eine zwingende Notwendigkeit: weg vom automobilen Massenmarkt hin zu Zukunftsprojekten wie Robotaxis und humanoiden Robotern.
Regulatorischer Druck und juristische Risiken
Die Risiken steigen, auch die juristischen: Die US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht 2,88 Millionen Tesla-Fahrzeuge im Zusammenhang mit Teslas autonomem Fahrsystem wegen Berichten über das Überfahren roter Ampeln und Unfälle an Kreuzungen. Der Fall Benavidez endete mit einem Urteil über 240 Millionen Dollar, nachdem Tesla für einen tödlichen Unfall haftbar gemacht wurde.
Hinzu kommt, dass Tesla im Zusammenhang mit Fehlern bei selbstfahrenden Fahrzeugen absichtlich lokal in den Autos gespeicherte Daten gelöscht und durch irreführende Aussagen die Ermittler getäuscht hat. Auch die kostspielige Einigung in einem weiteren Fall (im Fall «Maldonado» soll die Einigungssumme laut manchen Quellen bei 100 Millionen gelegen haben) unterstreicht die wachsenden finanziellen Risiken.
Vor diesem Hintergrund wirkt das vom Vorstand vorgeschlagene Vergütungspaket für Elon Musk in Höhe von 1 Billion Dollar wie ein trotziges Bekenntnis zum Superstar-Unternehmer. Die Vergütung ist fast ausschliesslich an Aktienkursziele gebunden – ein Signal, dass Tesla auf Marktstimmung statt auf fundamentale Zahlen setzt. Operative Probleme wie Verzögerungen beim Cybertruck, gestrichene Modelle und Datenschutzkritik bei Abo-Diensten bleiben ausgeblendet.
Was Investoren jetzt interessiert
Die Quartalskonferenz wird weniger wegen Auslieferungszahlen spannend, sondern wegen der Glaubwürdigkeit des strategischen Wandels. Anleger erwarten:
- Fortschritte beim autonomen Fahren (Full Self-Driving FSD)
- Realistische Zeitpläne für den humanoiden Roboter «Optimus»
- Signale zur Bewältigung regulatorischer und juristischer Risiken
Das Fazit für Anleger lautet: Die zentrale Frage ist nicht länger, ob Tesla mehr Autos verkauft, sondern ob die Transformation vom Autobauer zu einem Technologieunternehmen gelingt – bevor Markt oder Justiz die Geduld verlieren. Ein überzeugender Ausblick könnte die Aktie Richtung 500 Dollar treiben. Ein Rückschlag bei FSD oder ein schwacher Ausblick hingegen könnten den Kurs ins Wanken bringen.
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