VZ Analyse
Die Erfolgsbank Swissquote sieht sich 2026 mit Gegenwind konfrontiert: Sinkende Zinsen, schwache Kryptomärkte und weniger Neugeld bremsen das Wachstum – doch die starke Kapitalbasis gibt der Bank wichtigen strategischen Spielraum.
Publiziert 11. Febr. 2026
Beschreibung
Swissquote gehört zu den grossen Erfolgsgeschichten an der Schweizer Börse. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ihr Aktienkurs mehr als verfünfzehnfacht. Auch 2025 zählte die Online-Bank zu den Gewinnern. Mit einer Gesamtrendite von 42 Prozent ist die Aktie eine der stärksten Banktitel Europas. Doch dieser Schwung hat sich 2026 spürbar abgeschwächt: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie 12,3 Prozent im Minus. Der Markt reagiert damit auf mehrere Belastungsfaktoren, die das kurzfristige Wachstum bremsen.
Zinswende drückt auf die Erträge
Ein wesentlicher Teil der Swissquote-Erträge stammt traditionell aus dem Zinsgeschäft. Im ersten Halbjahr 2025 machten diese Einnahmen 30,1 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Mit der Zinssenkung der SNB Mitte des vergangenen Jahres auf null hat sich das Umfeld jedoch grundlegend verändert. Zwar fallen die Erträge nicht sofort weg, doch die Margen werden sich in den kommenden Geschäftsjahren weiter spürbar zurückbilden. Für Swissquote bedeutet das: Ein wichtiger Profitpfeiler verliert an Kraft.
Kryptomarkt schwächelt – und belastet das Handelsvolumen
Auch der Kryptohandel, der im ersten Halbjahr 2025 rund 12 Prozent zum Umsatz beitrug, steht unter Druck. Die rückläufigen Kurse dämpfen nicht nur die Handelsgebühren, sondern auch die Aktivität der Kundinnen und Kunden – oft stärker, als es die reine Preisentwicklung vermuten lässt. In Phasen fallender Kurse wird tendenziell weniger gehandelt, was die Ertragsbasis zusätzlich schmälert.
Neugeldzuflüsse verlangsamen sich
Nach einem Rekordzufluss von 5,2 Milliarden Franken in der ersten Jahreshälfte 2025 sammelte Swissquote in der zweiten Hälfte gemäss vorläufiger Zahlen nur noch 3,3 Milliarden ein. Das ist zwar immer noch ein solides Niveau, doch der Rückgang wirkt sich auf das mittelfristige Transaktionsgeschäft aus. Denn besonders neue Kundinnen und Kunden handeln in den ersten Monaten überdurchschnittlich viel – ein Effekt, der 2026 nun weniger stark zum Tragen kommen dürfte.
Der entscheidende Trumpf: Das Eigenkapital
Trotz der operativen Gegenwinde verfügt Swissquote über eine aussergewöhnlich starke Bilanz. Das Eigenkapital beläuft sich auf 1,2 Milliarden Franken, die Eigenkapitalquote liegt bei 27,4 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie die von der Finma geforderten 11,2 Prozent. Dieses überschüssige Kapital – geschätzt über 700 Millionen Franken – eröffnet strategische Spielräume. Das Management hat klar signalisiert, dieses für gezielte Investitionen in das bestehende Geschäftsmodell zu verwenden. Dazu können auch Zukäufe zählen. Das potenzielle Einkaufsvolumen für neue Assets könnte sich im tiefen zweistelligen Milliardenbereich bewegen.
Im vergangenen Juli nutzte Swissquote diese Stärke und übernahm die restlichen 50 Prozent an der Finanz-App Yuh von Postfinance – ein Schritt, der die Position im Retailgeschäft weiter festigt. Weitere Verwendungen für das Eigenkapital dürften folgen, insbesondere dann, wenn das operative Geschäft zu schwächeln beginnt. Strategisch dürfte das Unternehmen damit in allen Marktlagen sehr gut aufgestellt sein und könnte jederzeit für eine Überraschung sorgen.
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