Start zur Rückerstattung der US-Zölle – das sind die Folgen

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Ein Supreme-Court-Urteil dürfte die USA Milliarden von Dollar kosten. Doch bei der Rückzahlung der Zölle gibt es verschiedene Hürden.

Publiziert 21. Apr 2026

Autor

Florian Estermann

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

In den USA beginnt diese Woche ein aufwendiger Prozess zur Rückerstattung von Importzöllen, die Unternehmen in den vergangenen Jahren entrichten mussten. Auslöser ist ein Entscheid des Obersten Gerichtshofs, der die von Präsident Donald Trump verhängte Importzölle als verfassungswidrig eingestuft hat. Nun richtet die US-Zollbehörde ein Online-System ein, über das betroffene Unternehmen Rückforderungen geltend machen können.

Hintergrund: Gericht stoppt Notfallzölle

Der Supreme Court entschied am 20. Februar mit sechs zu drei Stimmen, dass Präsident Trump im vergangenen Jahr seine verfassungsmässigen Kompetenzen überschritten habe, als er neue Importzölle auf Waren aus nahezu allen Handelspartnerländern festlegte. Trump hatte sich dabei auf ein Notstandsrecht aus dem Jahr 1977 berufen und das US-Handelsdefizit als nationale Notlage deklariert.

Zwar äusserte sich das Gericht nicht explizit zu Rückzahlungen, doch ein separates Urteil des US-Handelsgerichts stellte später klar, dass Unternehmen Anspruch auf Erstattung der zu Unrecht erhobenen Zölle haben.

Rückerstattung startet schrittweise

Seit Montag können Importeure und ihre Zollagenten über ein digitales Portal der Zoll- und Grenzschutzbehörde Anträge einreichen. Nach Genehmigung soll die Auszahlung laut Behörde innerhalb von 60 bis 90 Tagen erfolgen. Die Abwicklung erfolgt jedoch gestaffelt, wobei zunächst jüngere Zollzahlungen priorisiert werden.

Insgesamt zahlten laut Behördenangaben über 330’000 Importeure rund 166 Milliarden Dollar an Zöllen für mehr als 53 Millionen Sendungen. Nicht alle dieser Zahlungen sind jedoch sofort erstattungsfähig. In der ersten Phase berücksichtigt werden vor allem Fälle, bei denen die Zollabgaben noch nicht endgültig festgesetzt wurden oder deren Abschluss weniger als 80 Tage zurückliegt.

Hoher administrativer Aufwand für Unternehmen

Unternehmen müssen detaillierte Erklärungen einreichen, in denen sie sämtliche betroffenen Warensendungen und zugehörigen Dokumente auflisten. Schon kleine formale Fehler können dazu führen, dass einzelne Positionen oder ganze Anträge abgelehnt werden. Fachleute raten daher zu besonderer Sorgfalt und Geduld.

Bis Mitte April hatten sich rund 56’000 Importeure für das elektronische Zahlungssystem registriert. Für diese Unternehmen sind Rückerstattungen von insgesamt rund 127 Milliarden Dollar inklusive Zinsansprüchen möglich.

Der Zeitfaktor bleibt jedoch kritisch. Selbst bei erfolgreicher Antragstellung können technische Probleme oder formale Rückfragen den Prozess verlängern. Rückzahlungen an Kunden, sofern sie überhaupt vorgesehen sind, dürften deshalb nur schrittweise und verzögert erfolgen.

Kleine Unternehmen hoffen auf Entlastung

Gerade kleinere Firmen verfolgen den Start des Systems mit hohen Erwartungen. Viele haben die Zölle zunächst selbst getragen, um Preiserhöhungen für ihre Kunden zu vermeiden. Entsprechend gross ist die Hoffnung, dass Rückerstattungen die angespannte Liquiditätssituation zumindest teilweise entspannen.

Gleichzeitig bleibt die Sorge, dass ein monatelanger Rückerstattungsprozess den kurzfristigen finanziellen Druck kaum lindert. Für Betriebe mit knappen Cashflows ist der zeitliche Abstand zwischen Antrag und Auszahlung entscheidend.

Erhalten auch Konsumenten Geld zurück?

Die nun gestartete Rückerstattung richtet sich ausschliesslich an Unternehmen. Diese sind rechtlich nicht verpflichtet, erhaltene Beträge an Kunden weiterzugeben. Dennoch laufen mehrere Sammelklagen, mit denen Konsumenten versuchen, Rückzahlungen bei grossen Handels- und Markenunternehmen durchzusetzen.

Eine andere Ausgangslage besteht bei Logistikunternehmen wie FedEx oder UPS. Diese hatten Zölle teils direkt bei Privatkunden eingezogen und signalisierten bereits, dass sie Rückerstattungen an Kunden weiterleiten wollen, sobald sie selbst Gelder von den Behörden erhalten.

Was bedeutet das für Anleger?

Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark handelspolitische Entscheidungen in den USA von rechtlichen und politischen Unsicherheiten geprägt sind. Rückwirkende Gerichtsurteile können erhebliche bilanzielle Effekte haben und Cashflows kurzfristig verzerren.

Für Anleger und Unternehmer unterstreicht das Verfahren die Bedeutung von rechtlicher Planbarkeit im internationalen Handel. Auch wenn die aktuelle Rückerstattungswelle finanzielle Entlastung bringen kann, bleibt sie mit erheblichem administrativem Aufwand und zeitlicher Unsicherheit verbunden.

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