SpaceX: Was der Mega-Börsengang für Anleger bedeutet

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Mit SpaceX, Anthropic und OpenAI drängen drei US-Konzerne an die Börse. Der Start macht SpaceX am kommenden Freitag. Das schlägt hohe Welle in den Medien und führt bei Investoren zu diversen Fragen und teilweise zu Verunsicherung.

Publiziert 5. Jun 2026

Autor

Claudio Betschart

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

SpaceX wird als potenziell grösster IPO aller Zeiten diskutiert. Das ehemals klassische Raumfahrtunternehmen ist mittlerweile vielseitig unterwegs. Einerseits betreibt es mit Starlink ein riesiges Satellitennetzwerk. Andererseits soll der Betrieb von Raketen kommerzialisiert werden. Darüber hinaus verfolgt das Unternehmen mit Starship die langfristige Vision einer Besiedlung des Mars. Zudem investiert SpaceX zunehmend in Rechenzentren und KI-Infrastruktur.

Die Umsetzung dieser ambitionierten Projekte erfordert hohe Kapitalmengen. Der Börsengang soll daher die Möglichkeit schaffen, zusätzliche finanzielle Ressourcen für Wachstum, Forschung und Infrastruktur sicherzustellen. 

SpaceX peilt beim Börsengang eine Rekordbewertung von rund 1,75 Billionen Dollar an. Wie bei IPOs üblich dürfte von der Gesamtbewertung aber nur ein Teil an die Börse gebracht werden. Schätzungen gehen aktuell von bis zu 75 Milliarden Dollar aus, was aber immer noch der grösste Börsengang aller Zeiten wäre. Dieser Umfang wurde in der Nacht auf Donnerstag bestätigt, der Ausgabepreis der Aktien soll bei 135 Dollar liegen. 

Trotz eines Verlusts von rund 4,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025 wächst SpaceX operativ stark. Der Umsatz stieg vergangenes Jahr von 14 Milliarden Dollar auf 18,5 Milliarden US-Dollar und soll 2026 voraussichtlich auf 22 bis 26 Milliarden Dollar anwachsen. 

Trotz der starken Wachstumsaussichten erscheint die Bewertung als äusserst ambitioniert. Microsoft und Nvidia werden aktuell mit einem Umsatzmultiplikator von rund 10,5x bzw. 20x gehandelt. Bei SpaceX wird das Price-to-Sales-Verhältnis beim IPO zwischen 80x und 100x liegen. Damit wird ein erheblicher Teil des zukünftigen Wachstums eingepreist.

Grossen Einfluss werden die Publikumsaktionäre nicht erhalten. Die Stimmrechtsmehrheit bleibt bei Elon Musk. Seine Aktien erhalten das zehnfache Stimmrecht. Damit behält er die uneingeschränkte Macht. Das wirtschaftliche Risiko tragen dennoch alle mit.

Regeländerungen bei der Indexaufnahme 

In den Medien und unter den Privatanlegern machen sich im Zuge der geplanten IPOs, rund um die Indexaufnahme der neu kotierten Firmen Sorgen breit. Viele grosse IPO werden früher oder später in wichtige Indizes aufgenommen. Dafür müssen gewisse Kriterien erfüllt werden, weshalb dieser Schritt in der Regel erst mit Verzögerung erfolgt.

Im Zuge des Wettbewerbs unter den Indexbetreiber wurden nun aber die Aufnahmeregeln gelockert. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Mega-IPO schneller in zentrale Indizes wie den Nasdaq 100 aufgenommen werden.

Für passive Anleger ist dies daher relevant, da dadurch eine indirekte Exponierung gegenüber neuen IPO entstehen kann, auch ohne aktive Entscheidung für den Einzelwert. Dieser Mechanismus spielt allerdings auch bei den regelmässig stattfindenden Indexanpassungen, jedoch mit weniger direktem Einfluss und weniger medialer Begleitung.

IPO im Generellen 

Börsengänge markieren den Übergang eines Unternehmens von privatem in öffentlich handelbares Eigentum. Dadurch wird es einem breiteren Kreis von Investoren zugänglich. Oftmals geht dieser Prozess gleichzeitig mit einer Kapitalerhöhung einher.

Der Emissionspreis wird im Vorfeld in einem Bookbuilding-Verfahren eruiert. Je nach IPO ist es für Privatanleger schwierig bis unmöglich, sich direkt bei der Emission zu beteiligen. Ihnen bleibt daher nur der Weg über den Sekundärmarkt. Dies wird auch bei den geplanten IPOs so sein.

Der gehandelte Preis folgt nach einem IPO häufig wiederkehrenden Mustern. Kurzfristig weist die Aktie erhöhte Volatilität auf, kombiniert mit teilweise starken Erstbewegungen geprägt durch Retail-Nachfrage und Medienwirkung. 

Mittelfristig (3 bis 24 Monate) stabilisiert sich das Preisniveau aufgrund der Re-Evaluation durch Analysten. Ein zentraler Effekt ist die sogenannte Lock-up-Expiry-Phase, in der frühere Investoren erstmals verkaufen dürfen. Dies kann zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen und zu temporären Kursrückgängen führen.

Auswirkungen auf das Portfolio

Der Börsengang von SpaceX ist vor allem eine Spekulation auf die langfristigen Chancen der teilweise sehr visionären Ideen. Die Bewertung setzt voraus, dass die Umsätze massiv steigen und das Unternehmen nachhaltigen profitabel wird. Der Aktienkurs dürfte zu Beginn von Phasen erhöhter Unsicherheit und asymmetrischer Informationen geprägt sein. Auch die Erfahrungen aus historischen IPO deuten darauf hin.

Da gewisse Indexaufnahmen zeitnah vollzogen werden dürften, werden viele Anleger mit passiven Instrumenten sowieso investiert sein. Vor allem die Aufnahme in den Nasdaq 100 dürfte bereits nach einigen Handelstagen möglich sein. Der Nasdaq 100 ist jedoch mit der Free-Float.Kapitalisierung gewichtet. Dadurch haben Unternehmen mit einem tieferen Anteil frei handelbarer Aktien auch ein kleineres Gewicht im Index. 

Da der Free Float von SpaceX nur ungefähr 5 Prozent betragen wird, wird SpaceX im Nasdaq relativ tief gewichtet sein. Bei einer ungefähren Marktkapitalisierung des Nasdaq 100 von 40 Billionen US-Dollar wäre die Gewichtung von SpaceX lediglich 0,21 Prozent. Der Einfluss von SpaceX auf ETF-Anleger ist somit äusserst klein. Mit einer ausgewogenen und auf verschiedene Produkte und Regionen aufgeteilte Allokation werden mögliche negative Auswirkungen noch weiter minimiert.

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