VZ Analyse
Im Ringen um Grönland hat US-Präsident Trump die Gangart verschärft. In Europa mehren sich deshalb Stimmen, die koordinierte Verkäufe von US-Staatsanleihen fordern. Eine Einordnung, welchen Einfluss dies auf die Dollar-Renditen hätte.
Publiziert 22. Jan. 2026
Beschreibung
US-Präsident Trumps Drohungen gegenüber Europa haben eine Debatte über europäische Gegenmassnahmen ausgelöst. Dabei wird vermehrt auch ein Verkauf von US-Staatsanleihen ins Spiel gebracht. Befeuert wurde diese Debatte gestern vom dänischen Pensionfonds, der sämtliche US-Obligationen im Wert von 100 Millionen Dollar abstiess.
Neben dem dänischen Pensionsfonds sind weitere europäische Gläubiger in US-Bonds investiert. Sie halten knapp 10 Prozent der US-Staatsschulden, was ihnen auf den ersten Blick ein gewisses Drohpotenzial verschafft. Diese Anleihen werden allerdings nicht von den Staaten selber gehalten, sondern von privaten Investoren und von den Notenbanken.
Koordinierte Verkäufe von grossen Institutionellen Investoren erscheinen aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Zum einen sind die Alternativen zum Dollar limitiert. Zum anderen wäre der Markt für derart umfangreiche Verkäufe schlicht zu illiquid: Es wäre schwierig, genügend Käufer zu finden, ohne damit Verwerfungen an den Märkten und erhebliche Verluste zu riskieren. Aus anlagepolitischer Sicht ist es auch wenig zielführend, bedeutende Vermögen aus kurzfristigen politischen Überlegungen umzuschichten – nicht zuletzt, weil der Ausgang des Streits um Grönland völlig offen ist.
Die Rolle der Notenbanken
Ein erheblicher Teil der US-Treasuries wird zudem von Notenbanken gehalten. Sie können ihre Dollar-Bestände nicht von heute auf morgen im grossen Stil verringern, weil dadurch ihre eigene Währung gegenüber dem Dollar stark aufwerten würde – ein unerwünschter Effekt in Zeiten erhöhter geopolitischer Unsicherheit. Gleichzeitig würden solche Verkäufe ihren geldpolitischen Handlungsspielraum einschränken.
Es erscheint deshalb unwahrscheinlich, dass Europa den Verkauf von US-Staatsanleihen als politisches Druckmittel einsetzen kann. Das schliesst jedoch nicht aus, dass der Grönland-Konflikt zu einem weiteren Anstieg der Renditen von US-Treasuries und zu einer Schwächung des Dollars führen könnte. Denn im kleineren Stil können Investoren durchaus Umschichtungen vornehmen – sei es aus geopolitischen Überlegungen oder weil sie die Perspektiven für die USA neu beurteilen. Die angedrohten zusätzlichen Strafzölle auf Importen aus Europa in die USA werden den Inflationsdruck in den USA verstärken und dadurch den Dollar tendenziell schwächen.
Sollten die Renditen von US-Staatsanleihen zu stark nach oben tendieren, würde die US-Notenbank wohl mit Anleihenkäufen eingreifen. An den Finanzmärkten wird darüber spekuliert, dass sie die Zinskurve kontrollieren könnte, etwa durch einen Rendite-Deckel für zehnjährige Staatsanleihen zwischen 4,5 oder 5 Prozent. Spielraum hätte sie dafür genügend: Ihre Bestände an Staatsanleihen hat sie in den letzten Jahren stark verringert. Das Verlustpotenzial bei US-Treasuries würde durch einen Rendite-Deckel stark beschränkt.
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